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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gemälde und Zeichnungen des 19. Jahrhunderts bei Grisebach in Berlin

Ritter Kunzens Prinzenklau



Johann Christian Reinhart,  Der sächsische Prinzenraub (Altenburger Prinzenraub), 1785

Johann Christian Reinhart, Der sächsische Prinzenraub (Altenburger Prinzenraub), 1785

Kunz von Kauffungen war ein Mann, mit dem hätte man nicht viel zu tun haben mögen. Im 15. Jahrhundert beteiligte er sich fleißig am seinerzeit blühenden Kleinkriegswesen, überfiel unbarmherzig die Kaufleute anderer Fürsten, um denen zu schaden, und war auch sonst ein Raub- und Fehderitter, wie er im Buche steht. Sein Meisterstück aber sollte der sogenannte Altenburger Prinzenraub sein: Nachdem ihm der sächsische Kurfürst Friedrich der Sanftmütige seine Güter entzogen hatte, machte er sich auf zu dessen Schloss in Altenburg, brachte Friedrichs Söhne Ernst und Albrecht in seine Gewalt und wollte vom Vater Lösegeld erpressen. Doch der Plan misslang, Kunz wurde auf der Flucht gestellt, die Prinzen befreit, der Übeltäter nach kurzem Prozess am 14. Juli 1455 in Freiberg hingerichtet.


Auf welche Weise genau Ernst und Albrecht unfreiwillig ihre Burg verlassen mussten, ist wohl nicht ganz klar, doch anschaulicher als Johann Christian Reinhart kann man dieses – freilich gescheiterte – Husarenstück kaum darstellen. Bei ihm klettern die Spitzbuben über eine Leiter von außen in den ersten Stock der mittelalterlichen Burg. Der tiefstehende Mond beleuchtet gespenstisch die nächtliche Szene, die man früher als Einbruch einfacher Banditen gedeutet hat. Erst jüngst wurde klar, dass es sich bei dem 1785 datierten Frühwerk des 1761 geborenen Malers um besagten „Altenburger Prinzenraub“ handelt. Und auch für die Reinhart-Forschung ist das Werk etwas Besonderes, ist es doch fast das einzige bekannte aus seiner Frühzeit und tauchte erst kürzlich aus Privatbesitz wieder auf. Bei Grisebach in Berlin wird es nun versteigert, auf der Auktion von Kunst des 19. Jahrhunderts am 26. November für 30.000 bis 40.000 Euro.

