Joakim Eskildsens Begegnungen mit den Roma Es ist ein lobens- und lohnenswertes Unterfangen, einer bisher an den Rand gedrängten und kaum wahrgenommenen Volksgruppe ein bleibendes Gesicht zu geben. Der dänische Fotograf Joakim Eskildsen hat zwischen 2000 und 2006 Familien der Roma in Ungarn, Indien, Griechenland, Rumänien, Frankreich, Russland und Finnland besucht und sie in seiner fast 300 Arbeiten umfassende Serie „Die Romareisen“ ins öffentlichen Bewusstsein geholt. Die Kunsthalle Emden stellt daraus nun eine Auswahl vor. Die Roma werden gemeinsam mit Sinti, Calé und weiteren Volksgruppen verallgemeinernd als „Zigeuner“ bezeichnet. In ihrer Gesamtheit bilden sie die größte ethnische Minderheit Europas. In der Vergangenheit wurden die Roma immer wieder degradiert und verjagt, gar versklavt und ermordet. Auch heute noch erfahren sie vielfältige Diskriminierungen. Jeweils mehre Monate lang lebte Joakim Eskildsen gemeinsam mit seiner Frau, der Schriftstellerin Cia Rinne, mit den Roma zusammen und teilte ihren Alltag. Die während dieser Reisen entstandenen, teils farbigen und teils schwarzweißen Fotografien sind persönliche Dokumente der Begegnung, die einen Einblick in das Leben und die ganz eigene Kultur der Roma geben. Nach sechs Jahren Arbeit hat der Verleger Gerhard Steidl ihre Bilder und Texte zu dem Buch „Die Romareisen“ gebündelt.
Durch das Kameraauge beobachtet Joakim Eskildsen die Menschen interessiert, freundschaftlich und vor allem weltoffen, ohne voyeuristisch zu werden. Er gewinnt ihr Vertrauen, so dass sie ihm offen und unbefangen gegenübertreten. In seinen ebenso eindrücklichen wie ästhetischen Porträts, Interieurs und Landschaften vereinen sich dokumentarische und künstlerische Qualität. Sie zeigen eine archaische Welt, die nichts mit der hektischen, konsumorientierten Mediengegenwart des Westens zu tun hat. Die Roma möchten zwar integriert, jedoch nicht assimiliert werden, denn Tradition, Familie und Identität sind für sie von besonderer Bedeutung. „Ich mag das nicht verallgemeinern für alle Roma“, sagt Eskildsen, „aber was wir erlebt haben, waren Menschen, die glücklich waren, zufrieden mit ganz einfachen Dingen; aber: den wesentlichen Dingen.“
Die Ausstellung „Joakim Eskildsen – Die Romareisen“ ist bis zum 10. Januar 2010 zu sehen. Die Kunsthalle ist dienstags bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr, an jedem ersten Dienstag im Monat von 10 bis 21 Uhr geöffnet. Am 23., 24., 25. und 31. Dezember ist die Kunsthalle geschlossen. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Ausstellungskatalog „Die Romareisen“ umfasst 416 Seiten mit 237 meist farbigen Abbildungen. Er ist als Hardcoverausgabe im Steidl Verlag und kostet im Museum 60 Euro.
Kunsthalle Emden
Hinter dem Rahmen 13
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