Halle widmet sich wieder dem Maler Karl Hofer  |  | Karl Hofer, Mädchen in der Dachkammer, 1935 | |
Nach 1945 gab es nur eine Einzelausstellung Karl Hofers in einem ostdeutschen Museum: anlässlich seines 100. Geburtstags präsentierte die Moritzburg in Halle an der Saale 1978 sein Schaffen. Nun hat der Maler, der zu den bedeutendsten Künstlern der Moderne in Deutschland zählt, erneut einen Auftritt in dem Kunstmuseum. Dabei konnte sich Kuratorin Anke Dornbach auf die Sammlung Arthouse aus Leipzig stützen, die rund fünfzig Gemälde als Leihgaben zur Verfügung stellt. In sieben thematischen Kapiteln gegliedert, macht Dornbach die künstlerische Spannweite Hofers zwischen 1900 und 1955 sichtbar und zeigt, wie der Künstler auf der Suche nach menschlicher Wahrheit jenseits politischer und modischer Strömungen eine eigenständige Bildsprache zwischen Expressionismus, Neuer Sachlichkeit und Magischem Realismus entwickelte.
Im Mittelpunkt von Hofers Schaffen steht der Mensch in seiner Würde, Verletzlichkeit und Einsamkeit. Rätselhafte Gestalten, Masken und Harlekine werden in seinen Gemälden zu Symbolen für Rolle und Identität; Szenen von Schutzlosigkeit und Verwundung spiegeln die Erfahrungen von Krieg und persönlichem Leid in eindringlicher Emotionalität und stiller Dramatik. Zudem beschäftigte sich Karl Hofer mit menschenleeren Landschaften und Stillleben, die ihm als Experimentierfelder für Form und Farbe dienten. Themen wie Verlust, Widerstand, Leben und Tod gestaltet er auf persönliche, unaufdringliche Weise. Sein von Brüchen geprägter eigener Lebensweg schlug sich dabei in seinen stillen melancholischen Bildern nieder, seine Figuren sind Träger existenzieller Erfahrungen.
1933 entzogen die Nationalsozialisten Karl Hofer das Lehramt an den Vereinigten Staatsschulen für freie und angewandte Kunst in Berlin-Charlottenburg, 1937 diffamierten sie ihn in der Ausstellung „Entartete Kunst“ und entfernten mehr als 300 seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen. Ein Bombenangriff zerstörte 150 Gemälde sowie zahlreiche Skizzen und Notizen. Seine erste Frau Mathilde, von der er seit 1927 getrennt lebte, wurde 1942 aufgrund ihrer jüdischen Abstammung in Auschwitz ermordet, nachdem sie 1938 Hofers Drängen auf eine Scheidung nachgab und damit den Schutz einer „privilegierten Mischehe“ verlor. 1947 fiel sein ältester Sohn einem Gewaltverbrechen zum Opfer. Kunstgeschichte schrieb Hofer nach Ende des Zweiten Weltkriegs als Direktor der wiedereröffneten Hochschule für bildende Künste in Berlin. In dieser Position, die er bis kurz vor seinem Tod 1955 innehatte, prägte er die Debatte um Figuration und Abstraktion in der Nachkriegsmoderne. Aus tiefer Überzeugung, dass die menschliche Gestalt Trägerin von Empfindung, Würde und Geist bleibt, verteidigte er die figürliche Darstellung gegenüber der wachsenden Dominanz des Abstrakten.
Die Ausstellung „Karl Hofer – Zwischen Schönheit und Wahrheit“ ist bis zum 15. Februar 2026 zu sehen. Das Kunstmuseum Moritzburg hat täglich außer mittwochs von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Geschlossen bliebt an Heiligabend und Silvester. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, Azubis und Studierende ist er kostenlos. Zur Ausstellung ist im E. A. Seemann Verlag ein Katalog erschienen, der im Museum 32 Euro, im Buchhandel 42 Euro kostet.
Kunstmuseum Moritzburg
Friedemann-Bach-Platz 5
D-06108 Halle an der Saale
Telefon: +49 (0)345 – 21 25 90 |