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Marktberichte |
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Die Vorgaben sind hoch. Darum ist ein Stilllebenpaar des Klassizisten Johannes Christianus Roedig bei den Alten und Neueren Meister von Lempertz mit einem hohen sechsstelligen Betrag bewertet. Ob er sich realisieren lässt?  Vorsicht, Katze!

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 |  | Johannes Christianus Roedig, Blumenstillleben mit Steinskulptur, Katze und Maus – Früchtestillleben mit Tonvase, 1779 | |
Die kleine Maus scheint die Gefahr nicht zu bemerken: Seelenruhig sitzt sie da, während sich von hinten eine im Verhältnis zu ihr riesenhafte Katze um die große Blumenvase herum anschleicht. Auch als Betrachter nimmt man das Raubtier beinahe erst auf den zweiten Blick wahr, so geblendet ist man von der Pracht des Blumenstraußes, den Johannes Christianus Roedig auf seinem 1779 datierten Gemälde in Szene gesetzt hat. Als Pendant schuf der in Den Haag tätige Maler gleichzeitig ein weiteres Stillleben ähnlicher Opulenz, diesmal mit einem überbordenden Bouquet aus Früchten. Das Bildpaar bildet einen der Höhepunkte der kommenden Auktion Alter und Neuerer Meister bei Lempertz in Köln. Aus einer niederländischen Privatsammlung eingeliefert, die es 2009 für brutto annähernd 1,2 Millionen Pfund bei Bonhams in London erworben hatte, sollen die beiden Holztafeln jetzt immer noch anspruchsvolle 800.000 bis 900.000 Euro einspielen. In der Regel kosten Gemälde Roedigs untere bis mittlere fünfstellige Werte.
Alte Meister
Den Schwerpunkt der Versteigerung am 16. Mai bilden die Werke des 15. bis 18. Jahrhunderts. Insbesondere aus dem Goldenen Zeitalter der niederländischen Barockmalerei finden sich die am höchsten angesetzten Lose. Dazu gehören eine winterliche Dorflandschaft Pieter Breughels d.J. mit weitgehend gemütlichen Bauersleuten aus dem Jahr 1620 für 250.000 bis 300.000 Euro oder Jacob Jordaens’ frauenaktfreudige und daher sehr fleischlastige Verbildlichung der antik-mythologischen Szene „Diana und Callisto“ wohl aus den 1670er Jahren (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Auf 150.000 bis 200.000 Euro ist Meindert Hobbemas bewaldete Flusslandschaft unter einer Gewitterstimmung mit Wanderern auf einem Weg aus dem Jahr 1659 taxiert. Mit seinem starken Hell-Dunkel-Kontrast sehr an Rembrandt erinnert Jan Lievens’ Selbstportrait aus dem Jahr 1628. Tatsächlich waren die beiden fast gleichaltrigen Künstler eng befreundet, teilten sich ein Atelier und standen sich auch stilistisch nahe (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR).
Zu den ältesten Stücken zählt eine Madonnendarstellung des sogenannten Meisters der Magdalenen-Legende, der um 1500 in Brüssel tätig war. Vor goldrotem Stoffhintergrund ist die junge Gottesmutter mit dem in ihren Armen liegenden Kind samt roter Rose wiedergegeben (Taxe 80.000 bis 90.000 EUR). Aus der Wittenberger Werkstatt Lucas Cranachs d.Ä. ging ein von Geißelung und Dornenkrönung sichtlich gezeichneter Christus hervor, der seine Folterinstrumente sogar in der Hand hält (Taxe 150.000 bis 160.000 EUR). Außerdem gibt es von Werkstattmitarbeitern des berühmten Renaissancemalers für 40.000 bis 45.000 Euro eines der zahlreichen Portraits Martin Luthers. Italien ist unter anderem mit zwei Darstellungen der büßenden Maria Magdalena von Bartolomeo Mendozzi in lagernder Haltung für 60.000 bis 80.000 Euro und von Elisabetta Sirani in aufrechter Position für 40.000 bis 60.000 Euro vertreten.