Das 19. Jahrhundert wird also ein wenig in die Zeit vor 1800 ausgedehnt, wovon auch eine weite italienische Küstenlandschaft im milden Abendlicht von Jakob Philipp Hackert aus dem Jahr 1782 Zeugnis ablegt, auch dies eine freudige Wiederentdeckung der jüngsten Zeit (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Auf der Schwelle zwischen den Jahrhunderten stehen zwei Arbeiten des Romantikers Caspar David Friedrich: ein Studienblatt mit sieben Tuschezeichnungen mehrerer Segelboote in unterschiedlichen Positionen von circa 1798/1800 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR) sowie ein Exemplar seines kleinen Holzschnitts „Die Frau mit dem Spinnennetz zwischen kahlen Blumen (Melancholie)“ von etwa 1801 für 10.000 bis 15.000 Euro. Zum Kreis der Dresdner Romantiker gesellt sich Carl Gustav Carus mit seiner „Wassermühle am Berghang“ in Kohle, Kreide und Deckweiß, ein Spätwerk aus den letzten Lebensjahren des 1869 gestorbenen Künstlers (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Die Italiensehnsucht, der schon Hackert und später Reinhart erlagen, packte auch viele deutsche Künstler des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts. Anhand des Grisebach-Angebots kann man eine regelrechte Reise unternehmen. Der Dessauer Maler Johann Heinrich Beck freut sich 1839 über das Erreichen des Etschtals, das er hutschwenkend begrüßt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Friedrich Nerly macht einen Abstecher nach Venedig, wo er um 1860 von der Piazzetta aus gen Dogana und Salutekirche die untergehende Sonne verabschiedet (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Mit Albert Flamm geht es – etwa zehn Jahre vorher schon – weiter an die Küste von Capri mit dem Monte Solaro in seltsamen Zwielicht (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), wo 1899 ganz in der Nähe – nämlich auf den Felsen über Sant’Angelo auf Ischia – auch Oswald Achenbach stand und in Richtung Vesuv blickte (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Albert Zimmermann zog es nach 1857 zum eindrucksvoll an den Küstensteilhang geschmiegten Kloster der Kapuziner in Amalfi (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Natürlich darf auch die Ewige Stadt nicht fehlen, in der wir uns mit August Wilhelm Ferdinand Schirmer aufhalten, und zwar 1836 an der Porta Angelica, also mitten im vatikanischen Herzen (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). In der Grotta di San Francesco alla Verna bei Arezzo wandelt man mit zwei Mönchen auf einem Bild, das wohl Carl Blechen gegen 1830 geschaffen hat. An dieser alten Zuschreibung zweifelt allerdings die jüngere Forschung (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Bis nach Sizilien geht es mit dem Dänen Carl Frederik Aagaard – er trägt tatsächlich mehr „as“ als sonstige Buchstaben in seinem Nachnamen – im Jahr 1871: Er bietet einen Blick über allerlei Pflanzen hinweg und durch eine Ruine mit Rundbogenarkade hindurch auf den rauchenden Ätna in der Ferne (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Wem dann Reiselust und -kasse immer noch nicht ausgegangen sind, der begibt sich mit Carl Rottmann nach Griechenland und genießt um 1840 am Apollotempel auf Ägina die herrliche Aussicht über das natürlich wieder von der untergehenden Rotlicht-Sonne beschienene Land und Meer (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Freilich mochte nicht jeder soweit fortgehen und blieb lieber in heimischen Landen. Das galt überwiegend auch für das preußische Urgestein Adolph von Menzel. Seine Stärke lag auf anderem Gebiet als die der Deutschitaliener: So genial wirklichkeitsecht wie er konnte wohl kaum jemand eine Gruppe aufgestellter Rüstungen in Gouache und Bleistift zu Papier bringen. Es scheint, als wollten sie jeden Augenblick losmarschieren. Im Kriegsjahr 1866 schuf Menzel das großformatige Blatt. Später begeisterten sich die Nazis dafür und nahmen es der damaligen Inhaberin Adele Pächter weg, die 1943 in Theresienstadt umkam. 1963 an die Albertina in Wien überwiesen, wurde die prachtvolle Farbzeichnung kürzlich den Pächter-Erben restituiert (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). 50.000 bis 70.000 Euro soll eine „Lesende Dame“ kosten, die auf windiger Höhe unterm Sonnenschirm sich in ein Büchlein vertieft. Dahinter beziehungsweise darunter verbirgt sich Emilie Fontane, die Ehefrau des berühmten Dichters, der die kleine Gouache samt rückseitigem Gruß anfangs der 1870er Jahre gewidmet war. Der frühe Max Liebermann gibt sich ebenfalls die Ehre mit einer Studie zu drei Figuren in seinem berühmten Ölbild „Brabanter Spitzenklöpplerinnen“ von 1881 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Den Schluss der Auktion bestreiten einige symbolistische Gemälde wie Franz von Stucks Studie zu „Judith und Holofernes“ von circa 1926 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) und Oskar Zwintschers Bildnis einer geheimnisvollen Dame mit Narzissen von 1907 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). An Künstlern aus dem Ausland haben sich nur wenige mit ihren Werken zu Grisebach nach Berlin verirrt. Die Briten stellen wie schon in der letzten Auktion einige wichtige Positionen. So huldigt auch Dante Gabriel Rossetti der rätselhaften Weiblichkeit und lässt in seiner Kreide- und Rötelzeichnung „A Girl Combing her Hair“ – typisch symbolistisch (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Am ehesten zu nennen ist aber vielleicht der damals 18jährige Edwin Henry Landseer mit seinem 1820 entstandenen Ölbild „Intruding puppies“: Zwei Hunde und ein bekleideter Affe streiten sich dort ums Futter, letzterer ist zwar etwas unterlegen, verteidigt sich aber tapfer. Es ist das erste nachweisbare Bild, auf dem der Künstler einen Affen dargestellt hat. Auf einer Christie’s-Auktion im Jahr 1853 wurde es bereits als „very celebrated work“ hervorgehoben, und jetzt stehen immerhin 30.000 bis 40.000 Euro auf seinem Etikett.

