Anni Albers bei Paul Klee in Bern  |  | Anni Albers, Intersecting, 1962 | |
Das Zentrum Paul Klee in Bern präsentiert ab heute eine Ausstellung zum Schaffen von Anni Albers und rückt in dieser ersten Personale der Künstlerin in der Schweiz eine der führenden Figuren des 20. Jahrhunderts auf dem Gebiet des Textildesigns und der Textilkunst in den Mittelpunkt. Dabei konzentrieren sich die Kuratorinnen Fabienne Eggelhöfer und Brenda Danilowitz auf Albers’ innovative Beiträge für Architekturprojekte und geben mit Stoffentwürfen, textilen Kunstwerken, Druckgrafiken und Zeichnungen einen Überblick über ihr Schaffen zwischen Design und Kunst.
Annelise Else Frieda Fleischmann, geboren 1899 im damals noch selbstständigen Charlottenburg bei Berlin, studierte ab 1922 am Bauhaus in Weimar und lernte hier ihren Kommilitonen Josef Albers kennen, den sie 1925 heiratete. Ihre Werke zeichnen sich durch die innovative Kombination von Form, Farbe und Struktur aus und zeigen oft komplexe geometrische Muster. Anni Albers experimentierte mit neuen Materialien und Techniken, um taktile und visuelle Erlebnisse zu schaffen. 1949 war ihr als erster Textilkünstlerin eine Einzelausstellung im Museum of Modern Art in New York gewidmet.
Nach ihrer Ausbildung am Bauhaus emigrierte sie mit ihrem Mann 1933 in die USA. Ziel war das Black Mountain College in North Carolina, an dem Josef Albers auf Einladung des Architekten Philip Johnson einen Kurs für bildnerische Gestaltung aufbauen sollte. Bald nach ihrer Ankunft unternahmen Anni und Josef Albers mehrere Reisen nach Mexiko und besuchten später auch Chile und Peru. Fasziniert von der Vielzahl der Muster, Techniken und Farben der mesoamerikanischen und andinen Kunst schuf Anni Albers 1936 mit „Ancient Writing“ eine ihrer ersten, rein künstlerischen „Bildwebereien“. Die Komposition ist aus glänzendem, dunklem Viskosegarn in unterschiedlich breiten Streifen weitmaschig gewebt. Über das zentrale Bildfeld finden sich aus glänzenden, hellen Fasern gewebte Formen verteilt, die an Texte und Symbole aus antiken archäologischen Grabungsstätten erinnern.
Immer wieder wurde Anni Albers für architekturgebundene Projekte engagiert. Schon 1930 entwickelte sie im Auftrag des Bauhaus-Direktors Hannes Meyer eine akustische Wandverkleidung für die Aula des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes in Bernau. Ihre Versuche mündeten in eine innovative Kombination von Materialien: Während das Gewebe aus flauschigem Chenillegarn auf der Rückseite den Schall der großen Halle absorbierte, reflektierten Zellophanfasern auf der Vorderseite das Licht im Raum und strahlten einen silbernen Glanz aus. Zwischen 1948 und 1950 bestellte Walter Gropius bei Albers Stoffe für die Schlafsäle im neuen Harvard Graduate Center. Albers experimentierte mit verschiedenen Materialien, Strukturen und Farbeffekten und gestaltete schließlich drei Versionen von pflegeleichten Bettüberwürfen mit Karomuster, die den Raum beleben und die Spuren von „schmutzigen Schuhe und Zigarettenlöchern“ verbergen sollten. Auch im sakralen Kontext war Anni Albers tätig. So entwarf sie etwa 1957 für die reformjüdische Synagoge, den Tempel Emanu-El, in Dallas acht verschiebbare Paneele aus einem schimmernden, maschinengewebten Lurexgarn in Grün, Blau, Gold und Silber.
Die Ausstellung „Anni Albers. Constructing Textiles“ läuft vom 7. November bis zum 22. Februar 2026. Das Zentrum Paul Klee ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend und am 1. Weihnachtstag. Der Eintritt beträgt 20 Franken, ermäßigt 18 Franken, 10 Franken bzw. 7 Franken. Der Katalog aus dem Hatje Cantz Verlag ist im Museumsshop für 39 Franken erhältlich.
Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH-3006 Bern
Telefon: +41 (0)31 – 359 01 01 |