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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Impressionismus und Moderne Kunst bei Christie’s in New York mit dem teuersten Gemälde des Jahres 2016

Der Heuhaufen in der Abendsonne



Claude Monet,  Meule, 1891

Claude Monet, Meule, 1891

Claude Monet hat es geschafft. Mit seinem Heuhaufen im Abendrot von 1891 führt er die Liste der teuersten Kunstwerke für das Jahr 2016 an. Das Gemälde gehört zu seiner berühmten Serie der „Meules“, die er in den Jahren 1890 und 1891 bei unterschiedlichen Licht- und Wetterverhältnissen und über Monate hinweg zu verschiedenen Jahreszeiten auf den Feldern um Giverny malte. Die meisten der 25 Leinwände sind im Museumsbesitz; allein das Art Institute of Chicago nennt sechs sein eigen. Aber auch im Musée d’Orsay in Paris, im Metropolitan Museum of Art in New York, in der National Gallery of Scotland oder im Kunsthaus Zürich hängen Bilder aus dieser berühmten Serie. Nun lieferte ein amerikanischer Sammler seine rot-golden leuchtende „Meule“ mit einigen blau-violetten Farbzonen bei Christie’s in New York ein und wollte rund 45 Millionen Dollar dafür sehen. Zusammengekommen sind für das museale Werk schließlich 72,5 Millionen Dollar, was auch dem neuen Auktionsrekord für Monet entspricht. Bisher lag er bei 36,5 Millionen Pfund für sein Gartenbild „Le bassin aux nymphéas“ von 1919, aufgestellt bei Christie’s in London im Juni 2008.


Damit ist wieder einmal ein Impressionist an die Spitze eines Auktionsjahres geklettert. Zudem steuerte Claude Monet für die Auktion „Impressionist & Modern Art“ Mitte November in New York noch den wolkigen Meerblick „La Vague“ von 1880 für 2,95 Millionen Dollar (Taxe 1,2 bis 2,5 Millionen USD) und die sechs Jahre ältere Leinwand „Les bords de la Seine près d’Argenteuil“ in verhaltener Wetterstimmung für 3 Millionen Dollar an der unteren Schätzgrenze bei. Platz 2 der Versteigerung, die sich losbezogen zu 81 Prozent, wertbezogen zu 86 Prozent verabschiedete und gute 246,3 Millionen Dollar erwirtschaftete, eroberte Wassily Kandinsky. 1935 malte er in Paris mit Öl und Sand auf Leinwand seine schwebenden kosmischen Formen „Rigide et courbé“, die 20,6 Millionen Dollar erzielten und damit 100.000 Dollar über dem bisherigen Rekordpreis aus dem Jahr 2012 lagen.

Dann folgte schnellen Fußes auch schon Pablo Picasso, der mit elf Positionen die meisten unter den 49 Losnummern stellte. Sein buntes mehransichtiges Portrait „Buste de femme (Dora Maar)“ übernahm der junge japanische Sammler Yusaku Maezawa bei taxkonformen 20 Millionen Dollar. Das gilt auf für seinen typischen späten „Homme à la pipe“ aus dem Jahr 1969 bei 16,2 Millionen Dollar. Über den Erwartungen positionierten sich bei Picasso etwa das frühe „Portrait de Renart“ von 1899 bei 2,5 Millionen Dollar, der gescheckte Keramikvogel „Le hibou (rouge et blanc)“ von 1953 bei 2 Millionen Dollar oder das dichte grafische Blatt „La Minotauromachie“ von 1935 bei 1,75 Millionen Dollar (Taxe je 1 bis 1,5 Millionen USD). Auch die 2,8 Millionen Dollar für sein pastellartiges Ölgemälde mit dem schemenhaften und traurigen „Portrait d’Angel Fernández de Soto“ aus dem Jahr 1899 können sich sehen lassen (Taxe 1,8 bis 2,5 Millionen USD).

Auf vordere Ränge kamen bei Christie’s außerdem Marc Chagalls traumhafte Szene „L’hiver“ von 1966 mit Frau, Musiker und Tierwesen über einer Stadt bei 6,6 Millionen Dollar (Taxe 7 bis 10 Millionen USD) und Joan Mirós abstrahierte Bronze einer „Femme, monument“ von 1970 bei 6 Millionen Dollar zur doppelten Schätzung. Diesen Wert erreichte zudem Paul Cézannes zart aquarelliertes Stillleben „Théière et oranges (La Nappe)“ um 1895/1900, musste aber damit einen Abschlag von 2 Millionen Dollar hinnehmen. Cézannes tektonisch aufgebautes Ölgemälde des sommerlichen „Paysage avec route et clocher (Île de France près de Melun)“ fand bei 10 bis 15 Millionen Dollar überhaupt keinen Abnehmer.

6 Millionen Dollar lautete auch der Zuschlag für Fernand Légers in die Fläche gebannte, mechanistische Malerei „Femme portant une statuette“ von 1925, was hier aber die obere Schätzgrenze bedeutete. Bei 5,6 Millionen Dollar endeten schon die Gebote für Chaïm Soutines expressiv und frontal vor blauem Grund platzierten „Garçon d’étage“ um 1928 (Taxe 6 bis 9 Millionen USD), während sich Vincent van Goghs Weber am Webstuhl von 1884 noch aus brauntönigen Frühphase mit 1,9 Millionen Dollar deutlich besser schlug, als mit 700.000 bis 1 Million Dollar erwartet. Mit 3 Millionen Dollar erwirtschaftete Pierre Bonnards „Goûter au jardin“, eine um 1891 angefertigte Ölstudie zu seinem Gemälde „L’Après-midi au jardin“, 800.000 Dollar mehr, als im Mai 2007 am selben Ort (Taxe 2,8 bis 3,8 Millionen USD). Und auch Robert Delaunays farbenfreudig orphische Studie für sein Hauptwerk „Hommage à Blériot“ von 1914 spielte taxgerechte 1,3 Millionen Dollar ein.

