 |  | Arnaldo Pomodoro, Continuum, 2010 | |
Die Keilschrift, die von mehreren Völkern genutzt wurde, gilt in der Version der Sumerer als eine der ältesten Schriften der Welt. Sie entstand etwa um 3.300 vor Christus und gehört mit den ägyptischen Hieroglyphen zu den ersten Verschriftlichungen von Sprache. Der Name leitet sich von den Keilformen ab, die mit einem Schreibgriffel in weiche Tontafeln gedrückt wurden. Teilweise gab es auch kleine Rollen mit einem Keilrelief, mit dem sich ein kurzer Text oder ein Titel in die Tontafel einprägen ließ. Das könnte bei der Ansicht von Arnaldo Pomodoros „Continuum“ aus dem Jahr 2010 eine Assoziation sein. Für den Handgebrauch ist dieses neunteilige, über vier Meter breite Bronzerelief eher ungeeignet, illustriert aber dennoch ein endloses Zeichensystem und einen fortlaufenden Prozess auf eindrückliche Art. Die rotgolden schimmernde Arbeit mit ihren Linien, Kerben, Ritzen, Gravuren, Vertiefungen und vereinzelten Punkten, die eine dichte ornamentale Struktur fast wie eine Schrift oder Textfragmente erzeugen, ist das Toplos der kommenden Auktionsrunde bei Koller in Zürich: Pomodoros Reflexion über Raum, Materie und Zeit soll stattliche 800.000 bis 1.200.000 Franken einspielen.
Pomodoros „Continuum“ ist Teil der Auktion „Post War & Contemporary“, die bei Koller am 27. November auf dem Programm steht und vor allem mit ungegenständlicher Kunst aufwartet, so etwa mit Helmut Federles Leinwand „The woman and the man“ von 1984. Zwar verweist der Titel auf eine Figuration, doch davon ist nichts zu sehen: Hier stehen sich zeichenhaft lediglich Balken und Dreiecke auf zweigeteiltem gelbem und dunkelgrauem Grund gegenüber (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Dann entführt das hypnotische Blau in John McCrackens „Tech Beat“ die Anwesenden in abstrakte Farbwelten. Diese Arbeit aus der Serie „Plank“, mit der der Amerikaner in seinem Spätwerk die räumliche Ausdehnung von Farbe thematisiert, erreicht durch changierende Blaunuancen und die sichtbaren Seitenwände einen Effekt, der etwa an einen Himmelsausschnitt oder einen materielosen weiten Raum denken lässt (Taxe 80.000 bis 140.000 SFR). Mark Tobey bevorzugt in seinen gestischen Arbeiten eine eher ornamentale kleinteilige Herangehensweise an die Abstraktion, wie im archaisch wirkenden „King of the Forest“ von 1970 (Taxe 28.000 bis 38.000 SFR) oder in seiner an bunte Kieselsteine erinnernden Gouache von 1960 (Taxe 7.000 bis 10.000 SFR).
Post War & Contemporary
Die Materialität der frei fließenden und erhärteten Acrylfarbe in Rot, Gelb, Grün und Blau auf weißem Papier erprobte Sam Francis in einem titellosen Werk von 1986 (Taxe 3.000 bis 5.000 SFR). In energischen Tupfen und Schwüngen mit zerlaufenden und in Schichten gekleckerten Farben agierte Francis vier Jahre später bei einer weiteren Papierarbeit (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR). Statt Kolorit beherrscht bei zwei Papierarbeiten die dynamische Linie das Geschehen, bei Norbert Kricke als sich vereinzelt überlagernde Kreissegmente von 1954 (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR), bei Hans Hartung als zu Clustern verbundene Strichbündel von 1966 (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR).
