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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Angriffe auf Politiker und Repräsentanten des Staates – nichts Neues. Darauf verweist eine Zeichnung Adolph von Menzels, die jetzt in der Berlin-Auktion von Lempertz für Furore sorgte

Das Attentat auf den Kaiser



Adolph von Menzel,  Portraitstudie eines Marokkaners, 1878

Adolph von Menzel, Portraitstudie eines Marokkaners, 1878

Als Adolph von Menzel am 2. Juni 1878 in seinem Atelier Unter den Linden einige Teilnehmer der ersten marokkanischen Gesandtschaft in Deutschland portraitierte, geschah auf den Straßen das, was auch heute die Politiker erdulden müssen: Unweit seines Studios verübte Karl Eduard Nobiling einen Anschlag auf Wilhelm I. Der Kaiser fuhr in offener Kutsche Unter den Linden, als Nobiling mit einer Doppelladung Schrot schoss und ihn arg an Kopf, Arm und Rücken verwundete. Doch auch dieses dritte Attentat überlebte der 81jährige Wilhelm I., wenn auch schwer verletzt. Menzel zeichnete mit Bleistift gerade einen Marokkaner als frontale Dreiviertelfigur in traditioneller Gewandung und nochmals als Kopf im Profil, als ihm die Nachricht vom Attentat überbracht wurde, und notierte spontan auf dem Blatt: „am Tage des zweiten Attentats auf d. Kaiser. Bei Beendigung dieses kam Major v. Rosenberg mit der Nachricht ins Zimmer gestürzt“. Oben rechts fügte Menzel zudem skizzenhaft das Portrait des Kaisers hinzu. Dieses bislang unbekannte Studienblatt von historischer Tragweite entpuppte sich gegen Ende der Berlin-Auktion von Lempertz als Renner: Begleitet vom Applaus schnellte es von 6.000 Euro auf 160.000 Euro und geht nun an einen französischen Privatsammler.


Etwas zäh startete die Versteigerung am 20. April mit einer Glas-Kollektion aus einer schwedischen Sammlung, ergänzt um Material aus anderem Besitz, die sich nur zu 38,6 Prozent absetzte. Das höchste Ergebnis verzeichnete hier ein thüringischer Pokal mit dem Wappen des Reichsgrafen und späteren Bamberger und Würzburger Fürstbischofs Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim um 1730/40 mit einer Verdoppelung auf 2.000 Euro. Doch schon im nächsten der dann chronologisch gereihten Auktionskapitel steigerte sich die Abnahmequote, so dass Lempertz am Ende auf eine gute losbezogene Zuschlagsrate von knapp 62 Prozent kam und ein Bruttoergebnis von 1,15 Millionen Euro einfuhr. Keinen kleinen Anteil daran hatte eine Malerin: Barbara Rosina Lisiewska trat mit ihrer fein gemalten „Allegorie des Hörsinns“ auf, die zugleich einen Einblick in die höhere Berliner Gesellschaft in der Mitte des 18. Jahrhunderts gibt. Denn bei der charmanten Lautenspielerin dürfte es sich um die Ballerina Barbara Campanini handeln, die „fliegende Göttin“ und gefeierten Star auf den Bühnen Europas. 2013 bei Sotheby’s in London schon einmal für 52.000 Pfund netto zugeschlagen, damals rund 62.000 Euro, musste nun ein norddeutscher Kunsthändler den Lisiewska-Rekord von 100.000 Euro aufbringen, um das Rokoko-Gemälde sein Eigen zu nennen (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR).

Ansonsten zeigte sich die Abteilung „Von Kronprinz Friedrich Wilhelm bis König Friedrich II.“ eher moderat. Für zwei Münzbecher der Berliner Silberschmiede von Johann Gottfried Hildebrand und Christian Heinrich Töpel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es taxgerechte 5.000 Euro respektive 6.000 Euro, für einen Speiseteller aus dem „Japanischen Tafelservice“, das Johann Joachim Kändler in der Meißner Porzellanmanufaktur um 1772/63 nach Ideen König Friedrichs II. gestaltete, ebenfalls die untere Schätzung von 8.000 Euro, und für einen Tischspiegel aus einer friderizianischen Toilettegarnitur, der um 1768 bei KPM in verspielten Rokokoformen mit bekrönender Frauenbüste in einem C-Schwung produziert wurde und wohl auf den Modelleur Friedrich Elias Meyer zurückgeht, stoppten die Gebote schon bei 14.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Überraschenderweise blieb die Nachfrage für die sonst beliebte Portraitkunst weitgehend aus, etwa für ein Bildnis des Alten Fritz’ als Regent auf dem Kriegsfeld aus dem Umkreis von Heinrich Franke (Taxe 30.000 bis 32.000 EUR) oder die Pendants mit seinem noch jugendlichen Neffen und Nachfolger Friedrich Wilhelm II. als Halbfiguren im Oval aus der Hand Friedrich Reclams (Taxe 28.000 bis 32.000 EUR). Auch Nicolas Lancrets „Allegorie des Feuers“ als Fête champêtre beim Tanz um ein Lagerfeuer musste mit zu hoch angesetzten 60.000 bis 70.000 Euro wieder die Heimreise antreten.

