Stefan Draschans humorvolle Kunstwelten in Aachen verlängert  |  | Stefan Draschan, Breughel (the elder), 2016 | |
Die Schau „11 Sekunden“ mit Fotografien von Stefan Draschan hat sich im Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zum Publikumsliebling gemausert und geht daher in die Verlängerung: Anstatt bis zum 9. November können Interessierte die von Kuratorin Sarvenaz Ayooghi zusammengestellte Auswahl von 22 Arbeiten des 1979 geborenen Österreichers nun bis Mitte März 2026 besuchen. Der Zuspruch des Publikums ist nicht überraschend, da die amüsanten Bilder Draschans Gespür für den entscheidenden Augenblick illustrieren. Der Ausstellungstitel bezieht sich auf die kurze Zeitspanne, die er für seine Aufnahmen hat. Das Thema seiner Bilder sind sowohl die Besucher von Museen wie auch die Häuser und ihre Sammlungen selbst, die Draschan zu freundlichen Schnappschüssen vereint.
Stefan Draschan ist für Museen ein zuverlässiger Besucher und in vielen europäischen Häusern unterwegs. Für ein Foto muss er sich oft stundenlang in Museumsräumen aufhalten. Denn er ist hier auf der Pirsch nach der perfekten Paarung aus Kunstwerk und Besucher, die etwa in einer ähnlichen Kleidung, einer identischen Haltung oder einer übereinstimmenden Farbkombination begründet ist. Somit laden seine Aufnahmen ob dieser zufälligen Gemeinsamkeiten zum freundlichen Schmunzeln ein. In der Berliner Alten Nationalgalerie wachsen bei Caspar David Friedrichs Bild einer Kirchenruine, gerahmt in einer Schneelandschaft von schwarzen kargen Bäumen, die Stämme scheinbar aus der gebeugten Rückenfigur eines älteren Herrn heraus. In einem anderen Werk der „CDF“-Reihe aus der Hamburger Kunsthalle findet Friedrichs Nachtlandschaft mit Vollmond sein Pendant in der kreisrunden Lichtreflektion auf der Halbglatze eines Besuchers, dessen seitlicher Haarkranz geradezu perfekt das dichte Astwerk der rahmenden Bäume aufnimmt.
Es ist jedoch nicht nur die Frisur, die Menschen und Meisterwerke vereint, es ist auch die Harmonie aus ihrer Kleidung, wie im Foto „Pergamonmuseum“, wo der ornamentale rote Teppich ein Echo im rot-schwarzen Mantel der von hinten abgelichteten Besucherin findet. Ähnlichkeiten der Besucher untereinander präsentiert der Abzug „KHM“, wenn zwei Herren erschöpft von den vielen Gängen und Sälen sich auf der blauen Couch des Wiener Kunsthistorischen Museums beinahe spiegelgleich erholen. Draschans Werke umgibt eine besondere Aura, wenn Leute sich zum Beispiel in den Goldgründen mittelalterlicher Tafelmalerei verlieren oder Hinterköpfe und Haare durch den gewählten Winkel zum Teil des Bildes werden. Diese Bildpaare lassen nicht nur Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen, sie geben der Idee des Sehen und Gesehenwerdens eine Erweiterung.
Die Ausstellung „Stefan Draschan. 11 Sekunden“ läuft noch bis zum 15. März 2026. Das Suermondt-Ludwig-Museum hat dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr und donnerstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Geschlossen bleibt an Heiligabend, 1. Weihnachtstag, Silvester, am Karnevalssonntag wie auch am Rosenmontag. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 6 Euro, für Personen unter 21 Jahren ist er kostenlos.
Suermondt-Ludwig-Museum
Wilhelmstraße 18
D-52070 Aachen
Telefon: +49 (0)241 – 479 80 40 |