Petrit Halilajs theatrale Welten in Berlin Zur Berlin Art Week präsentiert der Hamburger Bahnhof die erste große institutionelle Einzelausstellung von Petrit Halilaj in Berlin. Die Kuratorinnen Catherine Nichols und Emily Finkelstein wollen damit einen Überblick über das Schaffen des 1986 im Kosovo geborenen Künstlers geben und sprechen ein Themenspektrum von Krieg, Flucht und Exil sowie Queerness und kultureller Unterdrückung an. Halilajs Installationen und Environments wirken wie Bühnenbilder, die von menschlichen, tierischen und pflanzlichen Figuren in ihren Behausungen bevölkert sind: Riesige Blumen und Motten, Vögel, Hähne und Füchse, ein überlebensgroßes Pferd, Schlangen, Bäume, Nester, Häuser, Raumschiffe oder Sterne haben sich hier versammelt. Viele der von Halilaj inszenierten Situationen bestehen aus Ästen, Zweigen, Schlamm, Dung, teilweise ergänzt durch gefundene Objekte, und spielen auf Erlebnisse und Erfahrungen aus seiner Heimat an.
So basiert die Installation „Shkrepëtima“ auf einer Theateraufführung, die 2018 in der Kriegsruine des Kulturhauses seines Heimatortes Runik stattfand. Halilajs Aufführung verband Skulptur, Installation, Performance, Musik und Archivrecherche; für die museale Präsentation hat er die Bühne, den Vorhang, die Kulissen, Ziegelsteine aus der Ruine und Kostüme in die Installation überführt. Mit seiner Arbeit, die er zusammen mit der lokalen Kulturszene erstellte, wollte Halilaj die Erinnerung an das einstige Kulturhaus aus den 1950er Jahren wiederbeleben, das eine Bibliothek, ein Theater und Kino, eine landwirtschaftliche Genossenschaft und ein Teehaus beherbergte. Als Ergebnis der Kollaboration des Künstlers mit der Gemeinde beginnt Ende 2025 der Wiederaufbau des Kulturhauses von Runik.
Zentrales Kapitel der Personale im Hamburger Bahnhof ist die Museumsfassung seines ersten Opernwerks „Syrigana“, das Ende Juni unter freiem Himmel in der Landschaft von Halilajs Kindheit uraufgeführt wurde. Der sagenumwobene Ort Syrigana ist ein 3000 Jahre altes Dorf in der Nähe von Runik und steht seit 2016 als archäologische Stätte der Frühgeschichte, der Spätantike und des Mittelalters unter Denkmalschutz. Die Hochzeit von Adam und Eva in Syrigana ist eine der lokalen Mythen, die über Generationen weitergegeben wurden. Halilaj schildert in seiner Oper die Erzählung ihrer Ankunft im Dorf als epische, queere Liebesgeschichte von Fuchs und Hahn, die aus dem Paradies verstoßen wurden und den Ort mit einem Helikopter der Nato-Friedensmission KFOR im Kosovo erreichen.
Für die museale Adaption von „Syrigana“ hat Petrit Halilaj um einen mobilen Theaterwagen die beleuchtete Skulptur der untergehenden Sonne, die im Zusammenspiel mit der Handlung changiert, einen Birnbaum, eine Okarina und Rahmentrommeln arrangiert und darüber leuchtende Sterne angebracht. In Anlehnung an die Uraufführung in der hügeligen Landschaft von Syrigana ist der Publikumsbereich mit traditionellen kosovarischen Teppichen ausgelegt. Die Besucher*innen lassen sich dort nieder oder wandeln durch das Bühnenbild mit den Requisiten. Die fünf überlebensgroßen Versionen von im Kosovo verbreiteten Birnbaumblüten symbolisieren die queere Liebe, deren erkämpfte Akzeptanz weltweit wieder zunehmend unter Druck gerät. Die Kostüme sind als skulpturale Existenzen Teil der Installation, so blicken die Hauptfiguren Fuchs und Hahn aus einem erhöhten Fenster auf die Szenerie ihrer Hochzeit. Eine vollständige Tonaufnahme der Oper erfüllt den Museumsraum.
Die Ausstellung „Petrit Halilaj. An Opera Out of Time“ läuft bis zum 31. Mai 2026. Der Hamburger Bahnhof hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, samstags und sonntags erst ab 11 Uhr und donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet, während der Berlin Art Week bis zum 14. September täglich bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 16 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 18. Lebensjahr ist der Besuch kostenlos. Begleitend zur Ausstellung erscheint eine Ausgabe der Katalogreihe des Museums für 12 Euro. Anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Hamburger Bahnhof“ finden im Mai 2026 Aufführungen der Oper „Syrigana“ in der Ausstellung statt.
Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart
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