Frankreich initiiert große Ausstellung deutscher Malerei des Spätmittelalters  |  | Martin Schongauer, Orlier-Altar, 1470/75 | |
Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Nationalen Institutes für Kunstgeschichte in Paris wurden seit 2019 rund 500 Gemälde deutscher Kunst des Spätmittelalters und der Renaissance erfasst, die sich in französischen Sammlungen befinden. Abschluss des Projekts, das gemäldetechnische Untersuchungen vor Ort, eine systematische Dokumentation und Literaturrecherche sowie Nachforschungen zu möglichen Zuschreibungen umfassten, bildet nun eine dreiteilige, unter der kuratorischen Leitung von Isabelle Dubois-Brinkmann und Aude Briau arrangierte, umfangreiche Gemeinschaftsausstellung mit 200 Werken altdeutscher Malerei der Jahre von 1370 bis 1550. Auf der Grundlage des eigenen Bestandes initiierten das Musée des Beaux-Arts et d’Archéologie in Besançon, das Musée Unterlinden in Colmar und das Musée des Beaux-Arts in Dijon unter Ergänzung einiger Leihgaben eine ausgedehnte Präsentation, die die gesamte Vielfalt der deutschen Kunst jener Zeit vorstellen will. Neben großen Meistern wie Lucas Cranach, Albrecht Dürer oder Martin Schongauer sind auch Werke weniger bekannter Künstler zu entdecken, darunter von Wilhelm Stetter oder Urbanus Huter.
Unter dem Titel „Meister und Wunder. Deutsche Gemälde aus französischen Sammlungen“ stellt Besançon die deutsche Renaissancemalerei in den Vordergrund. Da die Region Franche-Comté vom 11. bis zum 13. Jahrhundert und von 1493 bis 1678 Teil des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, bewahrt sie viele Schenkungen aus jener Zeit. Dieser Ausstellungsteil will die Grenzen zwischen dem Privaten, dem Öffentlichen und dem Religiösen aufzeigen sowie das organisierte Arbeiten in Netzwerken aus Zünften und Werkstätten herausarbeiten.
„Farben – Reich – Schön. Altdeutsche Gemälde in französischen Sammlungen (1370-1550)“ ist die Schau im Musée Unterlinden überschrieben. Hier richtet sich der Blick speziell auf die Region Oberrhein zwischen Schwarzwald und Vogesen, also das heutige Elsass mit den großen Zentren Basel, Straßburg, Colmar und Freiburg im Breisgau. Die Präsentation wirft die Fragen auf, wie der Schaffensprozess im 15. und 16. Jahrhundert aussah, in welcher Beziehung Maler und Auftraggeber standen und welche Funktion die Werke heute einnehmen.
Mit der Überschrift „Produziert in Deutschland. Deutsche Gemälde aus französischen Sammlungen“ tritt das Musée des Beaux-Arts in Dijon mit seinem erlesenen Sammlungsbestand an. In der Schau können die Besucher*innen ein ausgedehntes Panorama der Malerei des 15. und beginnenden 16. Jahrhunderts, neue Zuschreibungen und ungewohnte Gegenüberstellungen entdecken. Die Exponate sollen Hinweise zum Verständnis der Rolle der Kunstwerke zum Ende des Mittelalters geben sowie Darstellungsformen und stilistische Besonderheiten der einzelnen Kunstzentren hinterfragen.
Die Ausstellungen sind noch bis zum 23. September zu besichtigen. Das Musée Unterlinden hat täglich außer dienstags von 9 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 13 Euro, ermäßigt 11 Euro, für Jugendliche und Studenten 8 Euro. Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog in deutscher und französischer Sprache erschienen.
Musée Unterlinden
Place Unterlinden
FR-68000 Colmar
Telefon: +33 (0)389 – 20 15 50 |