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Eine umfangreiche Ausstellung im Wien Museum ergründet die vielen Facetten moderner Kunst am Beispiel der drei großen Secessionen in München, Wien und Berlin

Das Unbequeme im Plural



Gustav Klimt, Pallas Athene, 1898

Gustav Klimt, Pallas Athene, 1898

Ohne Leitfiguren als entscheidende Garanten für nachhaltigen Erfolg kamen auch die Secessionisten nicht aus. Der Münchner Maler Franz von Stuck wählte Pallas Athene, die antike Göttin der Weisheit, der Kunst und des Kampfes, zur Symbolgestalt der Secession und intendierte damit das Bild einer Vorkämpferin der künstlerischen Avantgarde. In einem Bruststück zeigt Stuck sie recht traditionell vor schimmernden Goldgrund, die Figur einer Siegesgöttin in ihrer rechten Hand hochhaltend. Die Göttin aus dem Gemälde der Schweinfurter Sammlung Georg Schäfer konfrontiert die Besucher*innen des Wien Museums aktuell als Doppel. Denn von Stuck inspiriert, interpretierte Gustav Klimt das Sujet ebenfalls 1898 weitaus süffisanter. Mit einem Brustpanzer, auf dem eine Komödienmaske nach antiken Vorbildern eben die Zunge herausstreckt, und der nackten Wahrheit in der rechten Hand kommt bei seiner Pallas Athene eher ein kritisches Potential zum Tragen. Ein wenig abseits von den Münchner und Wiener Programmbildern steht Berlin. Max Liebermanns Gemälde vom Landhaus in Hilversum erstrahlt voller Ruhe in hellem Kolorit des Impressionismus. Zu Beginn der Ausstellung im Wien Museum verweisen die Gemälde auf lokale Besonderheiten sowie die enge Assoziation der Secessionen mit ihren führenden Galionsfiguren Franz von Stuck, Gustav Klimt und Max Liebermann.


Während die erste Station der Schau in der Alten Nationalgalerie in Berlin stark Gustav Klimt herausstellte und mit über 230.000 Gästen eine der am besten besuchten Schauen war, konzentriert sich Wien mehr auf Inhalte. Gemeinsames und Trennendes, vielfältige Verbindungen untereinander sowie zur internationalen Kunstszene sind hier die beherrschenden Aspekte bei der Gegenüberstellung der drei führenden Abspaltungsbewegungen in der Kunst des deutschsprachigen Raumes. „Die Wiener halten ‚Ihre‘ Secession für die einzige, die wichtigste, die aber nicht existieren würde, hätte es die fünf Jahre zuvor gegründete Münchener Secession nicht gegeben“, meint die Kuratorin Ursula Storch vom Wien Museum, die zusammen mit Ralph Gleis von der Alten Nationalgalerie die Schau mit 140 Gemälden, Skulpturen und Grafiken von etwa 80 Künstlern arrangierte. Dabei fanden weitere secessionistische Bewegungen wie etwa die Darmstädter Mathildenhöhe keine Berücksichtigung.

Zum Einstieg stehen Individualitäten im Fokus. In der 1892 gegründeten Münchener Secession wurde für das Erscheinungsbild und das Auftreten der symbolistische Stil Franz von Stucks bestimmend. Ferner kennzeichnen sie Magazine wie „Simplicissimus“ oder „Die Jugend“. In der 1897 gegründeten Wiener Secession dominierte eine geometrische ornamentale Stilisierung mit dem Hang zum Gesamtkunstwerk unter eingehender Verknüpfung von Kunsthandwerk und Architektur. Trotz seines Austritts im Jahr 1905 blieb Gustav Klimts Name auf engste mit der Strömung verbunden. Als sich im Jahr 1899 in Berlin die Secession etablierte, konnten bereits von Anfang an auch Künstlerinnen Mitglied sein. Der international renommierte Maler Max Liebermann war bis 1911 Präsident und prägte die Berliner Künstlerschaft mit seiner impressionistischen Malerei. Zugleich wurde an allen drei Orten Individualität groß geschrieben.

