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Journal

Joanna Warsza, die neue Hamburger Stadtkuratorin, startet mit der Ausstellung „From the Cosmos to the Commons“ ein über fünf Jahre laufendes Projekt, das der Kunst im öffentlichen Raum der Hansestadt endlich wieder neues Leben einhaucht

Ganz vernetzt in Zeit und Raum



Malgorzata Mirga-Tas, Herstories, seit 2022

Malgorzata Mirga-Tas, Herstories, seit 2022

„Für mich stellt Kunst im öffentlichen Raum eine Chance dar, trotz aller Differenzen miteinander ins Gespräch zu kommen“, sagt Joanna Warsza, seit Oktober 2024 Stadtkuratorin in Hamburg. Die 1976 in Warschau geborene Kuratorin bringt einen ganzen Korb internationaler Erfahrungen mit. Sie hat Projekte unter anderem in Warschau, Berlin und Montevideo realisiert. 2022 war sie Co-Kuratorin des Polnischen Pavillons auf der Biennale Venedig. Nun also Hamburg. Die Hansestadt war 1981 die erste deutsche Großstadt, die ein Programm für Kunst im öffentlichen Raum auflegte. Einen vorläufigen Höhepunkt bildete das „Hamburg Projekt 1989“. Koordiniert vom Kunstverein, wurden stadtweit Interventionen internationaler Künstler realisiert. Ein markantes Überbleibsel ist der Pavillon von Dan Graham an der Alster.


Danach ebbte das städtische Engagement in puncto Kunst im öffentlichen Raum merklich ab, bis dann 2013 das Projekt Stadtkuratorin ins Leben gerufen wurde. Die erste Stadtkuratorin war Sophie Goltz, die von 2013 bis 2016 einen eher diskurs- und debattenorientierten Weg verfolgte. Ihr Nachfolger Dirck Möllmann, zuvor Kurator an der Hamburger Kunsthalle, entwickelte ab 2016 eine Vision für neue, dauerhafte Strukturen, die er leider nicht ausführen konnte, da er 2019 einer schweren Krankheit erlegen ist. Dass die Stelle der Stadtkuratorin nach einer fünfjährigen Vakanz jetzt mit Joanna Warsza neu besetzt wurde, weckt die Hoffnung auf mehr Kontinuität und Wertschätzung. „In den nächsten fünf Jahren werden wir fünf Sommerausstellungen zeigen, die sich mit den fünf Elementen beschäftigen: 2025 ist es der Kosmos, dann folgen Feuer, Luft, Erde und Wasser“, stellt sie die Grundzüge ihres Konzepts vor.

Mit ihrer Ausstellungsreihe will Warsza die Stadtgesellschaft bewusst mit neuen Sichtweisen und Lesarten bereichern: „In unseren Städten, die dermaßen mit Konsumangeboten und Werbung überladen sind, kommt es darauf an, andere Signale auszusenden, die auf komplexeren Codes, Nuancen, Subtexten oder philosophischen Ansätzen basieren.“ Im Gegensatz zu ihren beiden Vorgänger*innen, die über keine institutionelle Anbindung und administrative Infrastruktur verfügen konnten, ist Joanna Warsza mit dem Kunsthaus Hamburg als Trägerinstitution fest assoziiert. Dort findet noch bis zum 17. August die von Anna Nowak, der Leiterin des Kunsthauses, kuratierte ergänzende Gruppenausstellung „Between Stars and Signals“ statt, die untersucht, wie sich das menschliche Bewusstsein von der Antike bis zur Gegenwart mit analogen und digitalen Mitteln in Raum, Zeit und Kosmos Orientierung verschafft. Zu sehen sind Arbeiten unter anderem von Charles und Ray Eames, Aram Bartholl, Trevor Paglen, Agnieszka Polska, aber auch von Hamburger Künstler*innen wie Jana Schumacher.

Joanna Warsza steht damit ein jährliches Budget von 250.000 Euro zur Verfügung. Davon müssen sämtliche Personalkosten des mehrköpfigen Teams sowie die Projekte selbst finanziert werden. Darüber hinaus können für einzelne Vorhaben Drittmittel beantragt werden. Umso erstaunlicher, was sie zur Premiere auf die Beine gestellt hat. „From the Cosmos to the Commons“, so der Titel ihrer ersten Sommerschau, ist ein Ausstellungsprojekt, in das man am besten im spektakulären Kesselsaal des Planetariums eintaucht, das in einem ehemaligen Wasserturm untergebracht ist. Anschließend kann man dann im Stadtpark, auf Rasenflächen, Waldwegen oder dem Areal eines halb im Waldboden versunkenen Amphitheaters auf Skulpturensuche gehen. Elf Arbeiten sind dort zu entdecken.

