Rembrandt-Rarissima bei Karl & Faber  |  | Rembrandt, Das Paar auf dem Bett (Het Ledikantje), 1646 | |
Das Münchner Auktionshaus Karl & Faber hat wieder einen besonderen Leckerbissen an Land gezogen: eine Privatsammlung mit über 60 erlesenen Rembrandt-Grafiken, die unter dem Titel „Impressions of Genius“ einen gesonderten Platz im Katalog erhielt. Laut Karl & Faber habe es in den letzten Jahren kaum vergleichbare Angebote in dieser Breite und Qualität gegeben. Den Reiz der Sammlung machten zahlreiche Blätter in seltenen Druckzuständen und hervorragender Qualität aus. Eröffnet wird die Suite von Rembrandts „Selbstporträt mit buschigem Haar“ aus dem Jahr 1631, wobei der Maler eher skeptisch auf den Betrachter blickt. Von diesem Werk waren in den letzten drei Jahrzehnten nur sieben Blätter auf Auktionen erhältlich; jetzt soll es 40.000 bis 50.000 Euro einspielen. Als Rarissimum gilt die 1646 datierte Radierung „Het Ledikantje“, die unverblümt das Sexualvergnügen eines Paares verewigt. Der erotische und schwer erhältliche Druck wurde wohl nur in kleiner Zahl aufgelegt, wegen des schlüpfrigen Sujets vermutlich weitere Exemplare zerstört, die Druckplatte ging früh verloren. Entsprechend spricht die Rembrandt-Bibel Nowell-Usticke von einem überaus seltenen Blatt, das jetzt mit 120.000 bis 150.000 Euro hofiert werden will.
Eine weitere Seltenheit ist das Doppelbildnis des Malers samt Hut mit seiner Frau Saskia in der ersten Fassung von 1636 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Eine ebenso rare frühe Version des Bildnisses „Der junge Haaringh – Pieter Haaringh“ als zweiter von sechs Zuständen zeigt den jungen ernsten Mann ganz in Schwarz gekleidet, der früher als Jacob Haaringh fehlidentifiziert wurde (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei den religiösen Sujets darf als wichtiges Werk das sogenannte „Hundertguldenblatt“ für 80.000 bis 100.000 Euro nicht fehlen. Derselbe Wert ist auch Rembrandts Version von „Adam und Eva“ bei der Versuchung durch die Schlange zugewiesen, die um 1638 entstand und zu den frühen Abzügen gehört. Interessant ist bei den Landschaften die Ansicht auf Amsterdam mit feinen Details. Der spiegelverkehrte Druck legt nahe, dass Rembrandt hier direkt vor Ort auf die Druckplatte gravierte (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Auch außerhalb der Privatsammlung ist Rembrandt mit rund 40 Werken am 14. November in München gut vertreten, so dass er die Auktion auch zahlenmäßig dominiert. Dazu gehören „Die Kreuzigung“ in einer intensiven dunklen vierten Fassung von 1653 (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder die „Große Kreuzabnahme“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).
Den teuersten Schätzwert der Druckgrafik-Versteigerung sicherte sich indes Albrecht Dürer. Seine Darstellung „Adam und Eva“ in sattem Schwarz, feiner Linienführung und sehr guter Qualität verlangt trotz eines kleinen Risses 150.000 bis 200.000 Euro. Sein um 1501 entstandener „Heiliger Eustachius“, Patron der Jäger, liegt ebenfalls in sehr gutem Zustand vor und fordert 100.000 bis 150.000 Euro. Mit Klarheit und kaum Gebrauchsspuren bestechen das etwa drei Jahre ältere „Meerwunder“ (Taxe 50.000 und 60.000 EUR) oder sein „Wappen mit dem Totenkopf“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Ein seltenes Blatt steuert zudem Israhel van Meckenem bei: „Das Kinderbad“ aus dem späten 15. Jahrhundert gibt sich schon ganz renaissancehaft und will marktübliche 20.000 bis 25.000 Euro sehen. Als eines von nur drei bekannten Exemplaren geht eine kolorierte „Verkündigung Mariä“ aus Meckenems Umkreis für 8.000 bis 10.000 Euro ins Rennen. Ein wenig höher liegt mit 20.000 bis 30.000 Euro eine erste frühe Fassung von Martin Schongauers „Geburt Christi“. Freunde des Goldenen Zeitalters werden sich über Jacob van Ruisdaels „Hütte auf der Anhöhe“ mit den eindrücklichen Baumformen freuen, die es schon für 500 bis 700 Euro gibt. |