Vielfältige Assoziationen bietet Manuel Riveras Konstrukt aus Draht und Drahtgewebe in „Metamorfosis (Capricho VIII)“ von 1963, das irgendwie an ein menschliches Wesen erinnert (Taxe 20.000 bis 30.000 SFR), genauso wie Not Vitals auf Hochglanz polierte großformatige Edelstahlskulptur „Head No. 1“, der seit 2013 eine hohe Präsenz im Raum entfaltet (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR). Aus einem ebenfalls kopfähnlichen grauen Stein und einer weißen Leinwand hat Lee Ufan eine zurückhaltende, minimalistische Arbeit kombiniert (Taxe 40.000 bis 70.000 SFR). Deutlicher und vor allem lauter geht Jean Tinguely ans Werk, wenn er 1990 mittels eines Büffelschädels und Bewegung in einer kinetischen Skulptur die Vanitas-Symbolik elektrisch zum Leben erweckte (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR). Der lange geschwungene Hals ist der einzige Verweis bei Bernhard Luginbühls geschweißtem, geschraubtem und knallrot lackiertem Eisenkunstwerk auf die titelgebende „Grosse Giraffe“ aus dem Jahr 1969 von immerhin achteinhalb Metern Höhe (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Dazu gibt es noch sein kleines Modell für 8.000 bis 12.000 Franken.
Dann kommt aber doch noch die Figuration zu ihrem Recht. Das Portrait ist im Schaffen Andy Warhols seit 1960 ein zentrales Thema. In späteren Werken wandte sich der Pop Art-Star Personen aus seinem sozialen Umfeld zu, etwa 1985 in der Gelb, Orange und Blau gedruckten, mit Acrylfarbe überarbeiteten, intimen und innigen Serigrafie „Patty Raynes and Son“ (Taxe 180.000 bis 280.000 SFR). Eine fotografische Momentaufnahme von 1981 hält Warhol selbst unter freundlichem Lächeln beim Ankleiden mit einer „Wardrobe Assistant“ fest (Taxe 2.000 bis 3.000 SFR). Eine Art bekleideten zarten weiblichen Geist mit azurblauem Cape und weinroter Baskenmütze malte Tam Ochiai 2003 und nannte ihn „Autumn“ (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR). Eine deutlich höhere Präsenz wohnt Miriam Cahns Gestalten „junger soldat“ von 2001 und „zart“ von 1999 inne, die für 20.000 bis 30.000 Franken respektive 16.000 bis 26.000 Franken farbleuchtend aus dem dunklen Hintergrund hervortreten. Aus Dorothy Iannones freudiger, erotisch aufgeladener Bilderwelt kommen die Gemälde „Yes“ und „Love the stranger“ von 1981 (Taxe je 8.000 bis 14.000 SFR) sowie das kleinteiligere Wimmelbild „Cap d’antibes. Red painting made in clocher de la Garoupe“ von 1966 zum Aufruf (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR).
In einer eindrücklichen Figur mit auseinanderfallendem Antlitz und rhythmisch fragmentierter Körperform verschmolz Wifredo Lam 1942 eine Synthese aus Kubismus, Traumgestalt und mythischem Totem in zurückhaltenden Grau- und Brauntönen (Taxe 160.000 bis 240.000 SFR). Recht alltäglich geht es auf Karen Kilimniks neoexpressiven Bildern zu, etwa ihrem Interieur „drinks room of the Egerton House hotel“ von 2008 (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR) oder ihrer Tierfarm „the happy + frivolous + chipper birds at the watering dish with fairy friends“ von 2010 (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR), kryptisch hingegen auf Giulio Paolinis Foto-Collage „Koh-i-noor“ von 1988/89 in tiefem Schwarz, in der der Künstler eine Sternenkarte der nördlichen Halbkugel vor sein Gesicht hält (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR). Ugo Rondinone gelingt es, mit der großformatigen meisterhaften Tuschezeichnung eines Waldstücks von 1991 eine romantische Landschaft heraufzubeschwören, in der man sich ganz verlieren kann (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR). Jean-Frédéric Schnyder hat 1996 den „Sonnenuntergang am Zugersee“ in zwei unterschiedlichen vierteiligen Bilderfolgen mit kraftvoller Malweise dokumentiert und will nun jeweils 30.000 bis 50.000 Franken dafür sehen.
