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Am Strand Liegende, 1923 / Erich Heckel

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Sommertag im Moor, um 1928 / Otto  Modersohn

Sommertag im Moor, um 1928 / Otto Modersohn
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Garten mit Rittersporn, Rudbeckia, Mohn und Mergeriten / Klaus Fußmann

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Journal

Beaufort04: Die Triennale für Gegenwartskunst in Belgien

Kunst entlang der sommerlichen Küste



Eine der schönsten Arbeiten von Beaufort04 steht nicht mehr. Der finnische Öko-Architekt Marco Casagrande hatte mit Hilfe von engagierten jungen Architekten und professionellen Weidenflechtern einen vierzig Meter langen, rund acht Meter hohen begehbaren Weidenschlauch geflochten, der sich durch die Dünen von Wenduine wand. Leider hat der Sturm, der Anfang Juni über die belgische Küste hinwegfegte und dem Besucher den Sand um die Ohren blies, das filigrane Gebilde auf einigen Meter eingedrückt, so dass eine Begehung nicht mehr möglich ist. Poetisch hat Casagrande mit seinem „Sandworm“ auf die Umgebung reagiert und dem Küstenstreifen ein Spiel aus Licht und Schatten, Ausgeliefertsein und Schutz, Wind und Behausung eingeschrieben.


Da hätte man sich doch mal eher mit der Windstärkenskala des Sir Francis Beaufort befassen müssen, denn immerhin ist er Namensgeber der alle drei Jahre an Belgiens Nordseeküste stattfindenden Triennale für zeitgenössische Kunst „Beaufort“. In Zeiten immer knapper werdender Mittel wird auch die Reparatur von Marco Casagrandes „Sandworm“, die nun ansteht, nach Sponsoren und Freiwilligen fragen. Hatte Beaufort einst 5 Millionen Euro für die Triennale zur Verfügung, so muss sie in diesem Jahr mit 3,5 Millionen Euro auskommen. Das mag vielleicht ein Grund dafür sein, warum die Künstlerauswahl nur aus Europäern besteht.

Knokke, der vornehmste der zehn belgischen Badeorte, hat sich in diesem Jahr – und das ist eher weniger vornehm – nicht mehr als künstlerische Spielwiese zur Verfügung gestellt. Zur Begründung gab man an, dass man die Kunstwerke, die für Knokke vorgesehen waren, zu schlecht fand. Das ist verwunderlich, da doch alle Gemeinden ein Mitspracherecht haben. Ob nun mehr für die restlichen Badeorte an der See übrig bleibt, ist leider nicht mehr nachzuvollziehen. Dabei zieren seit 2003 schon einige Kunstwerke die Küstenstreifen und sind der Grundstein für einen dauerhaften Skulpturenpark.

Für den deutschen Urlauber ist Belgiens Küste eine einzige Hochburg an allen Bausünden, die man sich für eine reizvolle Landschaft vorstellen kann. Hier reiht sich Hochhaus an Hochhaus der Uferpromenaden entlang. Und schaut man auf den Strand, sieht man merkwürdige Häuschen, im Sommer von Familien umlagert, die darin ihr Strandgut für einen Sommer bewahren. Hat man sich an diesen Anblick gewöhnt, dann kann man problemlos mit einem hervorragend gemachten Kunstführer in handlichem Format auf Entdeckungsreise gehen und den Reiz dieser Küste und seiner „neuen“ Kunst genießen.

Gab es in der ersten Triennale noch viele Arbeiten, vor allem Gemälde, in Kirchen und öffentlichen Gebäuden, ist dies fast zur Gänze verschwunden. Als einer der wenigen Teilnehmer setzt Hans Op de Beeck, belgischer Künstler von Weltruhm, auf einen Innenraum. In Nieuwpoort entdeckte er ein kleines, ziemlich verstecktes Munitionslager, das Bommenvrij, das ihn zu einer ausgedehnten Installation inspirierte. Seine düstere Raumskulptur „Location (8)“ ist getragen von Elementen des „film noir“ und nächtlicher Volksrituale. In Schwarz eingehüllt und nur zaghaft von ein paar Glühbirnen erleuchtet, läuft man auf einem schwarzen Steg zu einer Insel aus Kerzen und einem Sitzraum, der konisch geformt ist. Hier kann man den Raum und die dazu komponierte Musik auf sich wirken lassen und in einen Ort im Nirgendwo eintauchen. An seiner Serie „Location“ arbeitet Hans Op de Beeck kontinuierlich seit zwölf Jahren.

