So viel Kunst – und alles unverkäuflich! Denn leider ist weder der Stuck der Brüder Francesco und Carlo Brenno zu erwerben noch die „Vier Elemente“ des Freskanten Johann Michael Rottmayr. Aber was der mythologische Himmel großzügig beschirmt, drängt sich umso lieber zum Golde: Die 36 Aussteller auf der diesjährigen Art Salzburg buhlen mit viel stärkeren Reizen als Hugo von Hofmannsthals „Buhlschaft“ beim „Jedermann“ auf dem Domvorplatz um die Gunst der Besucher. In den Prachträumen der Salzburger Residenz hat sich seit 2007 die Art Salzburg als „International Fine Art Fair“ ein Ausstellungsareal gesichert, das in der Welt wohl seinesgleichen sucht.
Das Angebot der Kunstmesse auf den 2.000 Quadratmetern elegant überwölbter Fläche ist breit aufgestellt: In Salzburg trifft sich Kunst verschiedener Epochen mit elegantem Schmuck und edlem Kunsthandwerk, Möbel, Glas und Gemälde Alter sowie Neuerer Meister firmieren neben zeitgenössischer Fotografie, klassischer Wiener Moderne oder amerikanischer Pop Art. Berührungsängste gibt es hier keine; das Angebot ist so vielfältig wie die Menschen, die in diesen Festspielwochen die Gassen der Salzburger Altstadt bevölkern.
Zu den Ausstellern der ersten Stunde gehört zum Beispiel Sylvia Kovacek aus Wien. Ihre Galerie Spiegelgasse ist bekannt für ihre Spezialgebiete, die sie auch in Salzburg präsentiert: Gläser und österreichische Kunst des 19ten und 20sten Jahrhunderts. Ein besonders schönes Exempel der sogenannten „Kothgassergläser“ – benannt nach dem Wiener Transparentmaler Anton Kothgasser – stammt von dem Biedermeierkünstler selbst: ein Ranftbecher mit 32 Spielkarten bemalt und auf das Jahr 1821 datiert. Unter den Gemälden, unter anderem von Friedrich Gauermann oder Tina Blau, zieht Carl Molls stimmungsvolle Schilderung des maritimen Lebens an den Zattere, Venedigs Südufer am Giudecca-Kanal, die Aufmerksamkeit an.
Auch Wienerroither & Kohlbacher aus Wien, seit Januar Partner der Shepherd Gallery New York, offerieren zum 25jährigen Jubiläum ihrer Zusammenarbeit einige ausgezeichnete Stücke aus ihrem Spezialgebiet, der klassischen Moderne. Lyonel Feiningers „Fabrik bei Nacht“ von 1952 gehört dazu, aber auch zwei Akte von Egon Schiele und Ernst Ludwig Kirchner: „Männlicher Akt“, eine der typischen Schiele-Arbeiten in Aquarell und Gouache von 1910, und das Kirchner-Aquarell „Sich reckender Akt“, genau vor 100 Jahren entstanden.
Zu den Highlights aus dem Wien der Weltkriegsumbruchzeit gehört auch der Mädchenkopf von Gustav Klimt, den die Galerie bei der Albertina anbietet. Katharina Zetter-Karner zieht als Geschäftsführerin die Linien weiter, die Gründerin Christa Zetter vor 40 Jahren vorgezeichnet hat: Jugendstil, Wiener Werkstätte, klassische Moderne, aber auch zeitgenössische Kunst. Ein vierteiliges Raucherservice, um 1922 von Josef Hoffmann geschaffen, steht für den Anspruch des Unternehmens, erstklassige Stücke anzubieten.
Ein Hauptwerk des in Meran geborenen Leo Putz stellt die Münchner Galerie Schüller auf der Art Salzburg vor: „Das Picknick“ von 1903, in der Motivik und der Art der Lichtbehandlung von Edouard Manet inspiriert, galt als verschollen, befand sich aber tatsächlich seit 90 Jahren in einer argentinischen Privatsammlung. Putz hat von 1929 bis 1933 in Argentinien und an der Academia de Belas Artes in Rio de Janeiro gelehrt und gearbeitet. Außerdem bei Schüller: „Blume mit Vogel und Echsenkopf“ von Gabriele Münter und „Fischerhafen auf Fehmarn“, ein 1953 entstandenes Alterswerk von Hermann Max Pechstein.
