Picasso und Bacon in Luzern Zwei der bedeutendsten Künstler des 20sten Jahrhunderts stellt das Kunstmuseum Luzern in diesem Spätsommer „Vis-a-vis“: Pablo Picasso und Francis Bacon. Zunächst geht es dabei um die Gegenüberstellung von Maler und Modell bei beiden Künstlern, veranschaulicht etwa an Picassos 1964 entstandenem erstem Gemälde seiner Serie „Maler und Modell“. Beiden Künstlern ist ein ausgesprochen gewalttätiger Umgang mit ihren Modellen, auch ihrer Selbst, eigen. Bacon etwa wischt bereits bemalte Stellen seiner Leinwände wieder weg oder eliminiert sie durch verschleiernde Übermalung, Picasso traktiert seine Kupferplatten mit seinem Werkzeug und säurehaltigen Mitteln oder zergliedert und zerlegt seine Figuren zu unförmigen geometrischen Gebilden. Gewalt, Macht, Sexualität, Ritual, Schöpfung, Zerstörung und Tod heißen die Pole, zwischen denen sich ihre Kunst bewegt.
Der zweite Berührungspunkt liegt in der Rezeption der kunstgeschichtlichen Tradition. Ebenso wie für Pablo Picasso manifestiert sie sich auch für Francis Bacon in einer Anlehnung an historische Vorbilder etwa der Hochrenaissance oder des französischen Impressionismus. Bacon und Picasso haben sich persönlich nie kennengelernt, obgleich sie nur eine Generation trennt und beide viel in Europa herumkamen. Die direkten Bezugnahmen Bacons auf das Werk Picassos, der immer als Auslöser seiner künstlerischen Tätigkeit angesehen wird, sind durchaus selten und beschränken sich meist auf die frühen Bilder der 1930er und 1940er Jahre. Der Blick der Luzerner Ausstellung richtet sich daher vornehmlich auf die gemeinsamen Grundlagen und Interessen. Letztere liegen vor allem im Bereich der Thematisierung des Malaktes und der Integration des Betrachters. Bei Picasso erfolgt diese oft durch Repoussoirefiguren, Bacon bedient sich dagegen mehrheitlich einer bestimmten Raumkonstellation, in denen seine Figuren wie auf dem Präsentierteller erscheinen.
Die über vierzig Arbeiten vorwiegend aus den 1960er bis 1980er Jahren stammen mit Ausnahme eines großen Triptychons Francis Bacons ausschließlich aus einer europäischen Privatsammlung, die sich fast weitgehend auf diese beiden Künstler konzentriert. Neun Werke Bacons stehen einer größeren Anzahl von Werken aller Gattungen Picassos gegenüber, darunter einer Auswahl aus der Suite 156 aus den Jahren 1968 bis 1972.
Die Ausstellung „Vis-a-vis. Bacon & Picasso“ läuft vom 11. August bis zum 25. November. Das Kunstmuseum Luzern hat Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, mittwochs zusätzlich bis 20 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 16 Franken, ermäßigt 12 beziehungsweise 7 Franken. Der deutsch-englische Katalog kostet 48 Franken.
Kunstmuseum Luzern
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