Die Auktion beginnt am 26. November um 14:30 Uhr. Die Besichtigung läuft vom 21. bis zum 25. November täglich von 10 bis 18 Uhr, dienstags von 10 bis 17 Uhr. Der Katalog listet die Werke unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



22.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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26.11.2014, Kunst des 19. Jahrhunderts

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Grisebach

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Nicht nur Menzel

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Jakob Philipp Hackert, Italienische Landschaft, nach 1782
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August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Blick auf Porta Angelica und
 den Vatikan, 1836
August Wilhelm Ferdinand Schirmer, Blick auf Porta Angelica und den Vatikan, 1836

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Carl Rottmann, Ägina – Apollotempel, um 1840
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 Kirche Santa Maria della Salute im Abendlicht, um 1860
Friedrich Nerly, Blick vom Dogenpalast in Venedig auf die Löwensäule und die Kirche Santa Maria della Salute im Abendlicht, um 1860

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Adolph von Menzel, Lesende Dame (Emilie Fontane), um 1870/72
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Oswald Achenbach, Blick über Sant’Angelo auf das Castello Aragonese, im Hintergrund der Vesuv,
 1899
Oswald Achenbach, Blick über Sant’Angelo auf das Castello Aragonese, im Hintergrund der Vesuv, 1899







Adolph von Menzel,  Lesende Dame (Emilie Fontane), um 1870/72

Adolph von Menzel, Lesende Dame (Emilie Fontane), um 1870/72

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Zuschlag: 80.000,- EURO

Losnummer: 202

Carl Rottmann,  Ägina – Apollotempel, um 1840

Carl Rottmann, Ägina – Apollotempel, um 1840

Taxe: 25.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 52.000,- EURO

Losnummer: 162

Albert Zimmermann,  Das Kapuzinerkloster in Amalfi, nach 1857

Albert Zimmermann, Das Kapuzinerkloster in Amalfi, nach 1857

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 7.500,- EURO

Losnummer: 153

Oskar Zwintscher,  Bildnis mit Narzissen, 1907

Oskar Zwintscher, Bildnis mit Narzissen, 1907

Taxe: 30.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 52.000,- EURO

Losnummer: 248

Carl Gustav Carus,  Wassermühle am Berghang (Ein Müller-Lied), vor 1866

Carl Gustav Carus, Wassermühle am Berghang (Ein Müller-Lied), vor 1866

Taxe: 15.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 128

Adolph von Menzel,  Stehende Rüstungen (aus der Folge der Rüstkammer-Phantasien), 1866

Adolph von Menzel, Stehende Rüstungen (aus der Folge der Rüstkammer-Phantasien), 1866

Taxe: 100.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 2.800.000,- EURO

Losnummer: 200

Carl Blechen, Carl Blechen oder Umkreis zugeschreiben, Mönche auf einer Treppe zwischen einer Felsenschlucht (Die Treppe zur Grotta di San Francesco alla Verna), um 1830

Carl Blechen, Carl Blechen oder Umkreis zugeschreiben, Mönche auf einer Treppe zwischen einer Felsenschlucht (Die Treppe zur Grotta di San Francesco alla Verna), um 1830

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 138

Johann Heinrich Beck,  Das Etschtal, 1839

Johann Heinrich Beck, Das Etschtal, 1839

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 132

Oswald Achenbach,  Blick über Sant’Angelo auf das Castello Aragonese, im Hintergrund der Vesuv, 1899

Oswald Achenbach, Blick über Sant’Angelo auf das Castello Aragonese, im Hintergrund der Vesuv, 1899

Taxe: 18.000 - 24.000 EURO

Zuschlag: 16.000,- EURO

Losnummer: 210

Max Liebermann,  Brabanter Spitzenklöpplerinnen (Studie mit drei Figuren), 1881

Max Liebermann, Brabanter Spitzenklöpplerinnen (Studie mit drei Figuren), 1881

Taxe: 50.000 - 70.000 EURO

Losnummer: 228

Caspar David Friedrich,  Die Frau mit dem Spinnennetz zwischen kahlen Blumen (Melancholie), um 1801

Caspar David Friedrich, Die Frau mit dem Spinnennetz zwischen kahlen Blumen (Melancholie), um 1801

Taxe: 10.000 - 15.000 EURO

Zuschlag: 730.000,- EURO

Losnummer: 124

Albert Flamm,  Die Küste von Capri mit dem Monte Solaro, um 1850

Albert Flamm, Die Küste von Capri mit dem Monte Solaro, um 1850

Taxe: 4.000 - 6.000 EURO

Zuschlag: 8.000,- EURO

Losnummer: 137




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