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Marktberichte |
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Umsatzrückgang bei Grisebach: Das Berliner Auktionshaus hatte bei den „Ausgewählten Werken“ mit einem weniger attraktiven Angebot als sonst und zurückhaltender Kauflaune zu kämpfen. Trotzdem gab es in der Frühjahrsofferte auch einige Lichtblicke  In ruhigem Fahrwasser

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 |  | Ernst Ludwig Kirchner, Heuernte, 1924/26 | |
An Ernst Ludwig Kirchner wird das Dilemma der Versteigerung schon deutlich. Zwar konnte sich sein Gemälde „Heuernte“ von 1924/26, das das einfache unverfälschte Leben der Bauern in den Schweizer Bergen preist, in die sich Kirchner seit 1917 zurückgezogen hatte, um Ruhe und Frieden vor dem Weltkriegsgetümmel zu finden, im Berliner Auktionshaus Grisebach an der Spitze der „Ausgewählten Werken“ behaupten, doch stieß der Berliner Käufer auf keine Gegenwehr. Er konnte die in einem Farbkanon aus Gelb, Grün, Hellblau und Violett gemalte „Heuernte“, die bis vor kurzem als Leihgabe aus dem Künstlernachlass im Museum Biberach hing, schon bei 650.000 Euro mitnehmen. Als Vorgaben hatte Grisebach eigentlich 700.000 bis 900.000 Euro formuliert. Und Kirchners zweites Auktionsgut, seine expressiven „Glockenblumen“ von 1919, die ebenfalls aus der Familie des Künstlers stammten, blieb bei 350.000 bis 450.000 Euro komplett liegen.
Am Ende waren dann nur 17 von 33 angebotenen Losnummern am 30. Mai und damit 51,5 Prozent der Waren verkauft; Grisebach ist hier sonst deutlich höhere Zuschlagsraten gewohnt. Mit dem Nachverkauf stieg dieser Wert wenigstens noch auf 66,6 Prozent. Das lag zum einen an den wenigen attraktiven Einlieferungen, die nicht allzu häufig dem Geschmack des Publikums entsprachen, zum anderen an dem nicht nur Grisebach betreffenden Trend zur Zurückhaltung auf Käuferseite. Die wirtschaftlich und gesellschaftlich gefühlte Großwetterlage schlägt sich auch im deutschen Kunstmarkt nieder. Gerade der Kunsthandel sei sehr abstinent gewesen, konstatierte Grisebach-Gesellschafter Daniel von Schacky. So brach der Umsatz für die Abendauktion in Berlin deutlich ein: Gegenüber dem stärker besetzten Vorjahr halbierte er sich in dieser Frühjahrsrunde auf 4,3 Millionen Euro.
Ohne Kunsthandelsbeteiligung
Dennoch zündete die Auktion einige Hoffnungsfunken, etwa mit einer frühen weißen Nagelung von Günther Uecker. Seine runde Igelform „Phantom“ von 1962 wanderte bei 540.000 Euro im oberen Bereich der Schätzung in eine norddeutsche Privatsammlung, ebenso wie Stanley Whitneys in mehreren Reihen gestapelte, bunte rechteckige Farbblöcke „Violet Times“ von 2012 bei 270.000 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Auch Günter Fruhtrunk hatte es einfach. Der Maler, der anlässlich seines hundertsten Geburtstags im vergangenen Jahr mit mehreren Museums- und Galerieausstellungen gewürdigt wurde und noch wird, konnte sich über 80.000 Euro für seine schwarz-grün-weißen Diagonalstreifen „Grün im Quadrat“ freuen (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).
Sogar Zuwächse verzeichnete die Nachkriegskunst: Karl Otto Götz’ informelle Schwünge „Werla“ von 1973 platzierten sich bei 41.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), Helmut Middendorfs neoexpressiver farbintensiver und exaltierter „Sänger“ von 1980 bei 90.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) und Horst Antes’ markanter Kopffüßler „Figur mit blauem Arm 2“ von 1964 bei 105.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Doch schon Ernst Wilhelm Nay musste bis zum Nachverkauf warten, um sein Gemälde „Feuersäule“ aus dem Jahr 1965, ein Abgesang auf seine Werkreihe der „Augenbilder“, bei 130.000 Euro loszuwerden. Diesen untertourigen Betrag spielte zudem Neo Rauchs enigmatisches Gemälde „Clouse!“ von 2000 mit dem Blick in einen schokoladeverarbeitenden Museumsbetrieb ein (Taxe je 150.000 bis 200.000 EUR).
