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Marktberichte |
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Das Dorotheum versteigert in Wien Möbel, Antiquitäten, Skulpturen, Uhren, Keramik, Glas und Porzellan und hat seine Auswahl noch konziser getroffen  Qualitätsbewusst

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 |  | Johann Gallmayer, Johann Gallmayer zugeschrieben, Damenschreibsekretär, Wien um 1820/25 | |
Der Katalog ist dünner geworden. Somit setzt das Dorotheum in Wien bei seiner Saalauktion mit Möbeln, Skulpturen, Einrichtungsgegenständen, Glas und Porzellan noch konsequenter auf Qualität. Was nicht darunter fällt, wird in dem stark ausgebauten Segment der Onlineauktionen angeboten, die nun schon den überwiegenden Teil in der Programmfolge des größten österreichischen Versteigerers ausmachen. Das kostenintensive Liveerlebnis vor Ort mit gedruckten Katalogen ist auch in Wien auf dem Rückzug. Diesen neuen Anspruch an das traditionelle Format macht etwa ein meisterlich gearbeiteter Schreibsekretär des Empire deutlich. Den mit Nussholz und Mahagoni furnierten und mit einer exquisiten Marketerie nach der Antike verzierten Rhombenkorpus, der auf gebogenen Beinen mit Bockfüßen und Frauenköpfen ruht, schreibt der Möbelexperte Alexander Doczy dem wenig bekannten Ebenisten Johann Gallmayer zu und macht auf dessen vergleichbare Arbeit im Vizcaya Museum in Miami aufmerksam, zu der im Kupferstichkabinett der Wiener Akademie der bildenden Künste ein Aufriss und Querschnitt vorliegen. Die im Dorotheum angebotene Variante ist laut Doczy „aufwendiger und gereifter“, was sich nun in 30.000 bis 40.000 Euro niederschlagen soll.
Die ältesten Stücke der Möbelabteilung stammen noch aus der Gotik, etwa eine französische Holzkassette mit halbrund gewölbtem Scharnierdeckel, die im 15. Jahrhundert mit schwarzem, ornamental geprägtem Leder überzogen wurde (Taxe 1.800 bis 2.600 EUR). Ein Faltstuhl aus dekoriertem Nussholz weist in die toskanische Renaissance (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), ein vergoldeter Holzständer, ein sogenannter „portabusto“, ebenfalls nach Florenz, aber mit seinem fratzenartigen Maskaron schon in den manieristischen Groteskenstil der 1570er Jahre (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR). Reichhaltig vorhanden ist die Möbelkunst des 18. Jahrhunderts. Zur hochbarocken frühen Phase zählen etwa ein imposanter römischer Konsoltisch mit kraftvoll und bewegt geschnitzten Rocaillen, Blattwerk und Köpfen von Fabelwesen (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR) oder eine vierschübige südwestdeutsche Kommode mit einer Marketerie aus Nuss-, Nusswurzel- und Birkenmaserfurnier sowie reicher Bronzezier (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).
Möbel und Leuchter
Etwas beschwingter und filigraner fallen dann eine Aufsatzschreibkommode aus der Lombardei mit einer Marketerie aus Blüten und Blättern sowie einer geschnitzten kleinen Vasen als Bekrönung (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR) oder ein Satz von zwölf leicht unterschiedlichen Stühlen mit zwei Quersprossen in der Lehne aus, von denen vier von Pierre Nogaret um 1750 getempelt wurden (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Etwa in diese Zeit datiert zudem eine Kommode, die Nicolas Berthelmi in Paris feldförmig mit Palisander marketiert und mit floral inspirierten Bronzeapplikationen beschlagen hat (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR).
