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Marktberichte |
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Koller brilliert vor allem mit Alten Meistern  Blumen zum Fest

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 |  | Ambrosius Bosschaert d.Ä., Blumenstillleben mit Schmetterlingen und Muschel, um 1608 | |
Nicht alle Blumensträuße konnte das Schweizer Auktionshaus Koller zur Jubiläumsauktion am 19. September in Zürich gleichsam so verschenken wie das Bouquet in einer ornamentierten Metallvase aus dem Umkreis Georg Flegels für 85.000 Franken (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Für eine malerische Neuentdeckung des Ambrosius Bosschaert d.Ä. musste es schon etwas mehr sein. Schließlich hatte Koller auf sechs Katalogseiten detailliert ausgeführt, welch seltene Blumensorten auf diesem wohl 1608 entstandenen Werk verewigt sind, und sich intensiv über den Rang dieser mit 26 mal 18 Zentimeter nachgerade winzigen Kupfertafel im Schaffen des berühmten, aber nur durch wenige Werke überlieferten Künstlers Gedanken machen lassen. Doch sogar die anvisierten 2,5 bis 3,5 Millionen Franken waren noch zu wenig: Punktgenau bei 5 Millionen Franken schlug Cyril Kollers Hammer aufs Pult, mit Aufgeld musste der siegreiche britische Kunsthändler im Namen eines englischen Sammlers sogar rund 5,77 Millionen Franken auf den Tisch blättern. Das ist Bosschaert-Rekord nach rund 1,9 Millionen Pfund von Sotheby’s im Juli 2002, das ist auch Koller-Rekord und schließlich sogar der dritthöchste Preis auf dem ganzen Schweizer Auktionsmarkt.
Alte Meister
Ohnehin hielten sich die Bieter bei dieser herausragenden Auktion zum fünfzigjährigen Bestehen des Hauses seltener an die preislichen Vorgaben der Experten als sonst. Gut, dass meist über- als unterboten wurde, fiel doch die Zuschlagsquote nach Losen mit 53,5 Prozent nicht so hoch aus wie sonst. Schon zu Beginn machte eine veneto-adriatische Darstellung des Erzengels Michael aus dem frühen Quattrocento auf sich aufmerksam, die für 145.000 Franken den Besitzer wechselte (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR), oder gleich darauf „HK“ – mehr als diese Initialen ist über den Antwerpener Maler leider nicht bekannt, der sein stilsicheres Triptychon mit der Anbetung der Könige für 180.000 Franken abgab (Taxe 80.000 bis 140.000 SFR). Die obere Grenze von 150.000 bis 200.000 Franken streifte Bartholomäus Bruyn d.Ä. mit seinem Portraitdiptychon eines bürgerlichen Ehepaares wohl aus Köln mit einer eindringlichen Memento Mori-Darstellung auf der Rückseite. Erfolglos waren dagegen Abraham Mignons ausgezeichnet erhaltenes Stillleben mit Blumen und Getier in einer Grotte (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen SFR) sowie ein anmutiges, mit 250.000 bis 350.000 Franken aber etwas überteuertes Blumenbouquet Isaac Soreaus. Dafür verabschiedete sich Mignons Blumengehänge mit blauer Schleife bei 58.000 Franken (Taxe 35.000 bis 45.000 SFR).
Gelegentlich war man am Handfesten interessiert. Blieb Pieter Breughels d.J. fröhlicher Hochzeitstanz im Freien mit derbem Bauernvolk noch unveräußert (Taxe 600.000 bis 800.000 SFR), so wurde während seines Bauernstreits beim Kartenspiel von 1620 ordentlich zugelangt: 700.000 Franken, immerhin die untere Taxgrenze, kamen dabei heraus. Strafrelevant dürfte auch Jupiters Kindesentführung des Knaben Ganymed sein, allerdings dürfte es der Justiz schwer fallen, den Gott in seiner Adlergestalt zu identifizieren und dingfest zu machen. Das große Gemälde aus einer römischen Schule um 1630/40, das die Szene in monumentaler Einfachheit präsentiert, wurde ob seiner hohen malerischen Qualität und kompositorischen Großzügigkeit ganz zu Recht weit über der Taxe mit 210.000 Franken honoriert (Taxe 30.000 bis 40.000 SFR). Denselben Preis erlegte Karel de Moors schlafende Diana, umgeben von ihrer Beute, aus dem Jahr 1698 (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR).