Die unabhängig organisierten Ausstellungen in eigenen Gebäuden zeichneten sich durch Qualität, Erneuerung der künstlerischen Entwicklung und eine ausgeprägt distanzierte Eigenständigkeit aus. Anders als in den überladenen Akademieschauen vor historistischem Pomp waren die Secessionsformate übersichtlich reduziert und vor neutraler Kulisse initiiert. Plakate und Drucksachen verdeutlichen die Rolle der Markenbildung und medialen Präsenz. Franz von Stucks abstrahierter Profilkopf der Pallas Athene zierte in oktogonaler Rahmung alle Drucksachen der Münchener Secession. Dieses Leitmotiv griff auch Gustav Klimt auf, während die Berliner Secession nicht so kämpferisch auftrat. Das Berliner Plakat von Thomas Theodor Heine schlägt einen ironisch-heiteren Ton ein, indem es einen das konservative Publikum repräsentierenden Bären zeigt, den eine junge Malerin und Muse küsst. Arbeiten von Künstler*innen aus Skandinavien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien und England belegen den internationalen Austausch und eine forcierte Einladungspolitik. Ferdinand Hodler beispielsweise wurde von allen drei Secessionen ausgestellt und verdankt seine Berühmtheit den Künstlergemeinschaften ebenso wie etwa Edvard Munch, dessen Bildnis von Harry Graf Kessler aus Berlin nach Wien verliehen wurde. Aber auch Giovanni Segantini, Auguste Rodin, Constantin Meunier oder George Minne sind in diesem Abschnitt präsent.

Das Dutzend thematischer Kapitel setzt sich dann fort mit gegenständlich gruppierten Werken und macht deutlich, wie sich in den Inhalten einiges verschiebt und die Modernität abseits von Schlachten- oder Historienbildern durchbricht. Frühlingshafte Motive wollen das Streben nach Aufbruch und Erneuerung symbolisieren. Kompositionen Ludwig von Hofmanns, Ferdinand Schmutzers oder Georg Kolbes zeigen junge Frauen und Mädchen in fließenden Bewegungen beim Tanz in der Landschaft als Verweis auf moderne Ausdruckstänze und erotische Sehnsüchte. Als Start in eine neue Epoche diente vielen Malern zudem die Illustration der Kindheit, etwa Max Slevogts Porträt der Tochter des Berliner Kunsthändlers Paul Cassirer, die abgeschottet von Leporellos beinahe aus einer anderen Welt aufblickt. Der Rückzugsraum des bürgerlichen privaten Umfeldes gewinnt Bedeutung und gestattet Einblicke ins Privatleben. Im Gegensatz zum bislang ausufernden Pomp des Historismus haben Carl Molls Gemälde farblich fein abgestufte Interieurs zum Inhalt, schlicht, aufgeräumt und wie ein Gesamtkunstwerk durchgestaltet. Formschöne Möbel und Alltagsgegenstände der 1903 von Josef Hoffmann und Koloman Moser gegründeten Wiener Werkstätte ergänzen kongenial diese Gemälde.

Unterschiedliche Ausdrucksformen prägen das moderne Porträt von Persönlichkeiten des eleganten Bürgertums in feiner Garderobe und Akteuren im Stadtleben. Ernestina Orlandini war der Münchener wie auch der Berliner Secession verbunden und vereint in einem Damenbildnis Einflüsse britischer und belgischer Malerei. Im Kontrast zum mondänen Treiben stehen Verstädterung mit Hinterhöfen, Industrialisierung mit harten Arbeitsbedingungen und soziale Missstände. Auch dies avancierte zum Thema. Hans Baluschek konnte auf der Berliner Secessionsausstellung von 1906 sein Gemälde „Mittag“ präsentieren, auf dem Frauen mit Essensrationen für ihre Männer zum Fabriktor eilen. In geschönten leuchtenden Farben gibt Carl Moll Einblicke in eine Kaffeemittelfabrik, während Gotthardt Kuehl allzu prächtige Typen im Altmännerhaus des Lübecker Heilig-Geist-Hospitals porträtiert.