Auf diesem Preisniveau rangieren einige frühklassizistische Objekte, etwa der französische Klappsekretär mit einer Gitterstruktur aus Edelhölzern des Ebenisten Jean-Georges Schlichtig um 1780 für 7.000 bis 10.000 Euro und die auffallend beruhigte Demi Lune-Kommode in Mahagoni von Louis Aubry aus dieser Zeit für 8.000 bis 12.000 Euro. Dazu passt ein kleiner Eckkonsoltisch, den Jacques-Laurent Cosson um 1780/85 aus identischen Materialien gefertigt hat (Taxe 2.500 bis 4.000 EUR). Für die rechte Beleuchtung sorgt dann die 1792 gegründete Berliner „Bronze und Kunstsachen Fabrik“ Werner & Mieth. Aus ihrer Produktion stammen zwei kleinere Wandappliken in Korbform für 2.400 bis 2.800 Euro und der noch reicher mit Kristallbehang ausgestattete sechsflammige Salonlüster, der neben dem goldenen Messing durch blaue Glasscheiben besticht (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Der Historismus spielt in der Auktion keine untergeordnete Rolle. Vor allem die französischen Einrichtungshäuser des ausgehenden 19. Jahrhunderts kommen zum Zug, etwa das 1826 von Antoine Krieger gegründete Maison Krieger, das mit einem Bureau Plat nach Louis XV-Geschmack (Taxe 15.000 bis 22.000 EUR) und einem rechteckigen „secretaire en cabinet“ nach einem klassizistischen Vorbild Jean-Henri Rieseners den Stilpluralismus pflegte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Louis Cueunieres, der 1870 das Atelier seines Vaters übernahm, orientierte sich an den großen Meistern der Louis XVI-Epoche. Davon zeugt sein schlichtes Bureau Plat aus Mahagoni mit konischen kannelierten Füßen und fein ziselierter vergoldeter Bronzezier (Taxe 6.000 bis 9.000 EUR). Henry Dasson soll einen 24flammigen bronzenen Deckenlüster gefertigt haben, der seine Anleihen am Louis XIV-Stil, etwa an André-Charles Boulle, nimmt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Den Abschluss der Möbelabteilung bildet ein halbhoher Barschrank des Art Déco, der um 1925/35 mit seinem reichen Marketeriedekor an Elefanten, Raubkatzen, Geisterköpfen, tanzenden Figuren und ornamentalen Einlagen die Welt Indiens feiert (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).
Skulpturen und Uhren
Preislicher Höhepunkt nicht nur bei den Skulpturen, sondern auch in der gesamten Versteigerung ist eine heilige Barbara mit Kelch, die um 1500 in der Werkstatt von Michel Erhart und seines Sohnes Gregor Erhart in spätgotischen Formen geschnitzt wurde. Hier stehen 50.000 bis 70.000 Euro auf dem Etikett. Bei 22.000 bis 24.000 Euro notiert ein wenige Jahre älterer heiliger Stephanus eines Tiroler Bildschnitzers, der um 1460/70 mit Michael Pacher in Kontakt stand. Dahinter platzieren sich eine thronende Madonna mit bereits lesendem Jesuskind aus dem Umkreis des Meisters des Kefermarkter Altars (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR) und das schon auf die Renaissance weisende voluminöse Heiligenduo Katharina und Barbara, das die Experten dem Meister des Rechwein-Epitaphs um 1515 zuweisen (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).
Die italienische Bildhauerei des ausgehenden 19. Jahrhunderts zeigt sich erzählerisch, so mit einer Figur der sitzenden Venus, die dem weinenden Cupido eben die Flügel stutzt (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Nach Giovanni Maria Benzoni schuf ein italienischer Bildhauer ebenfalls aus weißem Marmor die lebensgroße neoklassizistische Skulpturengruppe des sich innig umarmenden Liebespaars „Amor und Psyche“ (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Nicht dem Menschen sondern dem Tier widmete sich der 1856 in Schweden geborene Österreicher Otto Jarl, der um 1900 eine drollige Nilpferdfamilie in Bronze gießen ließ (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Bei den Uhren treffen eine barocke sechseckige horizontale Tischuhr, die von Franz Xaver Liebherr aus Immenstadt um 1770 mit dem originalen Lederetui ausgestattet wurde (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), eine französische Kaminuhr mit der Bronzefigur eines Harlekins, der das Gehäuse mit krähendem Hahn trägt, aus der Pariser Uhrmacherfamilie Lepaute (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) und eine Laterndluhr mit Monatsgang aufeinander, die auf dem Ziffernblatt mit „A. Schenk in Wien“ signiert ist (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).
