Timm Rautert gibt sein Archiv nach Essen  |  | Timm Rautert | |
Das Museum Folkwang kann sich über einen bedeutenden Bestandszuwachs freuen: Der renommierte deutsche Fotograf Timm Rautert übergibt seinen Vorlass an das Essener Haus. Damit erhält das Museum nahezu das gesamte Werk des 1941 in Westpreußen geborenen Künstlers. „Für mich ist nur folgerichtig, dass nach meinem Studium an der Folkwang Schule für Gestaltung mein Werk im Museum Folkwang seinen Platz findet“, so Timm Rautert. Für ihn ist das Museum Folkwang ein wichtiger Ort in Deutschland, an dem die Fotografie seit Jahrzehnten gesammelt und reflektiert wird.
Zum Archiv von Rautert gehören etwa 9.000 Prints zumeist in Serien und umfangreiche Mappenwerke, weit mehr als 50.000 Diapositive sowie Raum- und Videoinstallationen von den 1960er Jahren bis heute. Darüber hinaus umfasst es die gesamten Negative inklusive 6.500 Kontaktabzüge, die gesammelten Veröffentlichungen, Bücher, Korrespondenzen, Arbeitsmaterialien, Ausstellungsdokumentationen und weitere zeithistorische Dokumente. Der Bestand repräsentiere Rauterts vielgestaltige Lebenswerk Rauterts, so das Museum, von der Studienzeit bei Otto Steinert und den frühen Reisen nach Japan und New York über die Zusammenarbeit mit Journalisten wie Michael Holzach für das „Zeitmagazin“, das in den 1970er Jahren zu seinen wichtigsten Auftraggebern zählte, bis hin zu aufwendigen Buchprojekten mit Otl Aicher und zahlreichen Künstlerporträts, etwa von Pina Bausch, Franz Erhard Walther, Walter de Maria, Andy Warhol und Gerhard Richter. Ebenfalls Teil der Schenkung sind seine langjährigen Auseinandersetzungen mit modernen Arbeitswelten und dem Kunstdiskurs.
Nach einer Lehre als Schaufenster-, Schrift- und Plakatgestalter studierte Timm Rautert von 1966 bis 1971 Fotografie bei Otto Steinert an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen, wo er auch heute noch lebt. Experimentierfreude, konzeptuelle Strenge und Spiellust kennzeichnen sein Werk von der frühen Werkgruppe „Bildanalytische Photographie“ von 1968/74 bis zu jüngeren Arbeiten wie „L’Ultimo Programma“ von 2015. Er selbst unterrichtete von 1993 bis 2008 an Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Viele seiner ehemaligen Schülerinnen und Schüler prägen heute als Professor*innen die deutsche Fotolandschaft, darunter Jana Müller, Adrian Sauer, Ricarda Roggan, Tobias Zielony und Johanna Diehl. In der Fotografischen Sammlung des Museums Folkwang sind weitere ehemalige Schüler*innen Rauters wie Viktoria Binschtok, Sven Johne, Falk Haberkorn und Harry Hachmeister prominent vertreten.
Mit dem Archiv von Timm Rautert setzt das Museum Folkwang nach der Übernahme des Nachlasses von Michael Schmidt im vergangenen Jahr seine lange Geschichte der Aufnahme bedeutender fotografischer Konvolute fort und unterstreicht damit sein Engagement, fotografisches Erbe zu bewahren und sichtbar zu machen. So zählen etwa die Nachlässe von Lotte Errell, Germaine Krull, Helmar Lerski, Fee Schlapper, Walter Peterhans und Otto Steinert sowie dessen Studiensammlung und das Girardet-Archiv zu den weiteren namhaften Beständen der Sammlung. |