Die Auseinandersetzung mit der französischen Freilichtmalerei offenbart sich in leuchtenden Farben und einem gesteigerten Interesse für Oberflächen im Sonnenlicht, was sich in spontanen Blicken in die Natur mit entsprechend rascher Malweise niederschlägt. Fern bislang üblicher historischer Erzählungen bot gerade die Landschaftsmalerei große malerische Freiheiten. Max Liebermann erhöhte in seinem Gemälde mit hell erstrahlenden „Badenden Knaben“ das lebendig Spontane durch einen harschen Bildausschnitt ohne Rücksicht auf die Figuren. In Walter Leistikows großformatigen Gemälde „Grunewaldsee“ firmiert das Gewässer zum Seelenspiegel. Der berühmte Berliner Tierplastiker August Gaul bereichert die Schau mit römischen Ziegen.

Am Schluss stehen Porträts führender Künstler der Secessionen. Sie bestanden aus jeweils rund 100 ordentlichen und ebenso vielen korrespondierenden Mitgliedern, die heute wie Ferdinand Andri, Otto Heinrich Engel, Oscar Frenzel, Emilie von Hallavanya, Elena Luksch-Makowsky, Teresa Feodorowna Ries, Othmar Schimkowitz oder Max Uth kaum mehr bekannt sind. Dazu gesellen sich noch ausstellende Künstler*innen, die kein Mitglied waren. Auch hier spiegeln sich viele künstlerische und stilistische Varianten, die die Schaffensbreite der Seccionisten deutlich machen. Aber schon bald nach 1900 kam es in den Bewegungen wiederum zu Abspaltungen und neuen Zusammenschlüssen. Andere Auffassungen sowie das Nachdrängen jüngerer Künstler*innen mit abweichenden Vorstellungen waren Triebfeder und Aufbruch zu neuen Ufern. Somit stehen die Secessionen für eine fortwährende Erneuerung der Kunst.

Die Ausstellung „Secessionen. Klimt, Stuck, Liebermann“ ist bis zum 13. Oktober im zu besichtigen. Das Wien Museum hat täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr, samstags und sonntags ab 10 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 12 Euro, ermäßigt 10 Euro. Für Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren und für allen an jedem ersten Sonntag im Monat ist er kostenlos. Zur Ausstellung ist ein Katalog im Hirmer Verlag erschienen, der im Museumsshop 45 Euro kostet.

Kontakt:

Wien Museum Karlsplatz

Karlsplatz

AT-1040 Wien

Telefon:+43 (01) 505 87 470

Telefax:+43 (01) 505 87 47 7201

E-Mail: office@wienmuseum.at

Startseite: www.wienmuseum.at



27.06.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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23.05.2024, Secessionen - Klimt, Stuck, Liebermann

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Max Liebermann, Bildnis Dr. Wilhelm Bode, 1904

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Max Liebermann, Landhaus in Hilversum, 1901

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Carl Moll, Salon im Haus von Carl Moll auf der Hohen Warte, 1903

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Franz von Stuck, Die Sünde, um 1912

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Ludwig von Hofmann, Frühlingsreigen, 1909

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Georg Kolbe, Die Goldene Insel, 1898

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Ernestina Orlandini, Dame in Weiß, 1898

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Hans Baluschek, Mittag, 1894

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Gotthardt Kuehl, Altmännerhaus in Lübeck, 1895

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Constantin Meunier, Der verlorene Sohn, 1892/95

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Dora Hitz, Kirschenernte, vor 1905

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Thomas Theodor Heine, Plakat für die 3. Ausstellung der Berliner Secession, 1901

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