Wegweisende Künstlerinnen der digitalen Kunst in Wien  |  | Charlotte Johannesson, Untitled, 1981/85 | |
Die Kunsthalle Wien präsentiert in mehr als hundert Werken den prägenden Einfluss von Frauen auf die digitale Kunst. In der Schau „Radical Software“ nimmt Kuratorin Michelle Cotton das Schaffen von 50 Künstlerinnen aus vierzehn Länder in den Blick, darunter von Rebecca Allen, Dara Birnbaum, Doris Chase, Betty Danon, Anna Bella Geiger, Samia Halaby, Irma Hünerfauth, Charlotte Johannesson, Katherine Nash, Sonya Rapoport, Rosemarie Trockel oder Ulla Wiggen, und untersucht mittels verschiedener Medien wie Malerei und Performance die Geschichte der frühen digitalen Kunst aus einer feministischen Perspektive. Im Fokus stehen die Jahrzehnte vor dem Aufstieg des World Wide Web und Frauen, die Computer als Werkzeug oder Thema ihrer Kunst verwendeten.
„Ob in der Zeichnung oder im Film, im Text oder in der Performance, die Künstler*innen verschoben die Parameter des Computers. Sie nutzten die Fähigkeit der Maschine zur Zufallsgenerierung und stellten ihre Neigung zum Surrealen, Chaotischen und Ungeordneten heraus“, so Cotton. Ausgehend von Arbeiten der 1960er und 1970er Jahre spannt sie den Bogen von der frühen Halbleitertechnik bis zur „Mikrocomputer-Revolution“, die in den 1980er Jahren zur Geburt des Heimcomputers führte. Die Spuren des Themas verfolgt Cotton bis in das 17. Jahrhundert zurück, als mit „Computer“ eine Person bezeichnet wurde, die mathematische Berechnungen vornahm.
Gezeigt werden unter anderem Werke der österreichischen Medienkünstlerin Valie Export, etwa „Concrete Computer DisPlay“ von 1988/90, eine textbasierte Wandinstallation, die aus mehreren Monitoren besteht und speziell für diese Ausstellung restauriert wurde. Ebenfalls präsentiert werden mit „Plüschlove“ von 1984 und „Elvis“ von 1985 frühe Videos von Gudrun Bielz und Ruth Schnell, die an der Universität für angewandte Kunst Wien entstanden sind. Außerdem hat Cotton Werke und Vorbereitungsmaterial aus der Serie „Homecomputer Graphics“ von Lily Greenham ausgesucht, die Wien 1938 verließ, nachdem ihr Vater verhaftet und in das Konzentrationslager Dachau deportiert worden war. Sie kehrte 1952 zurück, um an der Akademie der bildenden Künste Wien zu studieren und engagierte sich in der „Wiener Gruppe“. Das breite Spektrum der Schau bietet vielseitige Perspektiven auf die Digitalisierung, beschäftigt sich damit, wie Themen der Identität und Gleichstellung in der Technologie reflektiert werden, und untersucht die Verknüpfung von Technologie und Machtstrukturen.
Die Ausstellung „Radical Software: Women, Art & Computing 1960-1991“ ist bis zum 25. Mai zu sehen. Die Kunsthalle Wien hat dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, donnerstags zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 8 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren ist er kostenlos. Ergänzend erscheint eine Publikation für 38 Euro.
Kunsthalle Wien
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