Spitzenstück im Kapitel „König Friedrich Wilhelm II.“ war das Paar dreiflammiger Tischleuchter aus vergoldeter Bronze mit gedrehtem Rohr und dichtem Behang an Glasprismen, das der Berliner Firma Werner & Mieth um 1800/15 zugerechnet wird und 13.000 Euro einbrachte (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Mehr Bieteifer löste eine Darstellung der drei Parzen beim Spinnen des Lebensfadens aus, während Atropos mit der Schere noch schläft. Für das wohl in Potsdam am Ende des 18. Jahrhunderts geschaffene Alabasterrelief auf hellbraun gemasertem Marmorfond kamen 8.500 Euro zusammen (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Auch zwei vergoldete Bronzeleuchter des Empire mit plastischer Isis-Figur als Schaft im Stil des in St. Petersburg tätigen Friedrich Bergenfeldt blieben bei 4.200 Euro nicht unentdeckt (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Meist leichtes Spiel hatten dann die über hundert Eisengusswaren, die zu Zweidritteln übernommen wurden. Den höchsten Zuschlag verzeichnete der Warwick-Krater aus der Königlich Preußischen Eisengießerei nach einem Entwurf Wilhelm August Stilarskys bei 10.000 Euro an der unteren Schätzgrenze, gefolgt von einem Paar Potpourri-Vasen um 1825/30 mit mythologischen Reliefdarstellungen bei 8.500 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR).

„Von König Friedrich Wilhelm III. bis zur Kaiserzeit“ war die nächste Abteilung überschrieben, in der zunächst das Porzellan dominierte. Ein Tête à tête um 1794 mit auberginefarbener Lüsterglasur, radierten Vergoldungen und dem Monogramm ISM weist in die Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg und soll der Überlieferung zufolge ein Geschenk der Zarin Katharina II. zur Geburt der Prinzessin Ida von Sachsen-Meiningen gewesen sein. Hier verdoppelte sich der Wert auf 20.000 Euro. Gut schnitten auch die KPM-Waren ab, etwa eine Tasse in Vasenform samt Untertasse mit der Bemalung eines Amors hinter Gittern für 6.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder der seltene ovale Korb für Wassermelonen aus einem Dessertaufsatz für König Friedrich Wilhelm III. um 1813 für 10.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Den selben Wert erzielte ein rund zehn Jahre jüngerer, gleichfalls durchbrochen gearbeiteter Fruchtkorb mit Fuß nach einem Modell von Karl Friedrich Schinkel in königlich-preußischem Auftrag (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Schinkel entwarf in dieser Zeit auch eine Kratervase mit einer üppig blühenden Rosengirlande auf goldenem Fond, die mit 20.000 Euro alle anderen KPM-Porzellane hinter sich ließ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Malerisch wurde es beim Porzellan mit Ansichten mehrerer königlich-preußischer Bauwerke. Das zwischen 1737 und 1739 errichtete Palais an der Wilhelmstraße, das Prinz Albrecht 1830 nach Plänen Schinkels spätklassizistisch umgestalten ließ, spielte 8.000 Euro ein (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR), das kleine Porzellangemälde mit der Vedute von Schloss Schönhausen 4.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), und die Ansicht der Kirche St. Peter und Paul auf Nikolskoe, die von russisch-orthodoxen Kirchengebäuden inspiriert ist, aber auch einer typisch protestantischen Struktur folgt, konnte 8.500 Euro generieren (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Beim Silber sicherte sich ein Museum für 4.600 Euro eine Kredenz mit Palmettendekor, die der Berliner Meister Johann George Wilhelm Peters um 1840 wohl für Ludwig von der Asseburg schuf (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Eine Statuette Alexander von Humboldts, die der Christian Daniel Rauch-Schüler Ludwig Drake 1857 als vergoldeten Zinkguss schuf, schnellte von 3.000 Euro auf 10.000 Euro, während der ebenfalls forschungsreisende Berliner Maler Ferdinand Konrad Bellermann mit seiner großformatigen „Tropischen Landschaft in Venezuela mit Badenden“ erneut nicht punkten konnte (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Dafür überzeugte Wilhelm Brückes „Parade vor dem Kronprinzenpalais“, der zahlreiche Menschen und mehrere Regimenter zur Morgenstunde Unter den Linden defilieren lässt, bei 80.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Das abschließende Kapitel „Historismus und Moderne“ eröffnete gewinnbringend mit Wilhelm Camphausens Reiterbildnis von Kaiser Wilhelm I. vor Schlachtenrauch bei 8.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Dann gingen aber alle Bismarck-Portraits Franz von Lenbachs für Schätzpreise bis zu 20.000 Euro zurück. Anklang fanden dagegen die wilhelminischen KPM-Porzellane mit Weichmalerei in einem überbordenden Neorokoko-Stil, die mühelos ihre Erwartungen hinter sich ließen, etwa das Paar vierkantige Blumenvasen mit reliefierten Frauenbüsten und auffliegenden Tauben sowie von Karl Jung gemalten Blütengehängen für 15.000 Euro (Taxe 6.000 bis 10.000 EUR) oder die ebenfalls von Robert Schirmer modellierte Kassette mit Blumenbouquets und Putten für 17.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Modernere Züge zeigte eine bauchige KPM-Vase mit dunkelbrauner Hasenfellglasur und stilisierten roten Fuchsienblüten in Reliefemail um 1897 für 3.400 Euro (Taxe 2.500 bis 2.800 EUR). Gesucht waren dann auch die „Japanerin mit Mandoline“ für 2.400 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR) und ihre Kollegin, die „Ägypterin mit Reh“, für 2.600 Euro aus Adolph Ambergs bekanntem „Hochzeitszug“ von 1909 (Taxen 1.200 und 1.500 EUR). Das Art Déco hatte seinen Höhepunkt in einer Teekanne mit dem zackigen Dekor „Japanischer Frühling“ von Adolf Flad für 3.200 Euro (Taxe 900 bis 1.200 EUR), das moderne Design in dem Vasenmodell „Kruke“ von Trude Petri aus den frühen 1950er Jahren. Vier Ausführungen in unterschiedlichen Bemalungen, die der Katalog jeweils zwischen 1.000 und 1.500 Euro listete, erreichten bis zu 1.400 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Poststraße 21-22