Die deutsche Malerei der Moderne tat sich in der Abendauktion bei Christie’s mit Heinrich Campendonks leicht kubistisch gebrochener, lyrischer Landschaft „Bergziegen (Blumen und Tiere)“ von 1917 bei 1 Million Dollar (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen USD) und Paul Klees lustig-erschreckenden „Dämonischen Marionetten“ von 1929 bei 1,1 Millionen Dollar hervor (Taxe 700.000 bis 1 Million USD). Klee kam dann noch einmal in der Tagesauktion am 17. November mit seiner Naturabstraktion „Aquarell mit d. grünen Kreuz“ von 1914 bei guten 395.000 Dollar zum Zug (Taxe 250.000 bis 350.000 USD). Überhaupt war die Reihe mit 24 Arbeiten auf Papier deutscher Expressionisten erfolgreich. Alle Blätter wurden teils mit satten Wertsteigerungen übernommen, etwa Ernst Ludwig Kirchners um 1910 flott aquarellierte „Drei Tänzerinnen“ bei 200.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD), während George Grosz’ Gesellschaftsstudie „Die amerikanische Dingobar in Paris“ einen Abschlag von 20.000 Dollar auf 280.000 Dollar hinnehmen musste. Emil Nolde reüssierte mit seinem Aquarell „Zwei Sonnenblumen und eine rote Blüte“ um 1930/35 bei 110.000 Dollar (Taxe 80.000 bis 120.000 USD) und Gustav Klimt mit seiner frühen Kohlezeichnung eines bärtigen Mannes von vorne bei 75.000 Dollar (Taxe 20.000 bis 30.000 USD).

Malerisch wurde es dann noch einmal mit Alexej von Jawlenskys farbsatter „Variation: Nacht II“ von 1916 bei 120.000 Dollar (Taxe 60.000 bis 80.000 USD) und Wassily Kandinskys noch impressionistischer Alpenlandschaft „Spitzingsee“ von 1901 bei 260.000 Dollar (Taxe 180.000 bis 250.000 USD). Schon bei 300.000 Dollar stoppten die Gebote für Max Beckmanns unaufgeregtes „Stillleben mit Rosen“ von 1927 (Taxe 400.000 bis 600.000 USD). In die Ungegenständlichkeit ging es mit László Moholy-Nagys buntem Plexiglasliniengewirr „Space Modulator“ von 1945 bei 180.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD) und mit Kurt Schwitters’ später Assemblage „Glas auf Stein“ von 1947 bei 175.000 Dollar (Taxe 70.000 bis 100.000 USD).

Doch die französische Kunst behielt nicht nur zahlenmäßig die Oberhand, sie stellte auch die teuersten Arbeiten. Dazu gehörten die Pointillisten Henri Le Sidaner mit seiner ruhigen Hafenansicht von Le Croisic in der Bretagne aus dem Jahr 1923 bei 750.000 Dollar (Taxe 400.000 bis 600.000 USD) und Henri Edmond Cross mit seiner Venedig-Vedute „Vue du bassin de Saint-Marc“ um 1905 für 900.000 Dollar (Taxe 500.000 bis 700.000 USD). Auch Le Corbusier mit seiner formaufgelösten „Nature morte à la lanterne“ von 1930 (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen USD) und Tsuguharu Foujita mit seiner elegant räkelnden „Nu“ von 1931 bei jeweils 800.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 200.000 USD) sowie Max Ernst mit seinem gelängten Bronzemischwesen „La plus belle“ von 1967 bei 500.000 Dollar standen für die Zugkraft der Franzosen (Taxe 300.000 bis 500.000 USD).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s Rockefeller Center

20 Rockefeller Plaza

US-NY 10020 New York

Telefon:+1 (212) 6362000

Telefax:+1 (212) 6362399

E-Mail: info@christies.com

Startseite: www.christies.com



24.01.2017

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Claude Monet,  La Vague, 1880

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Taxe: 1.500.000 - 2.500.000 USD

Zuschlag: 2.950.000,- USD

Losnummer: 7

Robert Delaunay,  Hommage à Blériot (Esquisse), 1914

Robert Delaunay, Hommage à Blériot (Esquisse), 1914

Taxe: 1.000.000 - 1.500.000 USD

Zuschlag: 1.300.000,- USD

Losnummer: 36

Wassily Kandinsky,  Rigide et courbé, 1935

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Taxe: 18.000.000 - 25.000.000 USD

Zuschlag: 20.600.000,- USD

Losnummer: 18

Paul Cézanne,  Théière et oranges (La Nappe), um 1895/1900

Paul Cézanne, Théière et oranges (La Nappe), um 1895/1900

Taxe: 8.000.000 - 12.000.000 USD

Zuschlag: 6.000.000,- USD

Losnummer: 16

Chaïm Soutine,  Le garçon d’étage, um 1928

Chaïm Soutine, Le garçon d’étage, um 1928

Taxe: 6.000.000 - 9.000.000 USD

Zuschlag: 5.600.000,- USD

Losnummer: 21

Paul Klee,  Dämonische Marionetten, 1929

Paul Klee, Dämonische Marionetten, 1929

Taxe: 700.000 - 1.000.000 USD

Zuschlag: 1.100.000,- USD

Losnummer: 49




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