Francis Bacon ganz groß bei Sotheby’s Das Auktionshaus Sotheby’s will wieder einmal hoch hinaus. Und das natürlich mit der Gegenwartskunst. Dafür wartet es mit Francis Bacons „Triptych“ aus dem Jahr 1976 auf. Am 14. Mai soll es in der New Yorker Abendauktion „Contemporary Art“ einen neuen Rekord einfahren, der in der Region von 70 Millionen Dollar angesetzt ist. Sotheby’s schätzt die drei Tafeln als das bedeutendste, noch im Privatbesitz befindliche Werk Bacons ein und führt dazu mehrere Gründe an. Das „Triptych“ stand bereits 1977 in der für Bacon wichtigen Ausstellung in der Pariser Galerie Claude Bernard neben weiteren neu entstandenen Werken im Mittelpunkt. Es war eines von drei großformatigen Triptychen der Schau und zierte den Titel des Ausstellungskatalogs.
Auch inhaltlich hat es viel zu bieten. Zeugt es doch von einer tiefen Symboldichte. Mit „Triptychon“ greift Bacon einen griechischen Mythos auf, um seiner eigenen Tragödie, dem Selbstmord seines Lebensgefährten George Dyer, Ausdruck zu verleihen. Die Mitteltafel zeigt den an einen Fels gebundenen Prometheus und drei Adler, die auf Anweisung des Gottesvaters Zeus Stück für Stück seine Leber verspeisen. Gleichzeitig spiegelt diese Darstellung eine moderne Interpretation der Trilogie „Oresteia“ von Aischylos wider. Orest ist geplagt von den drei Furien der Offenbarung seiner Schuld. Auch in diesem Mittelteil wird das menschliche Wesen wie Orest von drei Geiern malträtiert, die symbolisch als Bacons innere Dämonen verstanden werden können.
In der Blütezeit seiner Karriere besinnt sich Bacon auf den selben griechischen Text, der ihn schon zu seinem Durchbruchswerk „Drei Studien zu Figuren am Fuße einer Kreuzigung“ im Jahr 1944 inspirierte. Eine weitere Parallele zu diesem frühen Meisterwerk lässt sich in der Einzelkomposition und in der Weiträumigkeit des Werkes erkennen. Zugleich offenbart es auch eine umfassende Anzahl an Bacons über drei Jahrzehnte angeeigneten ikonografischen Ausdrucksmöglichkeit seiner Malerei. Auf den beiden Seitentafeln betrachtet jeweils ein plakativ anmutendes Porträt ein wie auf Kameraschienen platziertes Knäuel menschlicher Formen. Diese halb nackten, halbbekleideten Gliedmaßen verdeutlichen den Kontrast zu Bacons vorangegangenen Werken mit pastosen Ölflächen. Das sollte genügen, den bisherigen Auktionsrekord einzustellen. Diesen hält Sotheby’s seit Mai vergangenen Jahres und zwar für die „Study from Innocent X“ aus dem Jahr 1962 bei 47 Millionen Dollar. |