Ein Gottesfunke in Bamberg  |  | Karsten Konrad, Torno, 2019 | |
Im Bamberger Diözesanmuseum begegnen sich in der aktuellen Sommerschau „Der Funke Gottes!“ alte und neue Kunst. Werke von 59 modernen sowie zeitgenössischen Künstlern, darunter Marina Abramovic, Meret Oppenheim, Wilhelm Lehmbruck, Karsten Konrad, Michael Melcer, Julian Charrière, das Duo Ingrid Mwangi und Robert Hutter, Patricia Schon, Miguel Rothschild, Judy Ledgerwood und Andy Warhol, treten in einen Dialog mit älterer religiöser Kunst eines Tilman Riemenschneider, Veit Stoß oder den Kaisermänteln Heinrichs II. und seiner Gemahlin Kunigunde. Hinzu kommen Arbeiten der Goldschmiedekunst und aus Elfenbein. Die in den Domschatz eingeladenen säkularen Kunstwerke verstehen sich nicht als religiöse Arbeiten und wurden nicht speziell für die Ausstellung produziert. Die Kuratoren, der Berliner Galerist Alexander Ochs und der Museumsleiter Holger Kempkens, wollen mit den Exponaten „Assoziationslinien und -räume“ zu Begriffen wie Berührung, Feier oder Zeit schaffen. „Eine Erfahrung aus vielen Ausstellungen in Kirchen und in religiösen Kontexten ist, dass zeitgenössische Kunst sich dort noch einmal anders zeigt als im White Cube eines Museums oder einer Galerie“, so Alexander Ochs. „Wir sind sehr überzeugt, dass jedes gute Kunstwerk einen spirituellen Impetus in sich trägt, der sich dem Publikum mitteilt. Zwischen dem Christentum und der Kunst gab es einmal eine durchaus erotisch zu nennende Liebesgeschichte. Wir hoffen, mitzuhelfen, diese Liaison wieder zu beleben. Diese nennen wir den ‚Funken Gottes!‘ und so wird aus einer Schule des Sehens eine Schule des Fühlens.“
Ernst Barlachs erste Modell-Skulptur aus Gips für „Den Schwebenden“, den mit gelbem Lack überzogene Engel von Güstrow, ist mit dem goldfarbenen Ornat von Papst Clemens II. aus der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts in Beziehung gesetzt. In die Zeit der chinesischen Han-Dynastie entführt Ai Weiweis „Coca-Cola-Vase“: das Logo des amerikanischen Getränks malte er auf das schlichte Gefäß der Zeit zwischen 206 vor und 220 nach Christus. Dieses Objekt rahmen goldene Messkelche des Museums. Marianna Gartners Bild „Tattooed Jesus“ von 2004 greift stilistisch auf mittelalterliche Gemälde Christi zurück. Mit geschlossenen Augen und der Dornenkrone neigt der Erlöser seinen Kopf nach links. Seine Hände ruhen auf einem kostbaren roten Kissen mit Pflanzenmuster. Sein Leib ist nicht durch die Kreuzmale gekennzeichnet, sondern mit diversen Tätowierungen übersät. Damit schafft die Künstlerin eine eigenwillige Kombination, die an entrückte Jesusbilder erinnert und gleichzeitig die Ikonographie einschneidend verändert.
Die Ausstellung „Der Funke Gottes! Schatz + Wunderkammern im Bamberger Diözesanmuseum“ läuft bis zum 10. November. Das Haus hat täglich außer montags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 10 Euro, ermäßigt 7 Euro oder 3,50 Euro.
Diözesanmuseum Bamberg
Domplatz 5
D-96049 Bamberg
Telefon: +49 (0)951 – 50 22 502 |