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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Ergebnisse: Kunst des 19ten Jahrhunderts bei Christie’s in London

Polnisches Arkadien



Henryk Siemiradzki,  Junger Orpheus

Henryk Siemiradzki, Junger Orpheus

Henryk Siemiradzki ist ein Historienmaler par excellence. Üppig schwelgt der 1843 geborene Pole in antiken Stoffen, fährt viel Personal auf, um seine Geschichtsbilder wirkungsvoll zu illustrieren, und stellt dies in ausgesuchten Farben dar. Wollust und Grauen halten sich bei ihm oft die Waage, so auch in seinem Hauptwerk „Die lebenden Fackeln des Nero“ von 1876, das die Christenverfolgung unter Kaiser Nero dramatisch als großes Fest vor einer riesigen Palastanlage in Szene setzt. Theodor Fontane hat diesem Gemälde in seinem Roman „Die Poggenpuhls“ ein kurzes literarisches Denkmal gesetzt. Gelernt hat Siemiradzki die Historienmalerei unter anderem bei Carl Theodor von Piloty 1871 in München. Ein Jahr später ließ er sich in Rom nieder, um näher an der von ihm verehrten griechischen und römischen Antike zu sein. Seinen Geschichts- und Genrebildern verlieh er häufig eine südländische Aura, wie auch in dem „Jungen Orpheus“, den er als nackten, Flöte blasenden Knaben mit zwei antikisch gewandeten Frauen unter einem Olivenbaum in südlichen Gefilden abbildet. Seit der Öffnung der ehemaligen kommunistischen Staaten ist die Nachfrage nach Bildern Siemiradzkis gestiegen. So lag das Resultat für den etwas melancholischen „Jungen Orpheus“, den Christie’s am vergangenen Mittwoch auf Auktionspult hob, auch über den Erwartungen von 40.000 bis 60.000 Pfund. Bei 175.000 Pfund fiel der Hammer.


Ansonsten gab es am 23. Januar wenig Überraschungen in der Londoner Auktion „19th Century European Art“. Die meisten Zuschläge bewegten sich im Rahmen der Taxen, die losgezogene Verkaufsquote fiel mit etwas über 62 Prozent gut aus, und umgesetzt wurden mit 68 verkauften Positionen insgesamt knapp 2,7 Millionen Pfund. Einzig einige Rückgänge waren so nicht erhofft. Dazu gehörten Jean-Léon Gérômes Anakreon, der eben von Cupidos Pfeil getroffen wird (Taxe 50.000 bis 70.000 GBP), Gustave Courbets Château de Thoraise (Taxe 70.000 bis 100.000 GBP), Henri Gervex’ „Ballerine lisant Le Figaro“ von etwa 1885 (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP) oder der pointillistische Blick auf den griechischen Mönchsberg Athos, den der Tscheche Jan Vochoc um 1900 zu verantworten hat (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP).

Der Favorit des Tages, Jean-François Millets über ihrer Arbeit eingeschlafene junge Näherin von 1844/45, hielt nicht ganz, was das Preisschild mit 300.000 bis 500.000 Pfund forderte. Gezahlt wurden nur 280.000 Pfund. Doch ist dies immer noch das teuerste Bild der Versteigerung, gefolgt von Eugène Delacroix’ aquarelliertem Kampf eines Löwen mit einem Tiger um 1856 bei taxgerechten 260.000 Pfund. Gut behauptete sich sein Romantikerkollege Théodore Géricault mit dem General Letellier auf dem Totenbett von etwa 1820 bei 48.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP). Charles-François Daubigny verzeichnete 18.000 Pfund mit seiner Landschaft „Gardeuse de moutons près la rivière“ von 1874 (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP), Henri Fantin-Latour 35.000 Pfund für sein Blumenstillleben „Petites roses“ von 1875 (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP), und Charles Chaplin unerwartete 27.000 Pfund für seine barbusige Künstlermuse (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP).

Durchweg Aufnahme fanden die drei Gemälde Eugène Carrières, die in ihren verschwommen, monochrom braunen Menschendarstellungen symbolistische Züge annehmen. Sie spielten jeweils 4.500 Pfund ein (Taxen bis 7.000 GBP). Diesen nicht unähnlich war „La liseuse“, ein verwischter weiblicher Akt beim Lesen eines Buches von Pierre Puvis de Chavannes. Das Pastell aus der Mitte der 1880er Jahre ließ die Bieter nicht los, bis schließlich mit 40.000 Pfund das Fünffache der Schätzung erreicht war. Mit zwei Werken war der Impressionist Jean Béraud anwesend. Nur 80.000 Pfund gab es für seinen betriebsamen Boulevard Saint-Denis in Paris (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP), die untere Taxe von 70.000 Pfund für seine „Scène de Bistro“. Die Belgier schickten Jean-François Portaels erfolgreich ins Rennen. Der für seine weibliche Grazie bekannte Maler erhielt für eine ebensolche malerische Verehrung unter dem Titel „Beim Auswählen der Rosen“ 60.000 Pfund (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Unterstütz wurde er dabei von seinen Landleuten Charles Hermans mit einer noch gefälligeren, blumengießenden Dame auf einem Hinterhofbalkon bei 25.000 Pfund (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP) und Théo van Rysselberghe mit einer schwermütig blickenden Zigeunerin bei 8.000 Pfund (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP).