Die Moderne hatte mehrere Ausfälle zu verkraften. Durchhänger gab es unter anderem bei Wassily Kandinskys nachimpressionistischer Ölstudie „Rapallo – Castello und Kirche“ aus dem Jahr 1906 oder Oskar Schlemmers Papierarbeit „Raum mit sieben Figuren“ von 1937 (Taxe je 250.000 bis 350.000 EUR) sowie bei Werner Heldts menschenleerer Großstadtvision „Die Panke fließt durch Berlin“ (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR), bei Erich Heckels einsamem „Mädchen am Meer“ von 1922 und bei Lovis Corinths „Früchtestillleben“ von 1915, das vormals in der illustren Sammlung Georg Schäfer in Schweinfurt hing (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR). Auf der Habenseite standen dann Gabriele Münters „Blumenstillleben mit Sofa und Kissen“ von 1910, das einen Einblick in das Wohnzimmer ihres alten Bauernhauses in Murnau gibt, und Paula Modersohn-Beckers frontal und still ins Bildzentrum gerückter „Kopf eines Mädchens mit geschlossenem Kragen“ von etwa 1905 für jeweils 150.000 Euro an der oberen Taxgrenze.
Auch zwei Landschaftsaquarelle von Emil Nolde können sich sehen lassen. Sein verschwommener „Bergsee“ in der Schweiz erwirtschaftete 100.000 Euro, seine „Marschlandschaft mit Bauernhof“ unter dräuenden Gewitterwolken im heimatlichen Schleswig 130.000 Euro (Taxe je 100.000 bis 150.000 EUR). Noldes mit Dahlien und Rittersporn bestücktes Blumenaquarell aus den frühen 1930er Jahren blieb indes liegen (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Auf die Kraft der Farbe setzte um 1924/35 zudem Otto Freundlich. Sein aus kleinen Farbpuzzlesteinen aufgebautes lichtvolles Pastell „Blick aus dem Fenster“ reüssierte bei 125.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Mit Gerhard Marcks war auch ein Bildhauer bei den „Ausgewählten Werken“ erfolgreich. Sein lebensgroßer Bronzeakt „Schwimmerin II“ von 1938/52 steigerte sich von 120.000 Euro auf marktübliche 180.000 Euro und ging an eine Privatsammlung in Berlin.
Zugkräftige Skulpturensuite bei der Moderne
Die Skulptur stammte aus der Sammlung des Journalisten und Ullstein-Verlegers Wolf Jobst Siedler, der auch die Tagesauktion „Moderne Kunst“ mit weiteren sechszehn bildhauerischen Arbeiten gut ausstattete. Bis auf Aristide Maillols mit 35.000 bis 45.000 Euro veranschlagte, energische Bronzestatute „Pomone vêtue“ gingen sie alle zu guten Preisen weg. Hier trat nochmals Gerhard Marcks mit seinen jugendlichen nackten Bronzefiguren „Nanna III“ von 1939 und „Freya“ von 1949 für jeweils 70.000 Euro hervor (Taxe je 45.000 bis 55.000 EUR), ebenso Bernhard Hoetger mit seinem „Elberfelder Torso“ von 1905 bei 18.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), Hermann Haller mit seiner stilisierten Allegorie „Flora“ von 1908 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Ludwig Kasper mit seinem Akt eines streng „Stehenden Mädchens“ von 1931/32 bei jeweils 26.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) oder Georg Kolbe mit dem dynamisch gedrehten „Kopf der Tänzerin“ von 1911/12, der von 10.000 Euro auf 75.000 Euro schnellte. Damit war in dieser Rubrik der Tageshöchstpreis erreicht.
Zudem lag der Absatz bei der „Modernen Kunst“ deutlich über der vorausgegangen Prestigeauktion: Hier wurde eine losbezogene Zuschlagsquote von gut 75 Prozent erzielt. Gerade einige weniger geläufige Namen stießen am 31. Mai auf rege Nachfrage. So wurde Gustav Gildemeisters „Herbstlicher Baum II (mit rosa Wolke)“, um 1907 in pointillistischer Tupfenmanier gemalt, mit 32.000 Euro hofiert, Joseph Oppenheimers spätimpressionistische Sicht „Segelboote auf dem Wannsee“ um 1920 mit 10.000 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), Leo von Königs zeitgleich entstandenes „Gewitter am Strand“ aus der Siedler-Sammlung mit 12.000 Euro und Heinrich Tischlers sozialkritische Stadtszene „Menschen auf der Straße“ aus diesem Jahrzehnt mit 14.000 Euro (Taxe je 4.000 bis 6.000 EUR). Mit Gunta Stölzl war auch eine Bauhäuslerin gesucht. Ihr Entwurf für einen „Smyrnateppich“ aus kleinen bunten Quadratfeldern von 1923 erreichte die obere Erwartung von 12.000 Euro.