Ebenso bekannt wie de Beeck ist Nedko Solakov, spätestens seit die Documenta 13 ihre Tore geöffnet hat. Der gebürtige Bulgare, der schon auf der Biennale von Venedig ausstellte, ist ein Mann der leisen, aber hintersinnigen Töne. Auch Solakov hat sich für seine Kunst eine Behausung gesucht. In der prächtigen, dem Verfall heimgegeben Jugendstilvilla Hurlebise inmitten von Nieuwpoort hat er „The Mumbling House“ entstehen lassen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, macht man sich daran, humorige Sprüche, kleine Männchen an Galgen rund um abgerissene Tapeten, alte Holzpaneele und kaputte Sanitäranlagen aufzustöbern. Um ein rundes Loch inmitten einer prachtvollen Kaminverleidung hat er James Ensor eine Widmung geschrieben: „A James Ensor still-life lives here.“ Doch Solakovs ironische Kommentare auf das Zeitgeschehen und die Kunstwelt gibt es nur bis zum Kunstsommerende. Dann wird die Villa einer neuen Bestimmung zugeführt und nach erfolgreicher Renovierung dem Fremdenverkehrsverein als neues Domizil dienen.

Am Strand von Middelkerke/Westende fällt einem erstmal das Grand Hôtel Bellevue auf, das durch seine Belle Époque-Architektur von Octave van Rysselberghe, dem Bruder des berühmten belgischen Malers Théo van Rysselberghe, den Blick vom Meer ablenkt und auf diesen ungewöhnlichen Rundbau fixiert. In direkter Nachbarschaft zum Hotel hat der Lette Ivars Drulle zwei große, von Großvaters Hörrohr inspirierte Trichter gesetzt. Eine Frauenfigur davor scheint den Tönen zu lauschen, die aus den Tuben kommen. Der Besucher soll es dieser Skulptur nachtun und ebenfalls – quasi mit Verstärker – auf die Töne des Meeres achten. In der Ferne sieht man den „Caterpillar“ von Wim Delvoye, errichtet zu Beaufort01, ein Riesenkran in filigraner Struktur. Damit protestierte Delvoye gegen die Verschandelung der Seeküste. Trotz der Mahnung gefiel die Arbeit der Stadt und blieb stehen. Vier Kilometer weiter liegen Magdalena Abakanowicz „Two Corten Armours“, zwei überdimensionierte Stahlschädel am Übergang zwischen Düne und Strand, die als Träger von Instinkten und Gefühlen den Intellekt überwältigen.

Weiter nach Koksijde, wo der litauische Künstler Zilvinas Kempinas 300 Aluminiumstäbe so in die höchste Düne an Belgiens Küste implantiert hat, dass sie mit den natürlichen Gräsern und Sträuchern ein gekonntes Zusammenspiel im Wechsel zwischen Bewegung und Licht bieten. In der Abtei Ten Duinen, ebenfalls in Koksijde, hat der spanische Bildhauer Jaume Plensa die überdimensionierte menschliche Gestalt „Yorkshire Soul I“ gesetzt, die er aus Schriftzeichen verschiedener Sprachen umrisshaft gebildet hat. Sie soll den Betrachter zu inneren Einkehr und zum Dialog mit sich selbst animieren.

Belgiens Kunstwege entlang der Küste sind zu einem Anziehungspunkt für das Publikum im sommerlichen Europa geworden. Der Imageschub scheint zu funktionieren. Die Auswahl der Künstler und der Kunstwerke setzt auf Vielfalt. Trotz des kleineren Budgets wurden die Arbeiten heuer präziser für ihren jeweiligen Standort entwickelt. Immer wieder verbleiben Kunstwerke vor Ort, weil sich die öffentliche Hand für einen Ankauf entschließt oder Sponsoren der Künstler das Werk vor Ort halten. Jan Fabres Schildkröte ist dafür ein Beispiel, ebenso wie Daniel Burens Installation „Der Wind weht, wo er will“. Ungefähr 200 Künstler bewerben sich zu jeder Triennale, 30 werden dann eingeladen. Jannis Kounellis, Erwin Wurm, Jeppe Hein, Gregory und Cyril Chapuisat oder Michael Johansson, um noch einige zu nennen, garantieren die Qualität für das Sommerevent, das im Namen zwei bezeichnende Adjektive vereint: „beau“ für „schön“ und „fort“ für stark.

Die Ausstellung „Beaufort04“ ist bis zum 30. September an der belgischen Küste von De Panne bis Zeebrugge zu besichtigen. Die meisten Kunstwerke sind an öffentlichen Orten kostenlos zugänglich. Die Küstenbahn fährt für 5 Euro die gesamte Strecke ab. Jeden Dienstag- und Donnerstagnachmittag findet eine geführte Busfahrt für 35 Euro statt. Der Kunstführer kostet 7 Euro.

www.beaufort04.be



15.07.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marianne Hoffmann

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