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Marktberichte |
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Auch mit europäischer Salonkunst des 19ten Jahrhunderts kann man in New York viel Geld verdienen. Das zeigte sich bei Sotheby’s  Großes Meeting

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 |  | Lawrence Alma-Tadema, The Meeting of Antony and Cleopatra: 41 BC, um 1883 | |
Das teuerste Kunstwerk in der großen New Yorker Auktionswoche Anfang Mai war keine Arbeit des Impressionismus oder der klassischen Moderne, wie es sonst üblich ist, sondern ein Gemälde eines viktorianischen Salonheroen. Unerwartet kämpften zwei Telefonbieter bei Sotheby’s acht Minuten lang um Lawrence Alma-Tademas gar nicht mal so große Tafel „The Meeting of Antony and Cleopatra: 41 BC“, bis aus der Schätzung von 3 bis 5 Millionen Dollar immerhin das erkleckliche Sümmchen von 26 Millionen Dollar wurde. Und wie schon im vergangenen November, als Sotheby’s mit „The Finding of Moses“ bei 32 Millionen Dollar reüssierte, war es auch diesmal ein Paradebeispiel aus Alma-Tademas Schaffen. Leicht schwülstig, aber nicht zu übertrieben, mit einem Anflug von Erotik und seiner Detailfreude hat er sich die erste Zusammenkunft zwischen Antonius und Cleopatra im Jahr 41 vor Christus auf dem Mittelmeer in zwei reich geschmückten Barken ausgemalt. Kein Wunder also, dass diese für das antike Rom so bedeutende geschichtliche Genreszene nicht unbeachtet liegenblieb und für brutto 29,2 Millionen Dollar in neue Hände ging.
Während seiner Flitterwochen in Italien entdeckte Lawrence Alma-Tadema 1863 für sich die griechische, römische und ägyptische Antike und malte danach fast ausschließlich Motive aus diesem Themenkreis. Mit seinen historischen Idyllen und nachempfundenen Szenen aus dem antiken Alltagsleben traf er den Geschmack der englischen Gesellschaft. Er huldigte einer fantastischen Antikensehnsucht, beschwor die Prachtentfaltung, den Luxus, aber auch die Dekadenz der alten Welt und mischte immer etwas für die Sinne hinzu. Der äußerlich prüden viktorianischen Epoche muss beim Anblick seiner vielen leicht bekleideten Figuren wohl ein angenehmer Schauder über den Rücken gelaufen sein. Drei Frauen, die sich in ihrer hohen ummauerten Loggia leidenschaftlich nach einem Mann sehnen, sind denn auch Thema seines Gemäldes „Who is it?“. Es erzielte 270.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 200.000 USD). Fast schon bieder nehmen sich dagegen die griechischen Schönheiten aus, die John William Godward 1921 mit namens „Eurypyle“ für 460.000 Dollar (Taxe 350.000 bis 550.000 USD) und Frederick Goodall 1890 in Form eines antikisierenden Portraits von „Mrs. Charles Kettlewell“ für 85.000 Dollar auf die Leinwand bannten (Taxe 100.000 bis 150.000 USD).
Die technisch brillante, manchmal aber auch etwas kitschige Salonmalerei war am 5. Mai beim New Yorker Publikum insgesamt beliebt und sorgte bei Sotheby’s für einen Bruttoumsatz von 44,7 Millionen Dollar. Wertmäßig lag die Verkaufsquote bei 87,2 Prozent, bezogen auf die Anzahl der Lose bei 66 Prozent. So konnten sich etliche der süßlichen historistischen Genreszenen gut behaupten: Edmund Blair Leightons „Ribbons and laces for very pretty faces“ von 1902 bei 320.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 225.000 USD), Louis Marie de Schryvers „Marché au XVIIIè siècle“ von 1900 bei 200.000 Dollar (Taxe 120.000 bis 150.000 USD) oder Vittorio Reggianinis nachgestellte rokokohafte „Bewunderung“ für 170.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 200.000 USD).