Impressionismus & Moderne
Höhepunkt in der Versteigerung „Impressionismus & Moderne“ vom 28. November ist ein Frühwerk Paul Cézannes. Noch am voluminösen Barock ist sein Gemälde „L’après-midi à Naples“ von 1876/77 orientiert. Das wohl von einem Bacchanal erschöpfte bürgerliche Paar liegt in einem Interieur herum, wobei der Herr mit seinem nackten kugeligen Hintern überrascht, während die Dame nicht zufällig ein wenig an Edouard Manets skandalöse „Olympia“ von 1863 erinnert. Der freche frühe Cézanne soll 450.000 bis 650.000 Franken einspielen. Ohne Idealisierung ist selten das harte Leben der Wäscherinnen gemalt worden. Eugène Boudin stellte sie aber 1878 bei ihrer Knochenarbeit am Flussufer des Touques im normannischen Regengrau und braunen Uferschlack nahe einer Brücke dar (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Anders geben sich da die betont auf Farbe und Licht fokussierten impressionistischen Landschaften Gustave Loiseaus, so die blau-grün dominierten „Barques, quai du Pothuis à Pontoise“ von 1900/05 (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR) oder das ebendort ein Jahr später gemalte Bild, das nun den Uferpfad mit Häusern und hohen Bäumen samt der entfernten Raffinerie zur Zeit des Vorfrühlings in den Mittelpunkt rückt (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR).
An Loiseau und anderen Postimpressionisten orientierte sich Francis Picabia um 1906/09 bei seiner frühen, noch braven Naturschilderung „Les peupliers, Grez-sur-Loing, temps gris“ (Taxe 200.000 bis 300.000 SFR). Bekannt für seine Hafen- und Flussansichten, ist es der Schnee, der Albert Marquet in die Alpen zog. Meisterlich fing er 1937 in „Montreux“ die Farbe und das Lichtspiel des jadeblauen Genfersees ein, aus dem sich geisterhaft Bergketten wie Nebelbänke erheben (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR). Eine lyrisch zurückgenommene Palette zeichnet seine rund vier Jahre ältere Pariser Stadtansicht „Quai des Grands Augustins. Soleil d’hiver“ in fast monochromen Brauntönen aus (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Eine scheinbar teils verschneite Landschaft mit Grasbüscheln entpuppt sich bei näherer Betrachtung als „Sommerabend in den Dünen“, den Hermann Max Pechstein 1939 bei seinem Urlaubsaufenthalt an der Kurischen Nehrung mit ihrem beinahe weißen Sand entdeckte (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR).
Henri Manguin konnte sich bei seinem bevorzugten Modell Marie ganz den Freuden des Fauvismus hingeben. Seine intime „Femme endormie, petite Marie“ von 1911 schläft als Odaliske auf einem Diwan mit einem weißen, samt Blumen und Tieren bestickten Überwurf, der sich ornamental verselbstständigt und zum Hintergrund hin zu einem abstrakten Farbrausch mutiert, so dass sich ein Kontrast aus flächiger Gestaltung und elegant liegender Körperlichkeit des Aktes ergibt (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Nicht minder ausdrucksstark ist die sechs Jahre später entstandene Zeichnung von Egon Schiele. Seine mit schwarzer Kreide als „Sitzende Frau“ skizzierte Adele Harms kauert mit überkreuzten Beinen auf dem Boden und fasst sich ins Haar. Dieses kraftvolle Portrait zeigt eines der eher seltenen Bildnisse von Adele, deren Schwester Edith den aufstrebenden Maler 1915 geheiratet hatte (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR). Im Jahr 1927 zeichnete Ernst Ludwig Kirchner mit bunten Kreiden flott nackte „Tänzerinnen in Berglandschaft“ (Taxe 18.000 bis 28.000 SFR).
