Galeristin Barbara Gladstone gestorben Barbara Gladstone ist tot. Die US-amerikanische Galeristin starb am Sonntag nach kurzer Erkrankung in Paris. Sie wurde 89 Jahre alt. Das teilte ihre New Yorker Galerie mit. Gladstone, 1934 geboren, war seit den 1980er Jahren eine der einflussreichsten Galeristinnen für zeitgenössische Kunst. Sie unterhielt mehrere Räume in New York, später kamen Dependancen in Los Angeles, Brüssel und Seoul hinzu. Zum Kunsthandel kam Gladstone eher spät und zufällig: bis 1980 unterrichtete sie Kunstgeschichte an der Hofstra University auf Long Island und sammelte Druckgrafiken, von denen sie sich peu à peu wieder trennte, womit ihre berufliche Karriere als Galeristin begann.
Zunächst eröffnete Barbara Gladstone eine kleine Galerie an der 57th Street in Manhattan. Von dort aus expandierte sie stetig, ging zuerst nach SoHo und etablierte mit einigen Mitstreiten den New Yorker Stadtteil Chelsea als angesagtes Kunstquartier. Die Gladstone Gallery vertritt aktuell mehr als 70 Künstler*innen und Nachlässe, darunter bekannte Namen wie Kai Althoff, Alighiero Boetti, Ian Cheng, Carroll Dunham, Keith Haring, Birgit Jürgenssen, Robert Mapplethorpe, Shirin Neshat, Richard Prince, Rosemarie Trockel und Carrie Mae Weems. Als die Galerie 2020 den Kunsthändler Gavin Brown als Partner aufnahm, erweiterte sich das Namensregister um Künstler*innen wie LaToya Ruby Frazier, Arthur Jafa, Jannis Kounellis und Joan Jonas.
Neben Gavin Brown sind heute Max Falkenstein, Caroline Luce und Paula Tsai weitere Partner der Galerie. In einer gemeinsamen Stellungname schreiben die vier: „Obwohl viele von uns davon ausgingen, dass Barbara ewig leben würde, so hat sie diesen Tag vorbereitet und ihren Plan für den Führungswechsel 2016 in Wege geleitet, als Max Miteigentümer der Galerie wurde. Barbaras vier Partner werden ihre Rollen in der Galerieleitung mit Max als Vorsitzendem, mit Gavin als Leiter der Künstlerbeziehungen und -entwicklungen, mit Caroline als Chefin der Galerieprojekte und des Personals und mit Paula als Direktorin für Asien und der Galeriekommunikation fortsetzen.“
Barbara Gladstone verstand sich vor allem als Vorkämpfer für die Künstler, die sie vertrat. Neben gefragten Malern und Bildhauern, etwa Alex Katz, Anish Kapoor, Wangechi Mutu und Amy Sillman, vertrat sie auch Kunstschaffende mit technisch oder inhaltlich herausfordernden Werken, darunter Thomas Hirschhorn, Philippe Parreno oder Anicka Yi. 1980 nahm Barbara Gladstone die junge Konzeptkünstlerin Jenny Holzer unter ihre Fittische, 1991 kuratierte sie die erste New Yorker Einzelschau von Matthew Barney und produzierte in der Folge einige seiner aufwendigen Filme, darunter vier Streifen aus „The Cremaster Cycle“. 2008 gründete Gladstone den „Stuart Regen Visionaries Fund“ am New Museum of Contemporary Art in New York in Erinnerung an ihren verstorbenen Sohn, womit sie kulturelle Projekte förderte.
Im März dieses Jahr sprach Gladstone bei einem Interview mit der Journalistin Charlotte Burns im Podcast „The Art World: What If…?!“ darüber, wie sich der Kunsthandel seit 1980 verändert hat. Sie bezeichnete sich dabei als „sehr traditionell“. Soziale Medien und das Internet wie auch die technischen Neuerungen veränderten diese Geschäftswelt. „Ich dachte immer an eine Person, die die Galerie betritt, sich etwas ansieht und entweder davon angesprochen wird oder auch nicht. Und es war mein Job, das Werk so gut vorzustellen, wie ich konnte. Und es ist diese Eins-zu-Eins-Beziehung, die sehr essentiell und wichtig war. Doch das ist etwas, das nun immer weniger existiert.“ |