Augsburg würdigt Hans Holbein d.Ä.  |  | Hans Holbein d.Ä., Votivbild des Ulrich Schwarz d.J. mit Christus und Maria als Fürbitter vor Gottvater, um 1508 | |
„Der ältere Holbein. Augsburg an der Schwelle zur europäischen Kunstmetropole“, unter diesem Titel ehrt unmittelbar nach Präsentationen in Frankfurt am Main und Wien nun auch die Geburtsstadt des Meisters ihren großen Sohn anlässlich des 500. Todesjahres. Um 1465 erblickte Hans Holbein d.Ä. in der bedeutenden Reichsstadt am Lech das Licht der Welt. Als Künstler trug er maßgeblich dazu bei, dass Augsburg für rund drei Jahrhunderte zu einem Kunstzentrum aufstieg. Wie im Titel bereits angedeutet, gliedert die Schau seine Arbeiten in den Kontext seiner künstlerisch aktiven Zeitgenossen ein.
Zuletzt ehrte Augsburg 1965 anlässlich des 500. Geburtstags in den noch nicht rekonstruierten Rathaussälen den Maler mit einer Retrospektive. Konservatorisch bedingt, können heute viele der damals gezeigten Werke nicht mehr verliehen werden. Dennoch gelang es dem als Gastkurator verpflichteten Trierer Altmeisterexperten Andreas Tacke, 65 Exponate zu vereinen, von denen 25 von Holbein d.Ä. und seiner Werkstatt stammten oder in der Form von Kopien präsentiert werden. Zudem steht der Wandel von der spätgotischen Kunst hin zur Frührenaissance im Fokus der Schau. Zu den namhaften Künstlerkollegen, mit denen Holbein in einer Umbruchphase den Epochenwandel vollzog, zählen in erster Linie der mit mehreren Gemälden vertretene Hans Burgkmair d.Ä. sowie Jörg Breu d.Ä., dessen „Apostelabschied“ erstmals zusammen mit der Vorzeichnung zu sehen ist.
Die Auswahl von Gemälden, Handzeichnungen und Drucken spannt den Bogen von den Anfängen des aus einer Gerberfamilie stammenden Hans Holbein d.Ä. bis hin zu seinen letzten Schaffensjahren, die unter dem Eindruck von Matthias Grünewalds „Isenheimer Altar“ standen. Um 1524 verstarb Holbein im Elsass, wo er zuletzt lebte. Zu den ältesten Werken gehört das aus dem Kunsthistorischen Museum Wien entliehene Tafelbild „Maria, das Kind liebkosend“ um 1495/99, das noch stark von Bildlösungen altniederländischer Malerei beeinflusst ist. Seit mehr als zehn Jahren sind nun wieder zwei Blätter aus dem rund 120 Zeichnungen umfassenden „Kleinen Klebeband“ zu sehen, den im Jahr 2011 das Kupferstichkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin gemeinsam mit den Kunstsammlungen und Museen Augsburg aus dem Besitz der Fürsten zu Waldburg-Wolfegg erwerben konnte. Dazu gehören die vor 1504 auf rötlich getöntem Papier in brauner Feder entstandene, weiß gehöhte „Studie der heiligen Thekla als Rückenfigur“ sowie die um 1496 geschaffene „Studie der Veronika Vetter mit Familienwappen“.
Hervorzuheben unter Holbeins Werken sind die noch der Spätgotik verhafteten Gemälde für den Kapitelsaal und Kreuzgang des Augsburger Dominikanerinnenklosters St. Katharina. Dem gegenüber vermittelt das rund zwanzig Jahre später um 1519 datierte Gemälde „Der Lebensbrunnen“ mit der Einbettung in die prachtvolle Kulisse einer überbordend detailreichen Renaissancearchitektur deutlich moderne italienische Einflüsse. Anders als sein eher an italienische Bildthemen und neuen Techniken orientierter Rivale Burgkmair übernahm Holbein italienische Details und Kompositionsschemen erst spät. Dessen ungeachtet leitete er um 1500 eine der erfolgreichsten Malerwerkstätten Augsburgs und konnte wiederholt lukrative Aufträge auf dem einträglichen Feld religiöser Tafelmalerei akquirieren.
Die Ausstellung „Der ältere Holbein. Augsburg an der Schwelle zur europäischen Kunstmetropole“ läuft bis zum 20. Oktober. Das Schaezlerpalais hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Michael Imhof Verlag erschienen, der im Museum 29,95 Euro kostet.
Schaezlerpalais
Maximilianstraße 46
D-86150 Augsburg
Telefon: +49 (0)821 – 324 41 02 |