Auf der anderen Seite taten sich die Realisten mit ihren sozialkritischen Werken etwas schwer. Trotz ihrer natürlichen Schönheit konnte die „Jeune Fille gardant des vaches“ von Jules Breton aus dem Jahr 1871 niemand begeistern. 1 bis 1,5 Millionen Dollar waren aber auch ein stolzer Preis. Seine schlichtere „Jeune moissonneuse endormie sur des gerbes de blé“ von 1866 fand bei 200.000 bis 300.000 Dollar ebenfalls keine Freunde. So blieb es Fernand Pelez vorbehalten, mit seiner freudlosen und wenig zuversichtlichen Schauspielertruppe den preislichen Höhepunkt bei dieser Stilrichtung zu markieren. Sein Gemälde „Grimaces et misères, Les saltimbanques“ von 1888, das heute im Musée du Petit Palais in Paris hängt, gilt als sein Hauptwerk. Die um die Hälfte kleinere, aber immer noch drei Meter breite Wiederholung von ihm und seinen Ateliermitarbeitern erzielte nun 410.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD).
Ihm folgten Julien Dupré mit seinem Bauernvolk bei der Heuernte für 85.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD), Léon Augustin Lhermitte mit seinem ebenfalls bäuerlichen Pastell „Repos, effet de grand soleil, moissonneur endormi, Mezy“ bei 55.000 Dollar (Taxe 40.000 bis 60.000 USD) oder Jean-François Raffaëlli mit einem ärmlichen „Bûcheron“ bei 140.000 Dollar (Taxe 180.000 bis 220.000 USD). Dann kam doch noch ein wenig Schwung ins Auktionsgeschehen, als Emile-Auguste Hublin mit seinem Ölgemälde „Le chemin du marché, Finistère“ antrat und überraschend seinen neuen Auktionsrekord von 190.000 Dollar dafür kassierte. Doch der Franzose hatte die beiden anmutigen Bauernkinder 1878 fast fotorealistisch so berückend auf die Leinwand gebracht, dass es nicht bei den 60.000 bis 80.000 Dollar blieb.
Doch die vorwiegend amerikanischen Käufer setzten ihr Geld hauptsächlich für die Klassiker der akademischen Salonmalerei ein. Allein William Adolphe Bouguereau schickte acht Gemälde in die Auktion und konnte sechs davon absetzten. An erster Stelle platzierte sich sein liebevolles Mutterbild „Les Oranges“ in südländischem Zuschnitt bei 1,15 Millionen Dollar (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen USD), dann seine noch kindlich sanfte Schönheit unter dem Titel „Le livre d’heur“ von 1867 bei taxgerechten 450.000 Dollar. Eugen von Blaas überzeugte die Bieter mit einer jungen venezianischen Frau in der „Betrachtung“ von 1893 zu 130.000 Dollar (Taxe 70.000 bis 90.000 USD), Gaetano Bellei mit seinen beiden Liebreizenden an einem „Stürmischen Tag“ zu 110.000 Dollar (Taxe 50.000 bis 70.000 USD) und Marie-François Firmin-Girard mit dem herbstlichen Spaziergang einer vornehmen Runde im „Jardin de la Marraine“ von 1875 zum neuen Spitzenpreis von 260.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 250.000 USD). Etwas schwer tat sich Jean Richard Goubie mit seinem kinder- und tierreichen Zoobild „L’après-midi du dimanche au Jardin d’Acclimatation“. Dennoch sind die 550.000 Dollar auch hier der neue Auktionsrekord (Taxe 700.000 bis 1.000.000 USD).
Fast ein etwas ironisches Zeugnis einer Künstlerfreundschaft ist Pascal-Adolphe-Jean Dagnan-Bouverets Portrait des Malers Gustave Courtois, der sich süffisant in seinem Atelier neben einer Kundin etwas lümmelhaft aufs Sofa fläzt. Der Titel des Bildes „Bouderie“, also „Schmollen“, könnte Ausdruck der vertrackten Beziehung zwischen der schwarz gekleideten Dame und dem Künstler sein. Nachdem das 1880 entstandene Frühwerk Dagnan-Bouverets schon im Oktober 2007 bei Christie’s mit 130.000 Dollar das Siegertreppen in dessen Auktionsranking erklommen hatte, hat es sich selbst jetzt noch einmal mit 260.000 Dollar übertrumpft (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Einfacher geht da Sir Alfred James Munnings in seinem Bildnis seines Kollegen „Maurice Codner sketching by the bridge at Wiston“ ans Werk. Es will nichts als das heitere, spätimpressionistische Abbild des Malers sein. 550.000 Dollar wurden gezahlt (Taxe 300.000 bis 400.000 USD).