Mit Serge Poliakoff ist der Galerist und Kunstforscher Gérard Schneider aus München eng vertraut: Er arbeitet unter anderem am Werkverzeichnis des russisch-französischen Malers, der durch seine verzahnten Farbflächenkompositionen berühmt wurde. Einige davon, etwa die späte „Composition abstraite“ von 1965, zeigt Schneiders Galerie Française auf der Art Salzburg; dazu eine Gouache und eine Pferdeskulptur Marino Marinis aus Silber und Acrylarbeiten aus einer Privatsammlung von Sam Francis, dem zu seinem 90sten Geburtstag im Pasadena Museum of California Art noch bis Januar 2014 eine Rückschau auf fünf Jahrzehnte seines Œuvres gewidmet ist.
Amerikanische Kunst gibt es zudem bei Gerald Hartinger Fine Arts, dem Galeristen aus der Wiener Seilergasse, der mit den Ikonen der Pop Art einen kräftigen Kontrast zur barock-biedermeierlichen Domstadt setzt: Andy Warhols „Single Dollar“ von 1982 und sein „Mick Jagger“ von 1975 gehören dazu, ebenso Roy Lichtensteins „Composition I“ von 1996. Warhol passt auch ins Konzept der jungen Geschäftsführer der Salzburger „2C for Art“-Galerie: Warhols Volkswagen aus der Serie „Ads“ von 1985 haben sie ebenso auf die Messe gebracht wie von Robert Indianas „The Book of Love“ von 1996, eine von 200 edierten vollständigen Mappen.
Der Schwerpunkt von Christian Gschwandtner und Christoph Haas ist aber konsequent heutig: Mit der Verpflichtung von Joseph Klibansky bringen sie nach eigenen Worten einen „zeitgenössischen Ausnahmekünstler“ nach Salzburg, der einen völlig eigenständigen Zugang zur Kunst entwickelt hat. Der 1984 in Südafrika geborene Niederländer versteht sich als „New Media Artist“. Seine großformatigen Werke wie „Parade of Chance“ von 2012 basieren auf digitaler Fotografie: Hunderte von Bildern werden digital zusammengefügt, auf Baumwollpapier gedruckt, mit Acrylfarbe und fluoreszierender Tinte übermalt und dann mit flüssigem Harz überzogen. Surreale Traumwelten in leuchtenden Farben entstehen so, thematisieren den Lebensraum Stadt, der oft in der Ästhetik von Computerspielgrafik oder Science-Fiction-Illustrationen verfremdet wird. Auch in ihren Galerieräumen in der Rainerstraße 4 in Salzburg zeigen die Macher von „2C for Art“ bis 14. September Werke Klibanskys.
Noch mehr Zeitgenössisches: Das von Birgit Fraisl vor fünf Jahren gegründete Artdepot in Innsbruck zeigt in einer Einzelrepräsentation aktuelle Arbeiten von Wilhelm Scherübel. In Radstadt 1961 geboren, hat der Künstler 2005 den Großen Salzburger Kunstpreis bekommen, hat 2011 an der Biennale in Venedig teilgenommen und bekam zur laufenden Biennale eine Sonderschau im Palazzo Bembo. Scherübel macht die Natur gleichsam zur gleichberechtigten Partnerin seiner Kunst: Bei seinen großformatigen „Minusaquarellen“ lässt er etwa das Winterklima auf die Aquarell- und Tuschebemalung wirken. Die Kälte verändert die Farben und treibt „Eisblumen“, die nach der Trocknung zum Werk gehören. Künstlerische Kreativität und natürlicher Entstehungs- oder Verfallsprozess werden in eine spannungsvolle Relation gesetzt; das Werk entsteht aus einem Miteinander von gezielter Gestaltung und zufälligem Werden.
Die Art Salzburg ist bis 18. August täglich von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 15, ermäßigt 10 Euro. Zur Messe hat die Veranstalterin art-port GmbH Wien ein Magazin herausgebracht. Das „Art Salzburg International Fine Art Fair Magazine“ ist in der Messe frei erhältlich.
Art Salzburg
Residenz Salzburg
Residenzplatz 1
A-5020 Salzburg
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