Der deutsch-amerikanische Maler Emanuel Leutze in Schwaben  |  | Emanuel Leutze, Friedrich Wilhelm Hütz, 1863 | |
In der Schau „Guten Morgen, Vielliebchen“ präsentieren Museum und Galerie im Prediger derzeit in Schwäbisch Gmünd Freundschaftsbilder von Emanuel Leutze. Der deutsch-amerikanische Künstler der Düsseldorfer Schule, 1816 in Schwäbisch Gmünd geboren, ist vor allem für sein Bild „Washington Crossing the Delaware“ von 1849/50 bekannt, das in einer Version 2022 bei Christie’s in New York 39 Millionen US-Dollar einspielte. Zeigt er sich dort als Unterstützer bürgerlicher und politischer Freiheiten, will die Schau den Fokus auf den Portraitmaler lenken. Unter den Exponaten befinden sich neben etwa 40 Zeichnungen und Gemälden auch Grafiken, Skizzenbücher und historische Fotografien. Ziel der Schau ist es, einen Einblick in Leutzes Wirken als Porträtmaler, angefangen von den schwäbischen Wurzeln über die frühen Lehr- und Wanderjahre in Amerika bis hin zur zentralen Schaffensperiode in Düsseldorf zu gewähren.
Im Zentrum stehen die Bildnisse des 1868 in Washington D.C. mit nur 52 Jahren verstorbenen Historienmalers, die er von seinen Freunden, Bekannten, Malerkollegen und Familienmitgliedern schuf und die ihm sichtlich Freude bereiteten. Das Museum stellt hier auch seine Neuerwerbung vor: Das Porträt des Friedrich Wilhelm Hütz, das 1863 während Leutzes letztem Deutschlandaufenthalt entstand. Der rheinische Geschäftsmann Hütz, der in Südamerika zu Vermögen gekommen war, orderte das Bild laut Inschrift als „Preis für ein Vielliebchen“ in Düsseldorf. Gekleidet in fremdländische Tracht mit Zigarette in der Hand, steht es für den Freundschaftsbund zwischen Maler und Modell.
Emanuel Leutzes hinterließ ein breites Œuvre mit Historiengemälden, Porträts, Genreszenen und Landschaftsdarstellungen. Geboren in Schwaben, emigrierte seine Familie 1825 in die USA und ließ sich in Philadelphia nieder. Dort absolvierte er seine künstlerische Ausbildung und begann seine Laufbahn als Portraitmaler. Mit 25 Jahren kehrte Leutze nach Deutschland zurück, um an der Düsseldorfer Kunstakademie unter Wilhelm von Schadow zu studieren. Leutze verband die Charakteristika der Düsseldorfer Malerschule, den Naturalismus, die streng durchkomponierte Lichtführung und die Detailgenauigkeit, mit seinem Sinn für dramatische Effekte und verhalf damit der Düsseldorfer Historienmalerei zu internationalem Ruhm.
Leutze blieb von 1841 bis 1858 in Düsseldorf und fertigte 1844 unter anderem das Bild „Mutter mit zwei Kindern“. Die Frau mit roten Wangen blickt wie ihr jüngerer Sohn aus dem Gemälde direkt zum Betrachter, während der ältere in Richtung seiner Mutter schaut. Leutze hält die unterschiedliche Materialität gekonnt fest: den leicht schimmernden Stoff des Kleides, den feinen weißen Spitzenkragen, die kostbare Halskette und die in Korkenzieherlocken getürmte Frisur. Das Trio bildet einen Kontrast aus den entspannt sowie natürlich wirkenden Jungen und der aufrecht sitzenden, in kunstvoller Kleidung und Frisur posierenden Mutter.
In Düsseldorf sollte Carl Friedrich Lessing den jungen Künstler zu einer „dem demokratischen Bürgertum verpflichteten Malerei“ anregen, so die Museumsmitteilung. Leutze führte damit nicht nur neue politische Inhalte in sein Schaffen ein, sondern auch innovative kompositorische und koloristische Elemente. Zeitgenossen lobten seine „lebendige Gewandtheit in der Komposition“, das „runde, saftige, lebensfrische Kolorit“ und „eine der Ursprünglichkeit nicht entbehrende kraftvolle Farbengebung“.
Die Ausstellung „Guten Morgen, Vielliebchen. Emanuel Leutzes Freundschaftsbilder“ läuft bis zum 20. Oktober. Das Museum hat täglich außer montags von 14 Uhr bis 17 Uhr, donnerstags bis 19 Uhr und am Wochenende bereits ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 4 Euro; für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos.
Museum und Galerie im Prediger
Johannisplatz 3
D-73525 Schwäbisch Gmünd
Telefon: +49 (0)7171 – 603 41 30 |