Die britische, symbolistische Malerei der Präraffaeliten vertraten John Melhuish Strudwick mit seinem Lebenszeitenbild „Passing Days“ von 1878 für 340.000 Dollar (Taxe 300.000 bis 400.000 USD) und Anthony Frederick Augustus Sandys mit seiner energisch an einem Blumenstrauß beißenden Rotgelockten in „Love’s Shadow“. Auch hier sind die 410.000 Dollar nach den 115.000 Pfund, die für die unglücklich Liebende 2003 bei Christie’s in London gezahlt wurden, der aktuelle Höchstpreis (Taxe 300.000 bis 500.000 USD). Keinen Anklang fand dagegen der französische Symbolist Gustave Moreau mit seiner religiös inspirierten Gouache „Les Épreuves“ bei 600.000 bis 800.000 Dollar.
Als einziger Deutscher war Adolph von Menzel mit seinem Realismus in New York zugegen, der sich in einem Studienblatt mit mehreren Männern im Profil für 20.000 Dollar (Taxe 25.000 bis 35.000 USD) und vor allem einem nicht mehr ganz so frischen Paar im Eisenbahncoupé „Nach durchfahrener Nacht“ äußerte. Die Gouache von 1851 erreichte 210.000 Dollar (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Aus Dänemark trat Carl Holsøe mit dem wundervoll unprätentiösen Interieur „Mutter und Kind am Tisch“ für 95.000 Dollar hinzu (Taxe 40.000 bis 60.000 USD), aus Italien Federico Zandomeneghi mit dem koloristisch aufbrausenden Pastell „Enfant jouant à la poupée“ für 270.000 Dollar (Taxe 150.000 bis 200.000 USD).
Vor dem Ende der Auktion machte sich die Schule von Barbizon mit zwei ihrer wichtigsten Vertreter bemerkbar. Gustave Courbet steuerte eine unspektakuläre Strandszene am Abend mit einsamem Boot zur unteren Schätzung von 300.000 Dollar bei, Jean-Baptiste Camille Corot drei Frauenschilderungen verschiedener Altersgruppen für bis zu 600.000 Dollar, von denen aber keine übernommen wurde, und seine bezaubernden duftigen Landschaften. „Un torrent des Abruzzes“ mit einem Mann im Gebirgsbach kam auf 170.000 Dollar (Taxe 120.000 bis 150.000 USD), „La danse des trois bergères (soir)“ mit flötespielendem Hirtenknaben auf 230.000 Dollar (Taxe 100.000 bis 150.000 USD) und die in unterschiedlichen Grüntönen schimmernde „Allée verte“ mit Ausblick auf ein Dorf auf 600.000 Dollar (Taxe 600.000 bis 800.000 USD).
Eine Skulpturensammlung, die noch einmal das technische Können, aber auch die inhaltliche Vordergründigkeit und das oftmals Gesuchte der Salonkunst eindrucksvoll präsentierte, setzte den Schlusspunkt der Versteigerung. Da nicht alles in neue Hände überging, fand sich Joseph Michel Ange Pollets schwebender Marmorakt „Une heure de la nuit“ von 1853 mit 600.000 Dollar an Platz 1 wieder (Taxe 200.000 bis 300.000 USD). Soviel Fortune war Max Blondats überlebensgroßem Brunnen mit drei Kindern, die gespannt und freudig auf drei Frösche am Beckenrand niederblicken, nicht beschieden. Wenigstens erreichte die „Fontaine aux grenouilles“ von 1907 noch die untere Schätzung von 300.000 Dollar.
