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Erik Bulatov gestorben

Erik Bulatov ist mit 92 Jahren in Paris gestorben

Der russische Konzeptkünstler Erik Bulatov ist tot. Er starb am Sonntag in Paris im Alter von 92 Jahren. Der wichtige Maler, geboren 1933 in Jekaterinburg im Ural und in den 1950er Jahren am Surikow Kunstinstitut in Moskau ausgebildet, zählte zu den Schlüsselfiguren der Konzeptualisten der Hauptstadt der ehemaligen Sowjetunion. Diese Gruppe inoffizieller Künstler wandte sich während der 1970er Jahre gegen den sozialistischen Realismus. Erik Bulatov, der seit 1992 in Paris lebte, bezieht sich in seinen Werken oft auf die Ikonografie des Sowjetregimes, etwa indem er Stalin oder Breschnew abbildete oder 1971 in seinem Werk „Horizont“ Strandspaziergänger bei azurblauem Himmel malte und den namensgebenden Horizont mit einem roten Streifen mit goldenen Rändern überdeckte.

Häufig verband Bulatov Bild und Sprache, etwa in der 1989 in Rot und Weiß gehaltenen Arbeit „Perestroika“: der Schriftzug in kyrillischen Buchstaben knickt in der Bildmitte ab, wobei eine Hand nach dem Buchstaben ‚T‘ greift, den eine andere Hand mit einer stilisierten Sichel blockiert. Bulatov hatte lange in der Sowjetunion keinen Erfolg und wurde erst mit der Perestroika bekannter. 1988 gehörte er zur offiziellen sowjetischen Auswahl für die Biennale in Venedig. Die Werke des Malers wurden auch nach seinem Umzug nach Paris sowohl in Russland wie auch in Westeuropa ausgestellt, etwa in der Kunsthalle Wien, im Nouveau Musée National de Monaco, der Schirn Kunsthalle in Frankfurt, im Salomon Guggenheim Museums in New York, in der Moskauer Tretjakow-Galerie, im Museum für Moderne Kunst in Genf oder in der Kestnergesellschaft in Hannover.

Erik Bulatov arbeitete zunächst als Illustrator, da er als freier Maler kein Auskommen hatte. In den 1960er Jahren schlossen sich Bulatov, Ilya Kabakov, Eduard Steinberg, Oleg Vassiliev, Vladimir Yankilevsky und Viktor Pivovarov zur „Sretensky Boulevard Gruppe“ zusammen, aus der dann die Moskauer Konzeptualisten hervorgingen. Die Gruppe traf sich in Kabakovs Wohnung am Sretensky Boulevard, diskutierte über Kunst und präsentierte hier ihre Arbeiten, da sie nicht offiziell ausgestellt werden durften. Dabei entwickelte Bulatov seine Bildsprache aus Zeichen und Emblemen der Sowjetunion, kombiniert mit typografischen Elementen. Seine Malweise changiert Fotorealismus und einer grafisch-illustrativen Figuration, die an Werbeplakate erinnert. Seine Bildthemen sind weit gefasst, von Wortbildern, über öffentliches Leben in der Stadt, Landschaften oder fast abstrakten Arbeiten wie dem „Tunnel“ von 1964.

Sprache und Wörter repräsentieren bei Bulatov die Regierung als ein System der Ordnung und Kontrolle, so in dem 1975 mit dicken roten Buchstaben gemalten „Slawa KPSS“, zu Deutsch „Ehre der KPdSU“, die den Blick auf den blauen Himmel versperren. Aufgrund seiner Erfahrungen mit dem Regime setzte Bulatov auf Freiheit der Kunst: „Es ist immer meine Überzeugung gewesen, dass die Sphäre der Gesellschaft Grenzen hat und der Weg zur Freiheit nur über die Sphäre der Kunst führt, der jenseits dieser Grenzen liegt. Sicherlich weiß ich, dass dies nicht der universelle Weg ist - für mich war es aber immer der einzig mögliche.“ Trotz dieser schwierigen Arbeitsbedingungen blieb er bis 1992 in der Sowjetunion.


11.11.2025

Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann

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