Die flämische Malerei war mit Frederick van Valckenborch Turmbau zu Babel, 1608 in einem fast drei Meter breiten Format festgehalten, prominent vertreten. Aber niemand wollte die mindestens geforderten 250.000 Franken zahlen; schon bei 185.000 Franken stoppten die Gebote. Jan Breughel d.J. und Hendrik van Balen hatten es da besser. Ihre bukolische Szene mit Diana und ihren Nymphen, belauscht von einigen Satyrn, schnitten mit 85.000 Franken wie erwartet ab. Gillis Claesz de Hondecoeter, zwar in Antwerpen geboren, dann aber doch in Amsterdam tätig, malte dann etwas schlichter eine einfache bewaldete Landschaft mit Dorf und zwei Wanderern für gute 36.000 Franken (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR), wie auch Jan Wynants eine weite Landschaft mit kleiner Viehherde für 14.000 Franken (Taxe 12.000 bis 18.000 SFR). Als letzte Position der Alten Meister raste ein Stillleben mit Pfirsichen in einer blauweißen Porzellanschale aus dem Umkreis Jacob van Hulsdoncks von 5.000 auf 70.000 Franken.
Giovanni Paolo Paninis Architekturfantasien fanden diesmal für bis zu 190.000 Franken keinen Anklang, ebenso wenig wie der Bologneser Barockmaler Aureliano Milani mit dem Werk „Christus mit der Samariterin am Brunnen“ (Taxe 88.000 bis 140.000 SFR). Luca Giordanos heiliger Eremit Paulus gefiel bei 70.000 Franken (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), der heilige Hieronymus, bewegt gemalt von einem Meister aus dem Umkreis Jusepe de Riberas, bei taxgerechten 30.000 Franken und ebenso Carlo Innocenzo Carlones Modello für ein Deckengemälde über die Heilige Dreifaltigkeit.
Die Maler des späteren 18ten Jahrhunderts mussten sich meist mit kleineren Preisen bescheiden, es sei denn sie hießen Bernardo Bellotto oder stammten aus seinem Umkreis und malten venezianische Veduten. Dann konnten – bei Koller in gleich zwei Fällen – 150.000 und 200.000 Franken dabei herausspringen (Taxen zwischen 25.000 und 70.000 SFR). 165.000 und 160.000 Franken lauteten die letzten Gebote für zwei Gemälde des frühklassizistischen Franzosen Claude Joseph Vernet, der die Erwartungen dadurch ebenso erfüllte wie sein deutschitalienischer Nachfolger Jakob Philipp Hackert mit seinem Blick auf Balsorano im Tal von Roveto für 80.000 Franken oder Jean-Joseph-Xavier Bidauld mit einer italienischen Landschaft samt Tänzergruppe bei 60.000 Franken.
Neuere Meister
Bogdan Pavlovich Villevalde, Konstantin Egorovich Makovskij oder Johann Koler – so hießen die russischen Künstler, deren Werke zumindest preislich einmal mehr die Spitze der Neueren Meister bildeten: 260.000, 180.000 oder 220.000 Franken erzielten ihre technisch brillanten und auf eine bestimmte Käuferschicht anziehenden Werke – Landschaften oder Zarenportraits –, und das meist deutlich über den Schätzpreisen. Über allen aber stand auch diesmal wieder Ivan Konstantinovich Ajvazovskij, der mit nicht weniger als sechs sicheren Werken vertreten war, ein weiteres wurde ihm zugeschrieben. Nicht alle wurden verkauft, doch die großen Bilder waren kein Problem. 2,2 Millionen Franken zahlte man für eine romantisch verklärte italienische Küstenlandschaft aus dem Jahr 1878 (Taxe 2 bis 3 Millionen SFR), 850.000 Franken blieben für sein 1887 datiertes Segelschiff auf spiegelglatter Wasserfläche übrig (Taxe 500.000 bis 800.000 SFR). Das mit Spannung erwartete Frühwerk einer stürmischen See von 1843 enttäuschte dagegen (Taxe 500.000 bis 700.000 SFR).