Dem Flamen Jean le Saive wird das miniaturhafte Bildnis Alessandro Farneses zugeschrieben, der von 1578 bis 1592 Statthalter der habsburgischen Niederlande war und 1588 bei Dünkirchen vergeblich darauf wartete, von der wenig später großteils im Atlantik versunkenen spanischen Armada zwecks Eroberung Englands aufgenommen zu werden. Der reiche Barockrahmen des Portraits, das bis vor wenigen Jahren im Familienbesitz der Savoyen war, stammt aus dem 18. Jahrhundert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Das Los des niederländischen Volks unter der spanischen Besatzung thematisierte David Vinckboons d.Ä. auf seiner kleinen Holztafel „Des Bauern Leid“ mit einer Wirtshausszene, in der sich Soldaten recht ungehörig aufführen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).
Politisch etwas weniger brisant ist ein Stillleben mit dem von vier Putten gehaltenen Bild der Madonna, bei dem Daniel Seghers die Blumen und Cornelis Schut I. die Figuren malte (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Auch Abraham van Beyeren spezialisierte sich auf Stillleben und trägt ein solches in erdigen Farben mit Trauben, Zitronen, Brot, Römer und vergoldetem Pokal auf einer Tafel bei (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Der etwas jüngere Cornelis de Heem liebte prächtigere Farben, wie ein opulentes Arrangement mit Pfirsichen, Weintrauben, Kirschen, Nüssen, Granatapfel, aufgeschnittener Melone und Sonnenblume zeigt (Taxe 160.000 bis 170.000 EUR). Ähnlich wie Roedig ist Jan van Os ein später Nachfahre dieser Bildtradition. Von ihm gibt es ein üppiges Blumen- und Früchtestillleben ebenfalls mit Katze, aber ohne Maus (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR).
Skulpturen und Neuere Meister
Unter den Skulpturen ragen mit einem um 1200 in Norddeutschland in Bronze gegossenen Löwen als Aquamanile (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR) und einer kleinen französischen Elfenbeinmadonna aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts zwei mittelalterliche Stücke hervor (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Eine der zahlreichen von den Gebrüdern Micheli in Berlin nach einer Vorlage Christian Daniel Rauchs angefertigten Büsten Johann Wolfgang von Goethes, die noch heute unsere Vorstellung von dem Dichterfürsten prägen, soll 20.000 bis 25.000 Euro kosten. Das Angebot Neuerer Meister bewegt sich hinsichtlich der Schätzpreise maximal im fünfstelligen Bereich. Mit an der Spitze stehen zwei stimmungsvolle Italienansichten Jakob Philipp Hackerts, die eine 1772 datierte entführt zu Fischern mit ihrem Boot an einen nicht lokalisierbaren Fantasiestrand (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), die andere blickt vom Ponte Milvio am Tiber auf den römischen Petersdom in der Ferne (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR).
Auch der Österreicher Josef Rebell ließ sich von Italien in den Bann schlagen und bannte 1820 die Bucht von Neapel mit dem malerisch über dem Wasser gelegenen, da unvollendet immer ruinös wirkenden Barock-Palazzo Donn’Anna auf die Leinwand (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Der 1814 in Würzburg geborene Fritz Bamberger wurde vor allem für Landschaften aus Spanien berühmt, schickt aber diesmal eine englische Küstenansicht zwischen Hastings und Brighton von 1861 ins Rennen (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Ein repräsentatives Bildnis des Philosophen Friedrich Wilhelm von Schelling von dem in München tätigen Josef Karl Stieler befand sich bis zuletzt im Besitz der Nachfahren des Dargestellten (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Dem noch nicht charakteristischen Frühwerk Carl Spitzwegs ist eine weite Berglandschaft von 1834 zuzurechnen, in deren Vordergrund sich ein junges Fischerpaar gerade dem ersten Kuss anzunähern scheint (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR).