DE-10178 Berlin

Telefon:+49 (030) 278 760 80

Telefax:+49 (030) 278 760 86

E-Mail: info@lempertz.com

Startseite: www.lempertz.com



09.05.2024

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Wilhelm Brücke,  Parade vor dem Kronprinzenpalais Unter den Linden

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Taxe: 40.000 - 60.000 EURO

Zuschlag: 80.000,- EURO

Losnummer: 269

Tischspiegel aus einer Toilettegarnitur, KPM, um 1768

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Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 14.000,- EURO

Losnummer: 74

Trude Petri, Vase „Kruke“, 1951

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Taxe: 1.200 - 1.500 EURO

Zuschlag: 1.400,- EURO

Losnummer: 338

Adolf Flad,  Art Déco-Teekanne, 1923

Adolf Flad, Art Déco-Teekanne, 1923

Taxe: 900 - 1.200 EURO

Zuschlag: 3.200,- EURO

Losnummer: 335

Robert Schirmer,  Porzellankassette mit Weichmalerei, um 1885

Robert Schirmer, Porzellankassette mit Weichmalerei, um 1885

Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 17.000,- EURO

Losnummer: 302

 Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Tête à tête für eine Prinzessin ISM, um 1794

Kaiserliche Porzellanmanufaktur St. Petersburg, Tête à tête für eine Prinzessin ISM, um 1794

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 20.000,- EURO

Losnummer: 237

Barbara Rosina Lisiewska,  Allegorie de Hörsinns

Barbara Rosina Lisiewska, Allegorie de Hörsinns

Taxe: 80.000 - 100.000 EURO

Zuschlag: 100.000,- EURO

Losnummer: 53

Christian Heinrich Töpel,  Münzbecher, um 1730

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Taxe: 6.000 - 7.000 EURO

Zuschlag: 6.000,- EURO

Losnummer: 50

Wilhelm August Stilarsky,  Der große Warwick-Krater, um 1840

Wilhelm August Stilarsky, Der große Warwick-Krater, um 1840

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 163

Paar dreiflammige Tischleuchter, Werner & Mieth zugeschrieben, um 1800/20

Paar dreiflammige Tischleuchter, Werner & Mieth zugeschrieben, um 1800/20

Taxe: 15.000 - 18.000 EURO

Zuschlag: 13.000,- EURO

Losnummer: 123

Adolph Amberg,  Japanerin mit Mandoline, 1909

Adolph Amberg, Japanerin mit Mandoline, 1909

Taxe: 1.500 - 2.000 EURO

Zuschlag: 2.400,- EURO

Losnummer: 319

Johann Joachim Kändler,  Speiseteller aus dem „Japanischen Service“ für Friedrich II., 1762/63

Johann Joachim Kändler, Speiseteller aus dem „Japanischen Service“ für Friedrich II., 1762/63

Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 62

Wilhelm Camphausen,  Kaiser Wilhelm I. zu Pferd, 1874

Wilhelm Camphausen, Kaiser Wilhelm I. zu Pferd, 1874

Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 282




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