Bert Gerresheim gestorben  |  | Bert Gerresheim im Neusser Clemens-Sels-Museum, 2015 | |
Die Stadt Düsseldorf trauert um Bert Gerresheim, der am Mittwoch im Alter von 89 Jahren gestorben ist. „Mit großer Betroffenheit haben wir vom Tod des Künstlers Bert Gerresheim erfahren“, würdigt Oberbürgermeister Stephan Keller den Düsseldorfer in seinem Nachruf. „Bert Gerresheim war nicht nur ein herausragender Bildhauer und Zeichner, sondern auch ein prägender Gestalter des öffentlichen Raums unserer Stadt“, so Keller weiter. Dabei hat er unter anderem das Heinrich-Heine-Denkmal im Schwanenmarkt oder das Stadterhebungsmonument im Blick, die tief in der Identität Düsseldorfs verwurzelt seien. „Sie fordern zur Auseinandersetzung heraus, sie erinnern, mahnen und geben Impulse weit über ihre künstlerische Bedeutung hinaus. Gerresheim war ein wacher Humanist, der mit seinen Arbeiten stets Haltung bewiesen hat. Er hat Düsseldorf geprägt wie nur wenige Künstlerinnen und Künstler seiner Generation. In tiefer Dankbarkeit nehmen wir Abschied von einem großen Sohn unserer Stadt. Unser Mitgefühl gilt seinem Weggefährten, seinen Freundinnen und Freunden sowie allen, die ihm verbunden waren“, so Keller abschließend.
Bert Gerresheim kam 1935 in Düsseldorf zur Welt und studierte dort von 1956 bis 1960 an der Kunstakademie bei dem Maler Otto Pankok. Daran schlossen sich Studien der Kunstgeschichte, Klassischen Archäologie und Germanistik an der Kölner Universität an. 1963 legte Gerresheim das Staatsexamen für das künstlerische Lehramt ab und unterrichtete bis 1990 als Kunstlehrer am Lessing-Gymnasium im Düsseldorfer Stadtteil Oberbilk, wo auch sein Atelier lag. Erste Auszeichnungen folgten bald. So erhielt Gerresheim 1967 ein einjähriges Stipendium an der Villa Massimo in Rom. Seit 1974 besuchte er immer wieder für mehrere Monate die Villa Romana in Florenz.
Konzentrierte sich Bert Gerresheim zu Beginn seines Schaffens hauptsächlich auf die Gattung Zeichnung, trat ab 1981 mit dem Heinrich-Heine-Denkmal die Bildhauerei in den Vordergrund. Bei den Planungen zu dieser Arbeit, die der Bankier und Kunstmäzen Stefan Kaminsky stiftete, kam es zu heftigen Auseinandersetzungen. Zunächst sollte ein Entwurf Arno Brekers aus dem Jahr 1931 realisiert werden, der den jüdischen Dichter als idealisierten, sinnenden Jüngling zeigt. Doch wegen der Nähe Brekers zum Nationalsozialismus wurde diese Idee verworfen. Für seine Skulptur orientierte sich Gerresheim an der Totenmaske Heinrich Heines, vergrößerte, überzeichnete und zerbrach sie in mehrere Teile, die er dann innerhalb und außerhalb eines Quaders aus Metallstäben auf dem Boden positionierte. Damit holte er das heroische Denkmal des 19. Jahrhunderts vom Sockel. Zudem ergänzte Gerresheim die Kopffragmente um weitere, Heine charakterisierende Gegenstände. Mit seiner Gestaltung wollte er einerseits die Zerrissenheit im Charakter des Dichters zum Ausdruck bringen, zum anderen aber auch die Zerrissenheit in der Haltung der Düsseldorfer Politik und der Deutschen im Allgemeinen gegenüber Heine und seinem Werk.
Weitere Aufträge in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt sollten folgen. Zur 700-Jahr-Feier Düsseldorfs schuf Bert Gerresheim 1988 das Stadterhebungsmonument. Neben der Geschichte der Stadt thematisierte er in dieser Bronzeplastik auch die Schrecken der Schlacht von Worringen, das Leid der Krieger, die Vergänglichkeit der Menschen und die Nöte der sogenannten kleinen Leute. Außerdem fertigte er das sogenannte „Kolbe-Kreuz“ an der Rochuskirche im Stadtteil Pempelfort und den „Heiligen Nepomuk“ an der Oberkasseler Brücke. Im September 2017 wurde sein „Mutter-Ey-Denkmal“ auf dem Andreas-Quartier in der Düsseldorfer Altstadt errichtet. In seiner Beschäftigung mit Heinrich Heine folgten noch die Büste für die Ruhmeshalle Walhalla oberhalb der Donau bei Regensburg und ein Denkmal für den Campus der Düsseldorfer Universität.
Seine stets figurative realitätsnahe Kunst prädestinierte ihn auch für kirchliche Aufträge, die er als gläubiger Christ und Katholik mit einem hohen Maß an Verständnis und Einfühlungsvermögen umsetzte. Seine Passionsszenen greifen die Qualen von Krieg und Verfolgung auf und schlagen eine unmittelbare Brücke von den Leiden Christi zur modernen Welt. Im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer finden sich mehr als 50 Plastiken von Gerresheim, darunter die drei Portale der Marienbasilika. Bekannt sind auch die Denkmäler der von den Nationalsozialisten ermordeten Ordensfrau Edith Stein in Köln und Berlin. Anlässlich des XX. Weltjugendtages 2005 fertigte der Künstler die Gedenktafel am Kölner Dom und für den damaligen Kölner Erzbischof Joachim Meisner das Gastgeschenk für Papst Johannes Paul II., eine faustgroße, vergoldete Bronzeplastik der Heiligen Drei Könige. |