Zu Beginn der Auktion legte Salomon Corrodi eine gekonnte Spirale aufs Auktionsparkett. Das von der Sonne beschienene Aquarell des Kolosseums, erhöht vom Palatin aus gesehen, kletterte auf 19.500 Pfund (Taxe 6.000 bis 8.000 GBP). Oswald Achenbachs unheimliche Sicht der antiken Spielstätte trabte bei 17.000 Pfund gemächlich hinterher (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP). Auch Carl Rottmann und Johann Wilhelm Schirmer ließen sich vom Zauber Italiens gefangen nehmen, Rottmann von der Campagna um 1825 bei 15.000 Pfund (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP) und Schirmer von dem Künstlerstädtchen Olevano bei Rom von etwa 1839/40 bei 7.000 Pfund (Taxe 8.000 bis 12.000 GBP). Rudolf von Alt stand ihnen 1834 mit dem Markusplatz in Venedig unter bewölktem Himmel bei 20.000 Pfund nicht nach (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).

Etwas zulegen konnten Johan Christian Dahls Gemälde der Lochmühle in der Sächsischen Schweiz von 1825 auf 37.000 Pfund, Johann Georg Meyer von Bremens Genrebild „Schlafende Schönheit“ aus dem Jahr 1868 auf 38.000 Pfund (Taxen je 25.000 bis 35.000 GBP), und Emilie Preyers Stillleben mit Trauben, Pfirsichen und Pflaumen samt Wespe ganz ordentlich auf 31.000 Pfund (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP). Wie erwartet kamen für Alexander Koesters acht „Lagernde Enten“ mit Lichtspielen auf dem Gefieder 35.000 Pfund zusammen, unerwartet dagegen die 34.000 Pfund, die in Adolf Schreyers ungestüme Reiter in der verschneiten Walachei investiert wurden (Taxe 8.000 bis 12.000 GBP).

Bei den Italienern war Vincenzo Migliaro gefragt, der 1882 seine beiden, nun 27.000 Pfund teueren Frauen im Gebet vor schemenhaften, beinahe abstrakten Hintergrund darstellte (Taxe 15.000 bis 20.000 GBP). Pompeo Calvi setzte seinem Künstlerkollegen Antonio Canova ein Denkmal, indem er ihn bei der Arbeit an dem Grabmal für Maria Christina von Sachsen-Teschen in seinem Atelier vorstellt. Hier schlug der Hammer bei 11.000 Pfund aufs Pult (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP). Aus Peru musste Federico del Campo nach Venedig reisen, um den Italienern zu zeigen, dass man um 1900 immer noch herrliche, wenn auch kitschige Veduten der Serenissima malen kann. Honoriert werden seine Fabrikate für die damalige reisefreudige Kundschaft mit erklecklichen Summen, wie der Blick auf den Dogenpalast hinweg über die Einfahrt in den Canal Grande auf Santa Maria della Salute mit 90.000 Pfund (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP). Mit Albert Lynch hatte Campo einen Landsmann dabei, der ebenfalls für eine verzärtelte Wiedergabe der Realität zu haben war, wie es seine weibliche Allegorie auf den Frühling nun mit 37.000 Pfund verdeutlicht (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).

Die anwesenden Spanier gingen da härter und unfreundlicher zur Sache. Joaquim Mir i Trinxet löste seine Dämmerung in einer spanischen Landschaft beinahe in ein abstrakstes Farbenmeer auf und war mit 65.000 Pfund erfolgreich (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Nächtliches Großstadtleben fing Ulpiano Checa y Sanz in dem Gemälde „Nach der Oper“ im ungemütlich verregneten Paris für 26.000 Pfund ein (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP). Darío de Regoyos’ karge Landschaften sind auch nicht gerade heimelig. Dennoch gefielen sie dem Publikum, das die kümmerliche Vegetation nebst einem Bauernhaus für 40.000 Pfund (Taxe 10.000 bis 15.000 GBP) und die ländliche Kirche samt Friedhof für 32.000 Pfund mitnahm (Taxe 12.000 bis 18.000 GBP).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



29.01.2008

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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