DC Open in Köln und Düsseldorf Zum 13. Mal laden Köln und Düsseldorf zu einem langen Wochenende der Kunst ein. Zur „DC Open“ versammeln sich zwischen dem 3. und dem 5. September rund 50 Galerien und Ausstellungshäuser aus beiden Städten am Rhein und eröffnen zusammen die Herbstsaison. Die Kölner Galerie Boisserée bietet in der poppigen Ausstellung „Everyday Life“ farbenfrohe Portraits, Alltagsgegenstände in Umrisslinien und stilisierte Personengruppen des Trios Alex Katz, Michael Craig-Martin und Julian Opie. Die schottische Künstlerin Georgia Russell ließ sich während des Lockdowns von dem Farben- und Lichtspiel der Natur zu großformatigen, leuchtend changierenden Arbeiten inspirieren, die neben luftigen, dreidimensionalen Skulpturen aus zerschnittenen Arbeitsmaterialien in der Galerie Karsten Greve zu sehen sind. Sinnlicher geht es bei Gisela Capitain zu: Die Papierarbeiten aus der Serie „Zärtlichkeiten“ der 1931 in Neapel geborenen Künstlerin Isabella Ducrot zeigen die Liebesfreuden umschlungener Paare im Mondschein. Die grazil skizzierten Figuren, die teils collagenartig mit Stofffragmenten „bekleidet“ sind, entführen den Betrachter in russische oder persische Märchenwelten.
Bei Christian Lethert versperrt der Schweizer Bildhauer Roman Gysin mit seiner Arbeit „Trennwand“ aus dem Jahr 2021 zunächst den Zugang zur Ausstellung, bis der Betrachter die von ihm erdachte Wegführung entschlüsselt hat und zu seinen mit Satin verkleideten Holzbalken durchgedrungen ist, die an Bruchsteinwände oder Draperien alter Meister erinnern. Nicht weniger ungewöhnlich mutet die zweiteilige Installation aus verformten Tonplatten und an die Wand gehängten Stofftüchern der in Wien lebenden Künstlerin Sonia Leimer an. Erst auf den zweiten Blick wird deutlich, dass die Stoffbahnen einen Arbeitsschritt im Herstellungsverfahren der Tonskulpturen dokumentieren. Die Sparte der Fotografie ist durch die Serie „Solus Vol. 1“ von Pieter Hugo bei Priska Pasquer repräsentiert. Der Künstler porträtierte jugendliche Modelle einer Modeagentur, die auf der Straße gecastet wurden und nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprachen, in authentischen Brustbildern. Ebenfalls auf Augenhöhe begegnete die Künstlerin Selma Gültoprak den Opfern der zunehmenden Obdachlosigkeit in Europa und den USA. In den Räumen der Galerie Martinetz versammelt die Kölnerin für ihre zweite Einzelausstellung „and their eyes became sharper“ Protestschilder gegen Wohnungsnot, alte Matratzen und ein an Hausnummern angelehntes sinnfreies Zahlensystem.
In Düsseldorf kombiniert Andreas Fischer bei Achenbach Hagemeier währenddessen Haushaltsgeräte wie Mikrowellen, Kuchenformen oder Bettgestelle zu kinetischen Skulpturen, die durch Bewegungsmelder zum Leben erweckt werden und zu sprechen beginnen, singen oder tanzen. Im Stadtteil Flingern wartet die Galerie Van Horn mit dem von Sabrina Fritsch gestalteten Farbraum „Romeo Golf Bravo“ auf, dessen Wände von gemalten Farbkacheln in Rot, Grün und Blau eingenommen werden. Ausschlaggebend für die 1979 geborene Malerin ist der additive Farbraum RGB, der alle anderen Farben hervorbringt und etwa im digitalen Bereich eingesetzt wird.
Der Abstraktion hat sich auch Jan Dibbets in der Galerie Konrad Fischer zugewandt. Die mit Farbklecksen gefüllten Flächen seiner jüngsten Druckserie „Bou“, für die er Details seiner „Color Studies“ von 1976 bis zur Unkenntlichkeit vergrößerte, erinnern an die Arbeiten eines Jackson Pollock. Unter dem Motto „Arrange Whatever Pieces Come Your Way“, einem Zitat der Autorin Virginia Woolf, recyclen die Londonerin Annabelle Harty und die Schottin Sheelagh Boyce alte Lieblingskleidungsstücke von Freuden und Familie. Mit der Hand nähen sie die Stoffe in der Tradition des „Patchwork“ zu großformatigen Quilts, die Besucher ab dem Wochenende in der Düsseldorfer Galerie Linn Lühn bewundern können.
Die DC Open läuft vom 3. bis 5. September in Düsseldorf und Köln. Das vollständige Programm, die Öffnungszeiten und mehrere geführte Rundgänge durch die Galerien sind unter www.dc-open.de einsehbar.
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