Rolandpreis für Heike Mutter und Ulrich Genth  |  | Heike Mutter und Ulrich Genth haben den Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum erhalten | |
Heike Mutter und Ulrich Genth haben gestern in Bremen den Rolandpreis für Kunst im öffentlichen Raum entgegengenommen. Das in Hamburg lebende Künstlerpaar, das seit 2003 zusammenarbeitet, erhielt die Auszeichnung für ein Schaffen, das der Frage nachgeht, „wie historische Denkmäler funktionieren, wie sie heute eine andere Bedeutung erhalten können sowie ob und wie das Leben im heutigen städtischen Raum durch Kunst aktiviert werden kann“, so Andreas Mackeben, Abteilungsleiter des Bremer Kulturressorts und Mitglied im Vorstand der Stiftung Bremer Bildhauerpreis, die die Anerkennung vergibt.
Mit zum Teil spektakulären Installationen erkunden die 1969 in München geborene Heike Mutter und der 1971 in Tübingen geborene Ulrich Genth das Spannungsverhältnis von öffentlichem Raum und künstlerischer Intervention. Dabei befragen die beiden Professoren an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg die örtlichen Gegebenheiten und nutzen die skulpturalen Möglichkeiten ihres Materials. Zu ihren bekanntesten Projekten gehören „Tiger & Turtle – Magic Mountain“ in Duisburg, eine weit sichtbare, zur Achterbahn gewundene Treppe, die ähnliche, ebenfalls begehbare Großskulptur „Space Walk“ im südkoreanischen Pohang, ihr „Schlafendes Pferd“, die lebensgroße Bronzeskulptur eines liegenden Pferdes als Gegenbild zu den heroischen Reiterskulpturen, oder ihre „Freiham Folly“. Dabei ließen sich Mutter und Genth von den extravaganten Zierbauten in der englischen Gartenkunst inspirieren und schufen im Westen von München eine Säulenskulptur, die Elemente eines Maibaums, eines orientalischen Minaretts und der Zwiebelhaube eines bayerischen Kirchturms miteinander verbindet und damit kulturelle Grenzen hinterfragt.
Der Rolandpreis wird seit 1990 fast regelmäßig im Turnus von drei Jahren durch die Stiftung Bremer Bildhauerpreis vergeben. Er ist mit 15.000 Euro dotiert und richtet sich an eine Künstlerin, einen Künstler oder eine Gruppe, die mit ihren Arbeiten neue Denk- und Aktionsfelder für die Kunst im öffentlichen Raum erschließen. Die Entscheidung fällt ein überregionales Kollegium, dem heuer der Künstlerkurator Markus Ambach aus Düsseldorf, die freie Kuratorin Leonie Baumann, Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen, Arie Hartog, Leiter des Bremer Gerhard-Marcks-Hauses, Anja Richter, Leiterin des Museums Gunzenhauser in Chemnitz, Janneke de Vries, Direktorin des Museums Weserburg in Bremen, und der Kunsthistoriker Florian Matzner, Professor an der Akademie der Bildenden Künste München, angehörten.
Die Konzeption des Rolandpreises und seine Vergabe stehen in enger Verbindung mit dem Bremer Programm von Kunst im öffentlichen Raum, das im vergangenen Jahr sein 50jähriges Bestehen feierte. So betonte Mackeben gestern bei der Preisverleihung: „In Bremen hat Kunst im öffentlichen Raum eine lange Tradition. In nunmehr 52 Jahren haben regionale, nationale und internationale Künstlerinnen und Künstler mit rund 680 Einzelwerken und 670 temporären Projekten für Identitätsstiftung, Stadtbildgestaltung, gesellschaftliche Diskussion und Reflexion gesorgt.“ Bisher ging der Preis an Jochen Gerz, Maria Nordman, Christian Boltanski, Thomas Hirschhorn, Stephan Huber, Hans Haacke, Monica Bonvicini, Michaela Melián und zuletzt 2021 an das Kollektiv Raumlaborberlin. Die Ausgezeichneten werden gebeten, ein Kunstwerk im Bremer Stadtraum zu realisieren. Dafür muss die Stiftung Bremer Bildhauerpreis zusätzliche Mittel einwerben, so dass nicht alle bisherigen Preisträger*innen eine Arbeit verwirklicht haben. |