Für das nichtdeutschsprachige Ausland steht unter anderem Gustave Courbets studienhafte Waldlandschaft mit Felsen. Das mit seinem dichten und fast düsteren Farbauftrag für den Franzosen typische Bild ist wohl Frucht eines Deutschland-Aufenthalts im Jahr 1858 (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Ansonsten offeriert Lempertz nicht zuletzt Gemälde russischer Künstler, darunter Iwan Schischkins naturalistischen Ausschnitt „Waldinneres“ (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), eine junge schlichte Bäuerin mit Apfelkorb von Vladimir Egorovic Makovskij aus dem Jahr 1872 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und das fast ein bisschen orientalisch anmutende Bildnis einer jungen Frau mit traurigen Augen seines wenige Jahre älteren Bruders Konstantin Egorovich Makovskij (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Zwei lächelnde Mädchen in einer Winterlandschaft von Fedot Vasilevich Sychkov beschwören den Schein harmloser Idylle im Landleben herauf (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR).
Die Auktion beginnt am 16. Mai um 11 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 15. Mai täglich von 10 bis 17:30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr, sonntags von 11 bis 16 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.lempertz.com abrufbar. |  | Kontakt: Kunsthaus Lempertz Neumarkt 3 DE-50667 Köln |
 | Telefon:+49 (0221) 92 57 290 | Telefax:+49 (0221) 92 57 296 |  |  | E-Mail: info@lempertz.com |
12.05.2024 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 Carl Spitzweg, Das
Fischerpaar am
Hintersee bei
Berchtesgaden, 1834 |  | Taxe: 60.000 - 70.000 EURO Losnummer: 1109 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Lucas Cranach d.Ä.
und Werkstatt,
Christus als
Schmerzensmann, um
1537/40 |  | Taxe: 150.000 - 160.000 EURO Zuschlag: 150.000,- EURO Losnummer: 1007 |  |  |  |  |  | 
 Fritz Bamberger,
Englische Küste
zwischen Hastings
und Brighton, 1861 |  | Taxe: 14.000 - 16.000 EURO Losnummer: 1115 |  |  |  |  |  | 
 Vladimir Egorovic
Makovskij, Junge
Bäuerin mit einem
Apfelkorb, 1872 |  | Taxe: 25.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 120.000,- EURO Losnummer: 1119 |  |  |  |  |  | 
 Abraham van Beyeren,
Stillleben mit
Trauben, Zitronen,
Brot, einem Römer und
einem vergoldeten
Pokal auf einer Tafel |  | Taxe: 50.000 - 70.000 EURO Zuschlag: 50.000,- EURO Losnummer: 1044 |  |  |  |  |  | 
 Frankreich
Frankreich,
Thronende Madonna
mit Kind,
Frankreich, 2.
Hälfte 14.
Jahrhundert |  | Taxe: 40.000 - 50.000 EURO Zuschlag: 36.000,- EURO Losnummer: 1076 |  |  |  |  |  | 
 Frans Snyders, Frans
Snyders Werkstatt,
Der Fischmarkt |  | Taxe: 20.000 - 30.000 EURO Zuschlag: 215.000,- EURO Losnummer: 1221 |  |  |  |  |  | 
 Jan Lievens,
Selbstbildnis im
Spiegel |  | Taxe: 120.000 - 150.000 EURO Zuschlag: 100.000,- EURO Losnummer: 1029 |  |  |  |  |  | 
 Cornelis Schut I,
Daniel Seghers und
Das Bild der Maria mit
Kind, getragen von
Engeln und
geschmückt mit
Blumengirlanden |  | Taxe: 50.000 - 60.000 EURO Losnummer: 1034 |  |  |  |  |  | 
 Elisabetta Sirani,
Die büßende
Magdalena |  | Taxe: 40.000 - 60.000 EURO Zuschlag: 35.000,- EURO Losnummer: 1031 |  |  |  |  |  | 
 Lucas Cranach d.Ä.,
Lucas Cranach d.Ä.
und Werkstatt,
Porträt Martin
Luther, 1532 |  | Taxe: 40.000 - 45.000 EURO Zuschlag: 48.000,- EURO Losnummer: 1108 |  |  |  |  |  | 
 Bartolomeo
Mendozzi, Maria
Magdalena |  | Taxe: 60.000 - 80.000 EURO Losnummer: 1030 |  |  |
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