 |  | Nicolaus Schafhausen im Gespräch über die Art Brussels | |
Nicole Büsing und Heiko Klaas: Welche Erwartungen verbindest du mit der Teilnahme an der diesjährigen Art Brussels?
Nicolaus Schafhausen: Art Brussels ist für uns weit mehr als eine Verkaufsplattform – sie ist ein Ort, an dem Haltung sichtbar wird. Gemeinsam mit der Galerie Gauli Zitter treten wir in der Prime-Sektion auf und präsentieren eine kuratierte Duo-Ausstellung. Beide Galerien, KIN und Gauli Zitter, wurden 2023 gegründet und verbindet ein enger, kontinuierlicher Austausch. Für uns ist dieser gemeinsame Auftritt nicht nur strategisch klug, sondern auch ein klares Statement: junge Strukturen stärken sich gegenseitig, anstatt um Sichtbarkeit zu konkurrieren. Wir erwarten keine schnellen Effekte, sondern nachhaltige Resonanz – und die Möglichkeit, innerhalb eines anspruchsvollen Netzwerks langfristige Beziehungen zu Künstler*innen, Sammler*innen und Kurator*innen aufzubauen.
NB und HK: Welche Künstler*innen wirst du präsentieren und in welchen Medien?
NS: Wir zeigen eine Duo-Präsentation mit den belgischen Künstlern Michael Van den Abeele (vertreten von KIN) und Laurent Dupont (vertreten von Gauli Zitter). Beide arbeiten medienübergreifend mit Malerei, skulpturalen Elementen, installativen Verschränkungen. Ihre Werke oszillieren zwischen Bild und Objekt, zwischen Ironie und Ernst, zwischen konzeptueller Klarheit und sinnlicher Opulenz. Diese Präsentation ist nicht als „Thema“ gedacht, sondern als konfrontative Nähe zweier Haltungen. Ergänzt wird unser Messeauftritt durch eine Ausstellung mit Angharad Williams im Galerieraum von KIN, die parallel zur Messe in Brüssel zu sehen ist und unsere Präsenz noch einmal verstärkt, weil sie ein anderes, kompromisslos eigenwilliges Tempo setzt.
NB und HK: Als Brüsseler Galerist hat die Art Brüssel für dich sicherlich eine besondere Bedeutung. Was macht den Standort Brüssel für die Galerie und für die Messe aus? Welche Vorteile bietet die Stadt Brüssel gerade auch im Vergleich mit Städten wie Paris, London und Berlin?
NS: Brüssel bietet als Standort eine fast paradoxe Mischung aus internationalem Anspruch und lokaler Intimität. Für eine Galerie wie KIN ist das ideal: Wir können hier mit Künstler*innen in großer Nähe arbeiten, gleichzeitig haben wir Zugang zu einem weiten Feld aus Kurator*innen, Sammler*innen, Kritiker*innen. Im Unterschied zu Berlin fehlt Brüssel das modische Pathos, was wir durchaus als Vorteil sehen. Und im Vergleich zu London oder Paris ist der Markt hier weniger spekulativ aufgeladen, dafür neugieriger, offener, dialogischer.
NB und HK: Was macht deiner Meinung nach das Spezifische am belgischen Sammlermarkt aus? Gibt es den typisch belgischen Sammler, und wie würdest du ihn gerade auch im Vergleich zu anderen Ländern charakterisieren?
NS: Nein, einen „typisch belgischen Sammler“ gibt es so nicht, und das ist auch gut so. Was aber auffällt, ist die hohe kunsthistorische Kenntnis, die viele Sammler*innen mitbringen. Sie sammeln nicht, um zu besitzen, sondern um sich inhaltlich mit den Werken auseinanderzusetzen. Das schafft andere Gespräche jenseits von Rankings, Preisen oder Investitionslogik.
NB und HK: Mit welchen Befürchtungen gehst du auf die Messe gerade auch vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage und der seit mehreren Jahren zu beobachtenden verhaltenen Stimmung auf dem Kunstmarkt?
NS: Es wäre ein Fehler, so zu tun, als ob sich die aktuellen globalen Machtverschiebungen, etwa die wachsende Einflussnahme der Tech-Industrie, das Comeback autoritärer Rhetoriken im Umfeld von Akteuren wie Trump oder das gezielte Aushöhlen demokratischer Strukturen, nicht auf das Kunstfeld auswirken würden. Der Markt verändert sich, wird selektiver, vorsichtiger, oft auch opportunistischer. Viele der ehemals kunstaffinen Investor*innen verlagern ihr Kapital in andere, teils hochproblematische Bereiche: in die Rüstungsindustrie, die unmittelbar von Krieg und Instabilität profitiert, in spekulative Krypto-Märkte, die mit ökologischer Zerstörung und kurzfristigem Gewinnstreben verbunden sind, oder in Rohstoffe, deren Abbau häufig auf Kosten von Umwelt, sozialen Strukturen und indigenen Lebensräumen geschieht. Kunstmessen sind keine politischen Foren, aber sie spiegeln die Kräfteverhältnisse unserer Gegenwart. Für uns heißt das: klare kuratorische Entscheidungen, Konzentration auf künstlerische Substanz, das Bestehen auf Ambivalenz, Komplexität und Relevanz, auch wenn das nicht immer in marktfreundliche Formate passt. |