Frühe Abstrakte in der Schirn  |  | Gustave Moreau, Landschaftsstudie, o.J. | |
Schon seit langer Zeit werden William Turners Wolken- und Seebilder als Vorformen der Abstraktion angesehen. Auch einige Hundert der circa 3.500 Zeichnungen des eher als Dichter bekannten Franzosen Victor Hugo und die Gemälde des Symbolisten Gustave Moreau erinnern mehr an die informellen Malereien der zweiten Hälfte des 20ten Jahrhunderts als an Maler der Freuden am Detail ihrer Entstehungszeit. So stellt die Kunsthalle Schirn in Frankfurt diese drei Künstler nun in den Mittelpunkt einer Ausstellung, die die „Entdeckung der Abstraktion“ bereits in der ersten Hälfte des 19ten Jahrhunderts erkannt haben will, allerdings nicht unter dem Blickwinkel dessen, was danach kam, sondern dessen, was davor war.
Rund 130 teils unveröffentlichte, weil oft aus dem Nachlass stammende, erkennbar ungegenständliche Aquarelle, Ölgemälde, Skizzen und Zeichnungen dieser drei Meister stellt die Schirn einander gegenüber. Hinzu kommen etwa achtzig weitere Bilder, Alben, seltene Bücher und Kunstgegenstände von Künstlern und Autoren seit dem 18ten Jahrhundert, die den Blick auf zwei Fragestellungen werfen: Zum einen die Faszination für Flecken, für durch Zufall entstandene Bilder, zum anderen auf die Wirkungsästhetik, die theoretische Reflexion der Wirkung, welche die Mittel des Malers auf den Betrachter ausüben.
Von Turners, Hugos und Moreaus Zeitgenossen kommen unter anderem farbige „Dendriten“ der Dichterin George Sand, die durch das Aufeinanderpressen und Wiederabziehen von bemalten Blättern entstanden, abstrakte Monotypien von Edgar Degas, „Klecksografien“ Justinus Kerners und „Kaffeeklexbilder“ Wilhelm von Kaulbachs in Frankfurt zum Einsatz. Das Ergebnis der Ausstellung ist übrigens ein recht einfaches: Sie zeigt, dass die Errungenschaft der Avantgarde um 1912 nicht in der Erfindung der Abstraktion lag, sondern darin, dass diese zum Kunstwerk erklärt wurde.
Die Ausstellung „Turner – Hugo – Moreau. Entdeckung der Abstraktion“ läuft bis zum 6. Januar. Geöffnet ist die Kunsthalle Schirn Dienstag und Freitag bis Sonntag von 10 bis 19 Uhr, Mittwoch und Donnerstag von 10 bis 22 Uhr. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 6 Euro. Der Katalog kostet 34 Euro.
Schirn Kunsthalle Frankfurt
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