Wie blass sahen dagegen die anderen Europäer aus! Magere 20.000 Franken schaffte Gerhard von Kügelgen mit seinem Bildnis eines jungen Adligen in rotem Rock – und dabei war es nicht einmal das schlechteste Werk dieses eher schriftstellerisch bedeutenden Mannes (Taxe 16.000 bis 24.000 SFR). Gar unveräußert blieben die beiden Biedermeierszenen des Schweizers Johann Jakob Biedermann für bis zu 120.000 Franken. Dafür reüssierte eine Bootsfahrt zum Markt von François Bocion bei 70.000 Franken (Taxe 60.000 bis 90.000 SFR). Eher unfreundlich angesehen wurden ferner die altmeisterlichen Niederländer, so Willem Koekkoek, Cornelis Springer, Andreas Schelfhout und Jan Kobell. Einzig Otto Eerelman schlug mit seiner Pferdekutsche im Schnee den namhaften Betrag von 96.000 Franken los (Taxe 70.000 bis 100.000 SFR), und Willem van Leen erreichte mit seinem Blumenstillleben samt Vogelnest 36.000 Franken (Taxe 35.000 bis 50.000 SFR).
Von den Franzosen fiel Vincent Courdouan mit einer südlichen Landschaft von 1852 für unerwartete 34.000 Franken auf (Taxe 6.000 bis 8.000 SFR), für Gustave Courbets „Scène de chasse dans une paysage de sous-bois“ von etwa 1867 blieben erwartete 30.000 Franken übrig. Der Deutsche Friedrich Voltz trieb seine 1884 datierte Kuhherde an einem Bach von 30.000 bis 40.000 auf 43.000 Franken, und Adolf Schreyers Beduinen an einer Tränke warteten auf die anvisierten 60.000 Franken. Auch der Schluss dieses Auktionsabschnitts, dessen Positionen zur Hälfte in neue Hände wanderten, gehörte wieder den Russen: Sage und schreibe 1 Million sowie 400.000 Franken spielten zwei Ikonenpaare Viktor Mikhailovich Vasnetsovs ein (Taxen zwischen 300.000 und 600.000 SFR), gefolgt von 305.000 Franken für eine Prozessionsikone des 14ten oder 15ten Jahrhunderts.
Grafik und Zeichnungen
Veritable Erfolge fährt Koller regelmäßig mit seiner anspruchsvollen Grafikofferte ein. Höhepunkt war am 20. September eine seltene Darstellung des Todes des heiligen Josef aus der Hand keines Geringeren als Giovanni Francesco Barbieri, genannt Guercino. Die in schwarzer Kreide und Rötel auf einem sauber quadrierten Blatt gezeichnete Szene von erstaunlicher Alltäglichkeit kam auf 85.000 Franken (Taxe 25.000 bis 40.000 SFR). Mit 11.000 Franken ebenfalls gut bezahlt wurde eine Tuschezeichnung Abraham Bloemaerts mit der Darstellung der stillenden Muttergottes unter Bäumen (Taxe 5.000 bis 7.000 SFR). Für bis zu 4.500 Franken wurden ferner drei Landschaften Allart van Everdingens vergeben (Taxen zwischen 1.500 und 3.000 SFR), 5.500 Franken kostete Hermanus Numans Flusslandschaft mit Anglern vor einem Schloss (Taxe 1.500 bis 2.000 SFR), und eine Landschaftsstudie Carl Ludwig Hackerts verdoppelte ihren Wert auf 2.400 Franken.
Teurer wurde es noch einmal für Giovanni Battista Tiepolos Geißelung Christi aus dem sogenannten Danziger Skizzenbuch – die 14.000 Franken erfüllten allerdings nicht ganz die Erwartungen – sowie für Jan van Goyens Landschaft mit zwei Bauern vor einem strohgedeckten Haus von 1644 für umso erfreulichere 20.000 Franken (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR). Aber auch hier blieb bei einer losebezogenen Zuschlagsquote von 46,5 Prozent einiges liegen, etwa Giuseppe Cesaris Rötelzeichnung einer Nymphe mit Putto und drei Satyrn (Taxe 15.000 bis 20.000 SFR), Benedetto Lutis Jünglingskopf in schwarzer Kreide (Taxe 16.000 bis 20.000 SFR) oder der Bettlerjunge aus dem Umkreis Jean-Antoine Watteaus (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Beim 19ten Jahrhundert reüssierten Eduard von Grützners Mönch mit Bierkrug für 5.000 Franken (Taxe 3.000 bis 4.000 SFR) und Georg Emanuel Opiz’ Aquarell eines Maharadscha mit Gefolge bei 4.000 Franken, der auf einem gar zu drolligen Elefanten reitet (Taxe 4.000 bis 6.000 SFR). Bis zu 30.000 Franken spielten einige Buchmalereien ein, die Koller am Samstagnachmittag präsentierte, so Bartolomeo di Giovanni Bossis um 1514 entstandene Initiale mit einer Beweinung Christi. Und schließlich ließ sich bei der Druckgrafik Albrecht Dürers Holzschnitt „Der heilige Christopherus“ erst bei 22.000 Franken aus dem Auktionshaus bitten (Taxe 12.000 bis 15.000 SFR).
Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld. |  | Kontakt: Koller Auktionen Hardturmstrasse 102 CH-8031 Zürich |
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23.09.2008 |
Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander |  |
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 Events (1) • Adressen (1) • Berichte (1) • Kunstwerke (68) |  | •  | Veranstaltung vom: 15.09.2008, Jubliäumsauktion: Kunst,
Antiquitäten und Bücher |  | •  | Bei: Koller Auktionen
AG |  | •  | Bericht: Melancholie und
Wahnsinn |  |  | •  | Kunstwerk:  John
Constable, Landschaftsstudie mit Schloss an einem See und Anglern |  | •  | Kunstwerk:  Eduard von Grützner, Mönch mit Bierkrug, 1906 |  | •  | Kunstwerk:  Josef Kriehuber, Porträt eines jungen Mannes, 1837 |  |  | •  | Kunstwerk:  Max Liebermann, Schreitender Mann, Rückenfigur, 1896 |  | •  | Kunstwerk:  Gustav Heinrich Naeke,
Studienmappe mit 4 Zeichnungen zu Dantes „Divina Commedia“ |  | •  | Kunstwerk:  Georg
Emanuel Opiz, Auf einem Elefant reitender Maharadscha mit Gefolge |  |  |
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 Willem van Leen,
Stillleben mit
Blumen und
Vogelnest, 1819 |  | Taxe: 35.000 - 50.000 SFR Zuschlag: 36.000,- SFR Losnummer: 3255 |  |  |  |  |  | 
 Abraham Bloemaert,
Maria unter Bäumen,
das Kind stillend,
1595-1600 |  | Taxe: 5.000 - 7.000 SFR Zuschlag: 11.000,- SFR Losnummer: 3417 |  |  |  |  |  | 
 Agostino Aglio,
„Burgruine an einem
See mit Reisenden an
einer Brücke“ und
„Arkadische
Landschaft mit
Schäfer und Herde' |  | Taxe: 1.800 - 2.500 SFR Zuschlag: 2.400,- SFR Losnummer: 3652 |  |  |  |  |  | 
 Ivan
Konstantinovich
Ajvazovskij, Schiff
auf stürmischer See,
1889 |  | Taxe: 110.000 - 160.000 SFR Zuschlag: 110.000,- SFR Losnummer: 3241 |  |  |  |  |  | 
 Joseph-Benoît
Suvée, Jungfrau
Maria |  | Taxe: 6.000 - 8.000 SFR Zuschlag: 6.000,- SFR Losnummer: 3118 |  |  |  |  |  | 

Veneto-Adriatischer
Meister, Der heilige
Michael, um 1410/20 |  | Taxe: 60.000 - 90.000 SFR Zuschlag: 145.000,- SFR Losnummer: 3002 |  |  |  |  |  | 
 Gustav Heinrich
Naeke, Studienmappe
mit 4 Zeichnungen zu
Dantes „Divina
Commedia“ |  | Taxe: 1.200 - 1.500 SFR Zuschlag: 1.200,- SFR Losnummer: 3697 |  |  |  |  |  | 
 Bogdan Pavlovich
Villevalde,
Tscherkessen vor dem
Stadttor, 1887 |  | Taxe: 35.000 - 45.000 SFR Zuschlag: 260.000,- SFR Losnummer: 3204 |  |  |  |  |  | 
 Karel de Moor,
Schlafende Diana
nach der Jagd, 1698 |  | Taxe: 60.000 - 80.000 SFR Zuschlag: 210.000,- SFR Losnummer: 3050 |  |  |  |  |  | 
 Hermanus Numan,
Flusslandschaft mit
Anglern, im
Hintergrund ein
Schloss |  | Taxe: 1.500 - 2.000 SFR Zuschlag: 5.500,- SFR Losnummer: 3577 |  |  |  |  |  | 
 Vincent Joseph
François Courdouan,
Vincent Courdouan,
Südliche
Landschaft, 1852 |  | Taxe: 6.000 - 8.000 SFR Zuschlag: 34.000,- SFR Losnummer: 3276 |  |  |  |  |  | 
 Johann Georg Lorenz
Rugendas, Johann
Georg Lorenz
Rugendas, Bauer mit
Pferd, 1751 |  | Taxe: 700 - 900 SFR Zuschlag: 850,- SFR Losnummer: 3596 |  |  |
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