Glas, Porzellan und Keramik
Den Glas- und Porzellanabschnitt eröffnet eine Schweizer Privatsammlung, die sich nicht zuletzt um russische Ware gekümmert hat. Mit der ab 1741 regierenden kunstsinnigen Zarin Elisabeth Petrowna verbindet sich ein Pokal aus der Kaiserlichen Glasmanufaktur St. Petersburg mit ihren goldenen Insignien und dem gekrönten russischen Doppeladler (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR), aber auch zwei Suppenteller aus ihrem Porzellanservice „Sobstwenny“, die in der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur St. Petersburg mit purpurfarbenen Blüten auf einer sich verjüngenden goldenen Netzstruktur bemalt wurden (Taxe zwischen 3.000 und 6.000 EUR). Auf ein altrussisches Motivrepertoire griff um 1830 Fjodor Solnzew zurück und entwarf für die Manufaktur in St. Petersburg das goldglänzende „Kreml-Service“, das rund 70 Jahre später noch immer für acht Teetassen samt Untertassen herhalten musste (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Für acht Speisteller aus dem historistischen „Purpur-Service“ bediente man sich hier der Formensprache des Rokoko und statte die Fahne mit russischen Landschaften in Purpur zwischen pastos gemalten goldenen Blatt- und Blütenranken aus (Taxe 9.500 bis 11.000 EUR). Weitere zwei Positionen mit je sieben dieser Teller gibt es für jeweils 8.500 bis 10.000 Euro.
Aber auch andere russische Fabrikationen melden sich zu Wort, so die Porzellanmanufaktur Kuznetsov mit ihren sechs als Rosenblüten gestalteten Tassen samt Blätteruntertassen für 4.000 bis 6.000 Euro oder die Manufaktur Gebrüder Kornilow mit zwei Kowsch samt Doppeladler auf dem Spiegel und grün-blauer Bordüre (Taxe 1.200 bis 2.000 EUR). Im regulären Angebot dominiert die Wiener Ware. So sticht eine ungewöhnliche Vase von Claudius Innocentius du Paquier um 1725 hervor, die noch recht üblich mit Akanthusrelief belegt und mit indianischen Blütenzweigen bemalt ist, um deren kurzen Hals sich aber ein plastischer Drache windet (Taxe 5.000 bis 9.000 EUR). Ein Teller im damals beliebten Imari-Dekor wurde um 1730/35 noch von du Paquier produziert (Taxe 1.400 bis 2.000 EUR), zwei Teller mit buntem ostasiatischem Blumendekor um 1760 dann schon von der Kaiserlichen Porzellanmanufaktur Wien (Taxe je 600 bis 900 EUR), die etwa noch zwei Teller aus der Mitte der 1790er Jahre, die Georg Lamprecht mit weidenden Schafen respektive Ziegen in Grisaille bemalt hat (Taxe je 1.800 bis 3.000 EUR), und ein biedermeierliches Teeservice für zwölf Personen mit bunten Blumen auf Goldfond zur Verfügung stellt (Taxe 7.000 bis 12.000 EUR).
