Kunstpreis Ruth Baumgarte an Eva Beresin  |  | Eva Beresin wurde mit dem Kunstpreis Ruth Baumgarte ausgezeichnet | |
Eva Beresin hat in der Wiener Albertina den Kunstpreis Ruth Baumgarte erhalten. Die 1955 in Budapest geborene Malerin darf sich nun über ein Preisgeld von 20.000 Euro freuen. Ihr herausragendes Werk vermähle das Fantastische mit dem Schrecklichen, das Schöne mit dem Horror, betonte Jurymitglied Angela Stief, Direktorin der Albertina Modern in Wien. In ihrer Begründung zur Preisvergabe führte sie weiter aus: „Die malerisch-grafischen Welten der ungarischen Künstlerin Eva Beresin, die seit 1976 in Wien lebt und arbeitet, sind von hybriden Gestalten, grotesken Figuren und seltsam anmutenden Fantasiewesen bevölkert. Häufig stattet sie die Dargestellten, die sie in den letzten Jahren auch in Skulpturen übersetzt, mit animalischem Verhalten aus – und vice versa tragen viele Tiere menschliche Züge. Die thematische Spannweite der Künstlerin, die das Existenzielle ebenso wie das Tragisch-Komische umfasst, reicht von mittelalterlich anmutenden Grausamkeiten über alltägliche Banalitäten bis hin zu humorvollen Episoden. Beresins Œuvre ist ein Universum, das mit Schalk und Schabernack zelebriert, aus den Fugen geraten zu sein. Momente des Nonsens fügen sich zu einer Apotheose des Randständigen.“
In ihrer Kunst kombiniert Eva Beresin, die erst in den letzten Jahren international auf Anerkennung stieß und 2024 mit der Ausstellung „Thick Air“ in der Albertina große Aufmerksamkeit hervorrief, eine expressive Malweise mit psychologischer Tiefenschärfe. Humor und Ironie durchziehen ihre Arbeiten ebenso wie eine schonungslose Auseinandersetzung mit existenziellen Themen. Ihre Gemälde zeugen vom Akt des Malens als Manifestation von Freiheit, Direktheit, Authentizität. Ihre Bildwelten sind von grotesken Hybriden zwischen Mensch und Tier bevölkert, deren Erscheinungen zugleich komisch, rätselhaft und unheimlich wirken. Zwischen Figuration und Abstraktion, Verbergen und Offenlegen entwickelt Beresin eine Bildsprache, die das Alltägliche und das Abgründige, das Surreale und das Fragmentarische in eine schillernde Verbindung bringt. Geprägt von biografischen Brüchen, vor allem den familiären Verlusten im Holocaust, richtet Beresin ihren Blick auf das Verdrängte, Tabuisierte und Unbewusste. In ihren Werken werden Angst, Begehren und Verletzlichkeit zu bildnerischen Kräften, die das Menschliche in seiner Ambivalenz zeigen.
Die Kunststiftung Ruth Baumgarte vergab heuer zum ersten Mal einen mit 5.000 Euro dotierten Förderpreis, der an die Südafrikanerin Zandile Tshabalala ging. Tshabalala stehe mit ihrer eindrucksvollen Malerei für eine neue Sicht auf Identität, Selbstbestimmung und Würde, sagte Alexander Baumgarte, Vorstandsvorsitzender der Kunststiftung Baumgarte. Die 1999 in Soweto geborene Künstlerin greife Themen auf, die Ruth Baumgarte Zeit ihres Lebens bewegten: die Stellung des Menschen in einer sich wandelnden Welt und die Kraft der Kunst, Empathie und Bewusstsein zu schaffen. Tshabalala, die seit 2022 in Johannesburg lebt, verbindet in ihren Gemälden eine strenge Formensprache mit einer intensiven Farbigkeit. Im Zentrum ihrer Arbeit steht die schwarze Frau als autonomes Objekt, nicht als Objekt des Blicks. Mit ihren „Traumlandschaften“ schafft sie Räume weiblicher Selbstbestimmung, in denen Schönheit und Sinnlichkeit eine politische Dimension gewinnen.
Der Kunstpreis Ruth Baumgarte geht auf die 2012 verstorbene Malerin Ruth Baumgarte zurück und richtet sich an Kunstschaffende, die gegenständlich arbeiten. Seit 2014 wird die Auszeichnung jährlich von ihrer Stiftung verliehen. Bisherige Preisträger waren Judith Hopf, Kader Attia, Amelie von Wulffen, Mona Hatoum, Nan Goldin, Michael Armitage, William Kentridge, Athi-Patra Ruga und Lee Bul. |