Abstrakte Farbfreude aus segmentierten Kreisen rief Sonia Delaunay-Terk 1942 mit ihrer Gouache „Rythme coloré no. 22. F271“ hervor (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR). Nicht minder farbenfroh entwickelte Jean Metzinger ebenfalls mit Gouache sein kubistisches Stillleben mit Krug und Weinglas (Taxe 4.000 bis 7.000 SFR). Farblich ruhiger hat Yves Tanguy seine surreale – man möchte sagen geistige – Landschaft mit amöbenartigen Wesen, Lichtstrahlen und einer schwebenden Gischtwolke 1929 angelegt (Taxe 280.000 bis 380.000 SFR). Monochrom schwarz hat Hans Arp 1960 eines seiner seltenen Schieferreliefs mit organisch geschwungenen Formen unter dem Titel „Seltsame Früchte“ ausgearbeitet (Taxe 60.000 bis 100.000 SFR). Zudem macht bei der modernen Skulptur noch der italienische Tierbildhauer Rembrandt Bugatti auf sich aufmerksam und stellt einen lebensnahen „Cerf en marche“ um 1906 (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR) und die Gruppe „Deux léopards, l’un derrière l’autre“ um 1911 zur Verfügung (Taxe 180.000 bis 250.000 SFR).
Kunst der Eidgenossenschaft
Am 28. November steht bei Koller zudem die „Schweizer Kunst“ auf dem Programm, bei der ein getupftes farbintensives Alpenpanorama Giovanni Giacomettis herausragt. Ursprünglich mit Giovanni Segantini ab 1897 für die Weltausstellung in Paris entworfen, scheiterte das Vorhaben eines monumentalen Rundbilds der Alpen an zu hohen Kosten. Giacometti reduzierte den Plan und malte mehrere Versionen mit Bergketten, so um 1902 auch ein kleineres Exemplar aus dem winterlich verschneiten Bergell in einer eigenständigen divisionistischen Formensprache, das die Bergkette mit Gletschern, Felsen und rot-blau-grünen Tannenwäldern vor einer schimmernden Schneefläche zelebriert und darüber den Himmel in reichem Goldgelb aufleuchten lässt (Taxe 300.000 bis 500.000 SFR). 1909 machte Giacometti noch die Wärme des Sommers in dem mit energischen Farbstrichen gefertigten Bildnis „Ottilia“ greifbar. Die dritte Tochter des Malers sitzt gedankenverloren und nackt auf einer blühenden Wiese (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).
Eines der typischsten Motive der Schweiz sind die Alpen, darunter insbesondere das Matterhorn, das Raphael Ritz 1882 vor weißen Wolken majestätisch in Szene setzte (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Dazu gesellen sich aus dem 19. Jahrhundert etwa Alexandre Calames ruhige „Paysage avec petit lac de montagne“ von 1845/50 (Taxe 7.000 bis 9.000 SFR), Auguste Veillons ebenfalls undramatische „Rosenlaui mit Wetterhörnern“ (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR) oder Ferdinand Hodler mit seinem spiralartig aufsteigenden, pyramidenhaften Berg „Petit Salève“ bei Genf um 1892, von dem drei Varianten bekannt sind. Die lange verschollene Version mit schrägen Steinflanken in Abwechslung zum Grasbewuchs wurde erst 2008 wieder der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (Taxe 350.000 bis 500.000 SFR). Dazu treten mit den „Fischenden Kindern am Ufer der Arve“ um 1878 ein weiteres, noch dem Realismus verpflichtetes Frühwerk Hodlers (Taxe 100.000 bis 150.000 SFR) und das im strengen Profil ausgeformte „Bildnis Giulia Leonardi“ um 1910 dann schon in gesteigerter Farbigkeit (Taxe 70.000 bis 120.000 SFR).