Die höheren Preise heimsten aber die bekannten Namen ein, etwa Stölzls Bauhaus-Kollege László Moholy-Nagy mit seiner konstruktiv-geometrischen „Composition“ aus Kreissegmenten und Geraden von 1921 bei 55.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). In dieser Preiskategorie kamen etwa noch Ernst Ludwig Kirchner mit einer gezeichneten und aquarellierten Alpenlandschaft bei Davos um 1919 für ebenfalls taxkonforme 55.000 Euro, Max Slevogt mit seiner recht spontan gemalten Pfalzlandschaft „Der Felsen von Neukastel“ aus dem Jahr 1917 für 53.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und Augusto Giacometti mit seinem fast völlig in der orange-violetten Farbe aufgelösten Blick auf das Grossmünster in Zürich von 1934 für 50.000 Euro zum Zug (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Gegen Ende der Auktion machte dann noch der ostdeutsche Maler Sighard Gille auf sich aufmerksam. Sein wandfüllendes Gemälde „Fête in Leipzig II“ mit dicht gedrängtem Figurenpersonal bei einem fiktiven Leipziger Künstlerfest sprang von 8.000 Euro auf 52.000 Euro.
Die nachfolgende Abteilung „Zeitgenössische Kunst“ verzeichnete mit einer losbezogenen Verkaufsrate von knapp 79 Prozent den höchsten Wert in dieser Dreierrunde. Obwohl Gerhard Richter neun Jahre älter als Gille ist, fand er hier mit einer frühen, noch zu Dresdner Studienzeiten entstandenen, untypischen Aktstudie von 1959 Aufnahme und gab sie schätzpreisgemäß für 110.000 Euro ab. Dahinter folgte William Nelson Copley mit seinem Schönheitswettbewerb von vier gesichtslosen, ironisch aufgefassten „Bathing Beauties“ am Strand von 1969 für gute 105.000 Euro (Taxe 75.000 bis 95.000 EUR). Auch Norbert Bisky konnte sich bei 85.000 Euro für sein charakteristisches Jungmännerbild „Russisch Roulette“ von 2003 nicht über mangelnden Zuspruch beklagen (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), ebenso Dorothy Iannone bei 25.000 Euro für ihre naturerotische, farbenfrohe Gouache „Flora and Fauna“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), Salomé bei 48.000 Euro für seine querformatige, explizite Sexszene „Babylon“ von 1978 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder Hans Ticha bei 19.000 Euro für seine staatskritische Rastermalerei „Oktoberkinder – Strahlende Jugend“ von 1989 mit zwei Jungpionieren der DDR mit eingefrorenen Gesichtern (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Grisebach Fasanenstraße 25 DE-10719 Berlin |
 | Telefon:+49 (030) 885 91 50 | Telefax:+49 (030) 882 41 45 |  |  | E-Mail: auktionen@grisebach.com |  | Startseite: www.grisebach.com |
10.08.2024 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 Otto Freundlich,
Blick aus dem
Fenster, um 1924/25 |  | Taxe: 80.000 - 120.000 EURO Zuschlag: 125.000,- EURO Losnummer: 30 |  |  |  |  |  | 
 Georg Kolbe, Kopf der
Tänzerin, 1911/12 |  | Taxe: 10.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 75.000,- EURO Losnummer: 370 |  |  |  |  |  | 
 Hermann Haller,
Flora, 1908 |  | Taxe: 15.000 - 20.000 EURO Zuschlag: 26.000,- EURO Losnummer: 377 |  |  |  |  |  | 
 Heinrich Tischler,
Menschen auf der
Straße, 1920er Jahre |  | Taxe: 4.000 - 6.000 EURO Zuschlag: 14.000,- EURO Losnummer: 398 |  |  |  |  |  | 
 László Moholy-Nagy,
Composition, 1921 |  | Taxe: 50.000 - 70.000 EURO Zuschlag: 55.000,- EURO Losnummer: 423 |  |  |  |  |  | 
 Gustav
Gildemeister,
Herbstlicher Baum II
(mit rosa Wolke), um
1907 |  | Taxe: 9.000 - 12.000 EURO Zuschlag: 32.000,- EURO Losnummer: 340 |  |  |  |  |  | 
 Ludwig Kasper,
Stehendes Mädchen,
1931/32 |  | Taxe: 12.000 - 15.000 EURO Zuschlag: 26.000,- EURO Losnummer: 383 |  |  |  |  |  | 
 Paula
Modersohn-Becker,
Kopf eines Mädchens
mit geschlossenem
Kragen, 1905 |  | Taxe: 100.000 - 150.000 EURO Zuschlag: 150.000,- EURO Losnummer: 21 |  |  |
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