Fellbacher Triennale-Preis für Monira Al Qadiri Der Preis der 15. Triennale für Kleinplastik in Fellbach geht an Monira Al Qadiri. Die in Berlin lebende kuwaitische Künstlerin darf sich nun über ein Preisgeld von 5.000 Euro freuen. Triennale-Kuratorin Elke aus dem Moore lobte die 1983 im Senegal geborene Al Qadiri: „Sie beeindruckt mit ihren poetisch-kritischen künstlerischen Arbeiten. Al Qadiri, die mit verschiedenen Medien arbeitet, kommt in ihrem Werk immer wieder auf die Skulptur zurück. Den präzisen Formen ihrer Skulpturen gehen oft lange Recherchen voraus.“
Monira Al Qadiri ist mit drei Arbeiten Fellbach vertreten, die Ergebnisse ihrer Forschungen über das historische und kulturelle Erbe des Perlenhandels in der Golfregion und die massiven sozialen und wirtschaftlichen Veränderungen sind. Denn der Perlenhandel wurde durch die Ölförderung abgelöst, die nun ebenfalls vor dem Aus steht. In „Holy Quarter“ liegen schwarze, aus Gas geformte Erdölperlen verstreut vor der Projektion eines Filmes. Al Qadiri bezieht sich in dieser Arbeit auf die weltweit größte Wüstenregion Empty Quarter zwischen Saudi-Arabien, Oman, Jemen und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Wüste ist einer der ältesten unberührten Lebensräume und gilt für Menschen als Ort der Seinserfahrung.
Ihre mehrteilige Skulptur „Spectrum“ hat Al Qadiri den Köpfen von Ölbohrern nachempfunden und verbindet zum Teil auch persönliche Erinnerungen an die Geschichte des Perlentauchens im Golf und die Prozesse, die mit der Ölindustrie die Region erfasst haben. „OR-BIT IV“, eine schwebende, sich drehende perlmuttfarbige Skulptur, ist ebenfalls von einem Bohrkopf inspiriert, erinnert aber auch an den Turm zu Babel und den oft zerstörerischen Wunsch nach Wachstum, Reichtum und Macht.
Monira Al Qadiri wurde 2010 an der Universität der Künste Tokio in Inter-Medienkunst zum Thema Ästhetik der Traurigkeit im Nahen Osten promoviert. Ihre Forschung konzentrierte sich dabei auf Poesie, Musik, Kunst und rituelle Praktiken. In ihren Performances, Skulpturen und Videoarbeiten setzt sich Al Qadiri mit spekulativen Zukunftsentwürfen auseinander und untersucht unkonventionelle Genderidentitäten, deren mögliche Weiterentwicklungen sowie das Erbe der Korruption.
Mit dem erstmals vergebenen, mit 2.500 Euro dotierten Nachwuchspreis der Fellbacher Triennale wurde Stephané Edith Conradie bedacht. Die 1990 in Namibia geborene Künstlerin, die in Kapstadt lebt und arbeitet, erhält die Auszeichnung für ihre beiden aus zahllosen kleinen Alltags- und Kitschgegenständen arrangierten Skulpturen „Sleepwa I“ und „Sleepwa II“, zu Deutsch „Ochsenkarren“. In der Begründung heißt es: „Mit großer Intensität thematisieren die Assemblagen die innerafrikanischen Migrationen. Die Skulpturen berühren in der poetischen Anordnung der einzelnen Objekte, die von der Erfahrung von Flucht erzählen und vom Wunsch, sich auf einem Stück Land niederzulassen, das man sein Eigen nennen kann.“ Die Preisverleihung an die beiden Künstlerinnen findet am 1. Oktober im Rahmen der Triennale-Schlussfeier in der Alten Kelter in Fellbach statt.
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