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Sotheby’s New York 945 Madison Avenue US-NY 10021 New York |
 | Telefon:+1 (212) 606 70 00 | Telefax:+1 (212) 606 71 07 |  |  | Startseite: www.sothebys.com |
21.08.2011 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |  |
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 |  | Weitere Inhalte: Gesamt Treffer 32 | Seiten: 1 • 2 • 3 • 4
 Events (1) • Adressen (1) • Kunstwerke (30) |  | •  | Veranstaltung vom: 05.05.2011, 19th Century European Art including an Important Collection of Sculpture |  | •  | Bei: Sotheby's
|  | •  | Kunstwerk:  William Adolphe Bouguereau, Le livre d’heur, 1867 |  |  | •  | Kunstwerk:  Adolph von Menzel, Studien männlicher Köpfe im Profil |  | •  | Kunstwerk:  Jean-François Raffaëlli, Le bûcheron |  | •  | Kunstwerk:  Federico Zandomeneghi, Enfant jouant à la poupée |  |  | •  | Kunstwerk:  Edmund Blair Leighton,
Ribbons and laces for very pretty faces, 1902 |  | •  | Kunstwerk:  Vittorio Reggianini, Die Bewunderung |  | •  | Kunstwerk:  Lawrence Alma-Tadema, Who ist it? (Inquisitive) |  |  |
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 Jean-François
Raffaëlli, Le
bûcheron |  | Taxe: 180.000 - 220.000 USD Zuschlag: 140.000,- USD Losnummer: 50 |  |  |  |  |  | 
 William Adolphe
Bouguereau, Les
Oranges, 1865 |  | Taxe: 1.400.000 - 1.800.000 USD Zuschlag: 1.150.000,- USD Losnummer: 23 |  |  |  |  |  | 
 William Adolphe
Bouguereau, Le livre
d’heur, 1867 |  | Taxe: 450.000 - 550.000 USD Zuschlag: 450.000,- USD Losnummer: 25 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Baptiste
Camille Corot, La
danse des trois
bergères (soir) |  | Taxe: 100.000 - 150.000 USD Zuschlag: 230.000,- USD Losnummer: 85 |  |  |  |  |  | 
 Jean Richard Goubie,
L’après-midi du
dimanche au Jardin
d’Acclimatation,
1882 |  | Taxe: 700.000 - 1.000.000 USD Zuschlag: 550.000,- USD Losnummer: 38 |  |  |  |  |  | 
 Adolph von Menzel, Im
Eisenbahncoupé
(Nach durchfahrener
Nacht), 1851 |  | Taxe: 200.000 - 300.000 USD Zuschlag: 210.000,- USD Losnummer: 37 |  |  |  |  |  | 
 Federico
Zandomeneghi,
Enfant jouant à la
poupée |  | Taxe: 150.000 - 200.000 USD Zuschlag: 270.000,- USD Losnummer: 52 |  |  |  |  |  | 
 Jean-Baptiste
Camille Corot, Un
torrent des Abruzzes |  | Taxe: 120.000 - 150.000 USD Zuschlag: 170.000,- USD Losnummer: 88 |  |  |  |  |  | 
 Anthony Frederick
Augustus Sandys,
Love’s Shadow |  | Taxe: 300.000 - 500.000 USD Zuschlag: 410.000,- USD Losnummer: 69 |  |  |  |  |  | 

Pascal-Adolphe-Jean
Dagnan-Bouveret,
Bouderie (Gustave
Courtois in seinem
Atelier), 1880 |  | Taxe: 200.000 - 300.000 USD Zuschlag: 260.000,- USD Losnummer: 41 |  |  |  |  |  | 
 Frederick Goodall,
Mrs. Charles
Kettlewell, 1890 |  | Taxe: 100.000 - 150.000 USD Zuschlag: 85.000,- USD Losnummer: 68 |  |  |  |  |  | 
 Gustave Courbet,
Strandszene mit Boot |  | Taxe: 300.000 - 500.000 USD Zuschlag: 300.000,- USD Losnummer: 81 |  |  |
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