Bartels-Gemälde für Schwaan  |  | Rudolf Bartels, Laternenkinder, 1938 | |
Das Kunstmuseum Schwaan bei Rostock hat ein Ölgemälde Rudolf Bartels’ erworben. Mit Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Kulturministeriums Mecklenburg-Vorpommern, der Stadt Schwaan und der OSPA-Stiftung konnte es die „Laternenkinder“ des zur Künstlerkolonie Schwaan zählenden Malers aus Privatbesitz ankaufen. Das um 1938 entstandene Werk gehört zu Bartels’ Werkreihe der „Laternenkinder“ und zeigt eine Gruppe von jungen Menschen in Rückenansicht mit leuchtenden Lampions bei einem Sankt-Martins-Umzug. Bartels setzte bei diesem Gemälde auf markante Farbkontraste: Einerseits die abgestufte grau-blau-violette Farbigkeit einer trüben Novemberdämmerung, anderseits die bunten Muster der leuchtenden Lampions, die beinahe aus dem Bild hervorzutreten scheinen. Das Haus im Hintergrund befindet sich noch heute in der Nähe des Schwaaner Bahnhofs.
Vom Naturalismus und Impressionismus beeinflusst, entwickelte der 1872 in Schwaan geborene Rudolf Bartels schon früh einen eigenständigen, expressiven Stil mit leuchtenden Farben und flächiger Malweise. Der Sohn einer Töpferfamilie begann seine Laufbahn als Dekorationsmaler und arbeitete in verschiedenen deutschen Städten. Im Jahr 1900 führte ihn seine Wanderschaft schließlich nach Weimar an die Großherzogliche Sächsische Kunstschule, wo er bei Theodor Hagen die Freilichtmalerei zu schätzen lernte. Auch mit den Impressionisten der Künstlerkolonie Schwaan stand Bartels im regen Austausch und stellte 1904 gemeinsam mit ihnen im nahegelegenen Rostock aus. Während zur NS-Zeit Teile seines Schaffens als „entartet“ diffamiert wurden, gilt Bartels heute als einer der Wegbereiter der Klassischen Moderne in Deutschland.
Das Kunstmuseum Schwaan wurde 2002 im Gebäude der alten Wassermühle in Schwaan eröffnet. Auf 600 Quadratmetern konzentriert es sich hauptsächlich auf Arbeiten von Mitgliedern der Künstlerkolonie Schwaan, die sich in den frühen 1880er Jahren auf Anregung Franz Bunkes in dem kleinen Städtchen zwischen Rostock und Güstrow herausbildete. Zu den Mitgliedern der lockeren Gruppierung zählen etwa Paul Baum, Rudolf Bechstein, Rudolf Holzschuh, Arno Metzeroth, Richard Starcke und Otto Tarnogrocki. Schwerpunkt der ständigen Ausstellung im Kunstmuseum Schwaan sind die Werke von Franz Bunke, Rudolf Bartels, Peter Paul Draewing und Alfred Heinsohn. Die jetzt erworbenen „Laternenkinder“, bei dem es sich vermutlich um das letzte Bild der Werkreihe handelt, wurden bisher in der Familie des ursprünglichen Auftraggebers in Magdeburg bewahrt. |