Lentos Freunde Kunstpreis vergeben Vier junge Künstler*innen der Kunstuniversität Linz haben den Lentos Freunde Kunstpreis 2024 erhalten. Aus 63 Einreichungen wählte die Jury Afsaneh Mahmoudsalehi, Malina Mertlitsch, Walentina Ammann und Christian Azzouni aus. Die 1988 im Iran geborene Mahmoudsalehi hat mit ihrer Installation „Narratives“ den ersten und mit 3.000 Euro dotierten Preis gewonnen. Ihre Arbeit geht auf die ersten Tage nach ihrer Einwanderung zurück, in denen Mahmoudsalehi Stadtpläne nutzte, um sich zu orientieren. Allmählich begann sie, ihre Stimme in verschiedenen Umgebungen zu erforschen und aufzunehmen und eine persönliche Landkarte für sich zu erstellen. Bei diesen Erkundungen versuchte die Künstlerin, ihre Präsenz in der Umgebung und in einer Stadt, an die sie keine persönlichen oder kollektiven Erinnerungen hatte, neu zu definieren.
Malina Mertlitsch, geboren 1993 in Klagenfurt, darf sich über den zweiten, mit 2.000 Euro dotierten Platz aus dem Siegertreppchen für ihre Arbeit „Trans-Exit“ freuen. Ihre filmisch dokumentierte Performance nimmt eine Gegenposition zur Migrationspolitik an Europas Außengrenzen ein: In einem maßgeschneiderten Rucksack können Menschen unabhängig von Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht, sexueller Orientierung oder gesellschaftlichem Status von einem*r Rucksackträger*in mitgenommen werden. Dadurch entsteht eine neue solidarische Form des Tragens und Getragenwerdens, die laut Jury zu einer kraftvollen Metapher für die gegenseitige Achtung und Würdigung des Gegenübers wird.
Walentina Ammann aus Wien, Jahrgang 2001, wurde für ihre Arbeit „Trace (traisse)“ mit dem dritten Preis und 1.000 Euro ausgezeichnet. Ihre Serie fortlaufender Installationen im öffentlichen Raum und die daraus resultierender Fotodokumentation geben eine Antwort auf persönliche Gewalterfahrung und sollen dabei unterstützen, einen Schmerz, der einem meist im privaten Raum zugefügt wird, in der Öffentlichkeit anzusprechen und dadurch ein Stück weit zu entmachten.
Der von der Stadt Linz gestiftete Sonderpreis in Höhe von 2.000 Euro ging an den ebenfalls aus Wien stammenden Christian Azzouni. In seiner Arbeit „Reflecting Racism“ kombiniert der 1995 geborene Künstler personenbezogene Tierbezeichnungen mit rassistischen Konnotationen zu hybriden Tierwesen, nutzt dabei Symbole wie den „Schuh der Weißen“ und hinterfragt den Verbleib der Würde der People of Color in einer von Weißen dominierten Gesellschaft. Dabei macht Azzouni mit chemischen Prozessen auf lichtempfindlichem Farbnegativpapier unsichtbare strukturelle Probleme transparent.
Der Kunstpreis des Vereins Lentos Freunde wurde in Kooperation mit der Kunstuniversität Linz bereits zum fünften Mal an Studierende der Universität vergeben. Er stand in diesem Jahr unter dem Motto „Dignity“. Dazu reichten die Student*innen einen vielseitigen Mix aus Malerei, Skulptur, textilen, keramischen und digitalen Arbeiten ein. Der Jury gehörten Hemma Schmutz, Direktorin des Lentos Kunstmuseums Linz, Anna Jermolaewa, Professorin für Experimentelle Gestaltung an der Kunstuniversität Linz, Gerhard Mursch-Edlmayr vom Verein Freunde Lentos Kunstmuseum und die Künstlerin Elisabeth Plank an. Finanziert wurden die Preise von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, dem Fenster- und Türenhersteller Internorm sowie dem Linzer Unternehmer und Sammler Erwin Hauser. |