Startpunkt Planetarium. In dem spärlich beleuchteten Ausstellungsraum helfen Taschenlampen bei der Orientierung. Joanna Warsza hat für diesen Teil ihres Ausstellungsprojekts Uwe Fleckner mit an Bord geholt. Dieser ist nicht nur Professor am Kunstgeschichtlichen Seminar der Universität Hamburg sondern zugleich auch ein ausgewiesener Experte für das Werk des weltberühmten Hamburger Kunsthistorikers Aby Warburg (1866-1929). Noch als Student hatte Fleckner 1987 auf dem Sperrmüll die Fragmente einer Ausstellung entdeckt, die einige Jahrzehnte zuvor Bestandteil der Dauerausstellung des Planetariums war. Die im letzten Augenblick gerettete „Bildersammlung zur Geschichte von Sternglaube und Sternkunde“ besteht aus 66 Bildtafeln und Artefakten. Diverse Bücher aus der legendären Bibliothek des Begründers der vergleichenden Bildwissenschaft ergänzen die Präsentation. Schon Warburg bewegte sich in seinen Forschungen stets zwischen den Polen Magie und Rationalismus, Spiritualität und Faktizität.

Dieser Dualismus, erweitert um gesellschaftspolitische Fragestellungen, bildet das Rückgrat des kuratorischen Konzepts von Warszas erster Sommerausstellung. Im Kesselsaal präsentiert sie bereits einige zeitgenössische Positionen. So hat der chilenische Künstler José Délano den Boden mit einer ellipsenförmigen Kreidezeichnung versehen, die zwischen Mythos und Mathematik oszilliert. Die Hamburgerin Eske Schlüters beschäftigt sich in ihrer Multimediaarbeit mit der spannenden Frage, warum bestimmte Sternkonstellationen als Sternbilder zusammengefasst werden und andere nicht. Und die indische Künstlergruppe Raqs Media Collective zeigt eine zur kontemplativen Versenkung einladende Projektion in Form einer großen Uhr, die der Absolutheit der linearen Zeitmessung ein relaxt-kosmologisches Modell entgegensetzt.

Von hier aus ist es nicht mehr weit zu den Arbeiten im Außenraum. Fünf Nischen oberhalb der kaskadenartigen Brunnenanlage des Planetariums nutzt die der Roma-Community angehörige Polin Malgorzata Mirga-Tas für ihre Arbeit „Herstories“ mit emanzipatorischen Frauengestalten. Die Anlehnung an allegorische Darstellungen aus dem italienischen Ferrara schlägt wiederum eine Brücke zu Aby Warburgs Forschungsinteresse an der Wanderung von Bildmotiven durch die Kunstgeschichte. Ein paar Schritte weiter setzt sich dann die deutsch-ägyptische Hamburgerin Hoda Tawakol in ihrer sehr sinnlichen, im Dunkeln leuchtenden textilen Zeltdachinstallation „Cosmic Womb“ mit der ägyptischen Himmelsgöttin Nut auseinander. Von ihr heißt es, dass sie allabendlich die Sonne verschluckt, um sie am Morgen wieder aus ihrem Schoß zu gebären. Etliche andere Arbeiten an der Schnittstelle von Natur, Kosmos und kulturellen Praktiken umkreisen das Planetarium wie Planeten die Sonne.

Doch Joanna Warszas Tätigkeit als Stadtkuratorin beschränkt sich keineswegs nur auf die jährlichen Sommerprojekte. Die zweite Säule ihrer Arbeit trägt den Titel „Gegen-Denkmäler“. Dazu noch einmal Joanna Warsza: „Es geht dabei um die faszinierende Geschichte antifaschistischer Mahnmale in Hamburg. Einige davon werden wir im Rahmen von Aktionen und Interventionen symbolisch wieder erwecken. Andere werden wir in Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde in Stand setzen und renovieren.“ Etliche Teilnehmer stehen schon fest, darunter das exilrussische Künstlerkollektiv Chto Delat, Candice Breitz, Kader Attia und Liz Rech.

Die Ausstellung „From the Cosmos to the Commons – Vom All zum Allgemeingut“ läuft bis zum 24. August. Die Arbeiten im Stadtpark sind rund um die Uhr frei zugänglich; der Ausstellungsteil im Planetarium, für den eine Verlängerung in Aussicht steht, hat donnerstags bis sonntags jeweils von 13:30 bis 18 Uhr geöffnet. Die Reservierung eines Zeitfenstertickets ist unter www.planetarium-hamburg.de/de/veranstaltungen-tickets/details/bildersammlung-zur-geschichte-von-sternglaube-und-sternkunde erforderlich.

Die Ausstellung „From the Cosmos to the Commons – Between Stars and Signals“ im Kunsthaus Hamburg ist noch bis zum 17. August zu sehen und hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 4 Euro.

Stadtkuratorin Hamburg
Klosterwall 15
D-20095 Hamburg
Telefon: +49 (0)40 – 30 39 06 33

Kontakt:

Kunsthaus Hamburg

Klosterwall 15

DE-20095 Hamburg

Telefon:+49 (040) 33 58 03

Telefax:+49 (040) 32 17 32

www.stadtkuratorin-hamburg.de



16.08.2025

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

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Veranstaltung vom:


20.06.2025, From the Cosmos to the Commons - Between Stars and Signals

Bei:


Kunsthaus Hamburg

Kunstsparte:


Kunst im öffentlichen Raum

Stilrichtung:


Zeitgenössische Kunst

Stilrichtung:


Moderne Kunst

Bericht:


Bridges Over Troubled Water

Bericht:


Kaum versprochen, schon gebrochen

Variabilder:

Hoda Tawakol, Cosmic Womb, 2025
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Joanna Warsza plant in den kommenden Jahren fünf Sommerausstellungen

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