Auf ein natürliches Kolorit verzichtet Clara Porges bei ihrem „Blick vom unteren Schafberg“ über die Alpensilhouette und hat die schroffen Felsformationen bei Sonnenuntergang in eine irreale Palette aus vibrierendem Violett, Hellblau, zartem Rosa und leuchtendem Gelb getaucht (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Blau und Weiß hingegen definieren mit einzelnen Schattenzonen ihr kraftvolles Aquarell „Morteratschgletscher mit Bellavista und Piz Zupo“ (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Pointillistisch löste Gottardo Segantini 1970 die Matten, Bäume, Blumen und Gesteine rund um den sommerlichen „Cavlocciosee“ im Val Forno in einzelne kurze Pinselstriche auf (Taxe 50.000 bis 80.000 SFR). Gedämpfter und melancholischer sind die Stimmungen auf Félix Vallottons Landschaftsbildern, sei es bei der mit grauen Wolken verhangenen, blassblauen See mit dem normannischen Stadt Honfleur am Abend (Taxe 250.000 bis 400.000 SFR) oder bei der stillen Hafenansicht „Coin de port le soir“ von 1914 mit den tief verschatteten Häusern und der goldbraunen Wasserfläche (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR).
Albert Anker beschäftigte sich oft mit dem einfachen Leben der Schweizer, so auch in seiner „Brief lesenden Bernerin“, die beim Kartoffelschälen innehält, um einen längeren Brief eingehend zu studieren. Das Ölgemälde von 1896 wurde erst kürzlich in einer deutschen Privatsammlung gefunden, wo es die vergangenen 45 Jahre lang hing (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR). Eher in der bäuerlichen Welt ist auch Rudolf Kollers Œuvre verankert. Eine saftig grüne Wiese und ein bläulicher Bergrücken im Hintergrund rahmen einen schönen Schimmel mit Zaumzeug, der auf sein Gespann wartet (Taxe 5.000 bis 8.000 SFR). Wer eine neugierige braune Kuh des Tiermalers bevorzugt, findet gleich zwei Exemplare von 1854 und 1874 für jeweils 6.000 bis 8.000 Franken. Dann hat noch Johann Gottfried Steffan in seinem Alpenbild „Auf den Höhen des Klöntalersees“ im morgendlichen Dunst mehrere Ziegen pittoresk integriert (Taxe 10.000 bis 15.000 SFR).
Die Ungegenständlichkeit spielt in der Schweizer Moderne keine große Rolle. Ein Protagonist ist aber Augusto Giacometti, der mit seiner 1899 auf Papier gemalten „Abstraktion nach einer Glasmalerei im Musée Cluny, Paris“ ein Schlüsselwerk dieser Richtung beisteuert. Die bunten schwingenden Farbflächen mit Punkten und Kreisen formen eine ornamentale Komposition und zeigen die vermutlich erste gegenstandslose Arbeit des Künstlers. Der Kunsthistoriker Michael Egli vom Schweizerischen Institut für Kunstgeschichte betont, dass diese Blätter eine bewusste Reflexion der ästhetischen Möglichkeiten von Licht und Farbe darstellen, mehr als ein Jahrzehnt bevor die Abstraktion sich via Kandinsky oder Delaunay als eigene Strömung herausbildete (Taxe 30.000 bis 50.000 SFR). Einen wilden Tanz vor schwarz-weiß gepunktetem Grund gestaltete Louis Soutter 1937/42 auf seiner ausdrucksstarken Fingermalerei „Le monstre amoureux“, deren Rückseite noch eine Kreuzigungsszene bereithält (Taxe 150.000 bis 250.000 SFR).
Die Auktionsrunde beginnt am 27. November um 14 Uhr mit „Post War & Contemporary“, am 28. November folgt um 14 Uhr die „Schweizer Kunst“, um 16:30 Uhr „Impressionismus & Moderne“. Eine Besichtigung ist bis zum 24. November täglich von 10 bis 18 Uhr möglich. |