Molfenter-Preis für Heba Y. Amin und Horizontaler Gentransfer  |  | Heba Y. Amin erhält den Hans-Molfenter-Preis 2024 | |
Der Hans-Molfenter-Preis 2025 geht an Heba Y. Amin und das Kollektiv Horizontaler Gentransfer. Da während der Corona-Pandemie die Vergabe zuletzt einmal aussetzen musste, zeichnet die die Landeshauptstadt Stuttgart im kommenden Jahr zwei künstlerische Positionen mit ihrem auf 16.000 Euro dotierten Kunstpreis aus. Für die Ägypterin Amin und das Punk-Performance-Kollektiv sprach sich eine Fachjury unter Vorsitz des Kulturamtsleiters Marc Gegenfurtner aus.
Künstlerisch beschäftigt sich Heba Y. Amin mit politischen Themen, historischen Orten und Archiven. Oft treffen Perspektiven aus Europa und ihrer ägyptischen Heimat aufeinander. Dies setzt sie in Film- und Videoarbeiten, Fotografie, Performance und Installationen um und greift dabei häufig auf Archivmaterialien zurück. Die 1980 in Kairo geborene Künstlerin, die an der University of Minnesota studierte und 2017 ein Postgraduiertenstipendium am Digital Cultures Research Lab der Leuphana Universität in Lüneburg absolvierte, verbindet ihr Quellenmaterial nicht selten mit fiktionalen und spekulativ-subversiven Elementen, um dominante historische Narrative zu reflektieren und zu dekonstruieren. Seit 2021 ist Amin Professorin für Digitale und Zeitbasierte Kunst an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart. 2022 erhielt sie den Kunstpreis der Stadt Nordhorn. Dort war ihr Schaffen zu sehen, zuletzt ebenso im Kunstmuseum Wolfsburg oder im Guggenheim Museum in New York.
Das Stuttgarter Kollektiv Horizontaler Gentransfer besteht aus sechs Künstlerinnen mit Migrationshintergrund: Mizi Lee, Yun Park, Jerry Ahn, Hanseo Oh, Seonha Park und Lilian Gonzalez. Konzeptuell knüpft die Gruppe an den namensgebenden Prozess der Genweitergabe an: Was in der Biologie den Austausch genetischen Materials zwischen bereits existierenden Organismen auch über Artengrenzen hinweg bezeichnet, steht hier exemplarisch für die Prozesse eines interkulturellen Austausches. Die Gruppe arbeitet an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Musik, Lyrik, Theater und Performance. Ausgehend von persönlichen Erfahrungen verhandeln die Künstlerinnen in ihrer Praxis, die Elemente des K-Pop, Spoken Word und Art-Pop verbindet, Fragen der Zugehörigkeit und Konzepte von Heimat.
Der Kunstpreis der Landeshauptstadt Stuttgart wird seit 1983 in der Regel alle drei Jahre an Künstlerinnen und Künstler vergeben, die mit der Stadt und der Region verbunden sind und durch ein herausragendes künstlerisches Werk Anerkennung erfahren haben. Finanziert wird der Preis aus dem nachgelassenen Vermögen des Stuttgarter Malers Hans Molfenter (1884-1979). Die Auszeichnung ging bisher unter anderem an Ben Willikens, Hans Schreiner, Horst Antes, Günter Behnisch, Dieter Krieg, Rebecca Horn, Joan Jonas, Georg Winter, Tino Sehgal und zuletzt 2019 an Katrin Ströbel. Anlässlich der Preisverleihung zeigt das Kunstmuseum Stuttgart ab Juni 2025 eine Ausstellung von Heba Y. Amin. Dann wird das Kollektiv Horizontaler Gentransfer dort auch eine Konzert-Performance realisieren. |