Mit jeweils 30.000 bis 40.000 Euro treten aus Meißner Produktion ein Vasenpaar, das dicht mit lilafarbenen Vergissmeinnichtblüten belegt und mit Dresden-Veduten sowie kurfürstlich-sächsischem Wappen staffiert ist, und eine große Sphinx an. Der Modelleur Ernst August Leuteritz holte sich seine Anregungen für das Mischwesen um 1855 bei einem Entwurf von Johann Gottlieb Kirchner aus dem Jahr 1732. Leuteritz ist außerdem für zwei Fischreiher auf Pflanzensockeln verantwortlich, die 16.000 bis 20.000 Euro einbringen sollen. Bei der Keramik ragen drei Krüge mit Jagdmotiven aus der Salzburger Werkstatt von Thomas Obermillner heraus, die dem Wiener Sammler Oscar Bondy 1938 von den Nazis geraubt und erst 2021 aus dem Salzburg Museum restituiert wurden (Taxe zwischen 4.000 und 7.000 EUR). Eine größere Wohnung braucht man für einen blaugrün glasierten Kachelofen mit Rokoko-Zier um 1760 (Taxe 12.000 bis 16.000 EUR), der mit seinem weißen historistischen Pendant aus der Mitte des 19. Jahrhunderts den Abschluss der Versteigerung bildet (Taxe 10.000 bis 14.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 24. April um 13 Uhr live im Dorotheum. Die Besichtigung ist noch bis zum Auktionsbeginn möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.dorotheum.com. |  | Kontakt: Dorotheum Dorotheergasse 17 AT-1010 Wien |
 | Telefon:+43 (01) 515 60 0 | Telefax:+43 (01) 515 60 443 |  |  | E-Mail: client.services@dorotheum.at |  | Startseite: www.dorotheum.com |
22.04.2025 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 Salonleuchter,
Werner & Mieth
zugeschrieben, um
1800 |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Losnummer: 856 |  |  |  |  |  | 
 Paar Wandappliken,
Werner & Mieth
zugeschrieben, um
1800 |  | Taxe: 2.400 - 2.800 EURO Losnummer: 854 |  |  |  |  |  | 
 Thomas Obermillner,
Thomas Obermillner
Werkstatt,
Birnkrug, Salzburg
um 1690 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 7.000,- EURO Losnummer: 932 |  |  |  |  |  | 
 Henry Dasson, Henry
Dasson
zugeschrieben,
Salonlüster, Ende
19. Jahrhundert |  | Taxe: 8.000 - 10.000 EURO Losnummer: 883 |  |  |  |  |  | 
 Wien, Laterndluhr,
um 1835/40 |  | Taxe: 20.000 - 25.000 EURO Zuschlag: 24.000,- EURO Losnummer: 955 |  |  |  |  |  | 
 Meister des
Kefermarkter
Altars, Meister des
Kefermarkter Altars
Umkreis, Thronende
Madonna, um 1470/90 |  | Taxe: 18.000 - 22.000 EURO Losnummer: 908 |  |  |  |  |  | 
 François Reizell,
Kommode, um 1780 |  | Taxe: 6.000 - 9.000 EURO Losnummer: 857 |  |  |  |  |  | 
 Maison Krieger,
Sekretär, Ende 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Losnummer: 880 |  |  |  |  |  | 
 Rom,
Prunkkonsoltisch,
1. Viertel 18.
Jahrhundert |  | Taxe: 6.000 - 10.000 EURO Losnummer: 820 |  |  |  |  |  | 
 Franz Xaver
Liebherr,
Horizontale
Tischuhr,
Immenstadt um 1770 |  | Taxe: 5.000 - 7.000 EURO Zuschlag: 5.500,- EURO Losnummer: 948 |  |  |  |  |  | 
 Louis Cueunieres,
Bureau Plat, Ende 19.
Jahrhundert |  | Taxe: 6.000 - 9.000 EURO Losnummer: 879 |  |  |  |  |  | 
 Thomas Obermillner,
Thomas Obermillner
Werkstatt,
Birnkrug, Salzburg
um 1680/90 |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 6.500,- EURO Losnummer: 933 |  |  |
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