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Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel

Berliner Ansicht Unter den Linden mit Reiterstandbild Friedrichs des Großen, 1920 / Otto Pippel
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Landschaft an der Nidda, 1898 / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Koller in Zürich

Rouaults leidender Clown



Clowns haben es den bildenden Künstlern immer wieder angetan. Man denke nur an Jean-Antoine Watteau oder auch die zahlreichen Darstellungen Pablo Picassos. Immer reizte sie der Gegensatz zwischen Sein und Schein, mit dem sie geradezu ein Grundproblem menschlichen Denkens und Handelns widerspiegeln. Auch Georges Rouault ließ sich von diesem Künstlerstand inspirieren. Der große Außenseiter der französischen Kunstszene am Beginn des 20ten Jahrhunderts arbeitete schon seit den 1920er Jahren an dem nicht besonders großformatigen Bildnis eines tragischen Clowns. Erst 1939 wurde es vollendet. Schon auf den ersten Blick erinnert es an Glasmalerei, sind doch die großen warmen, ein wenig irisierenden Flächen durch breite schwarze Konturen voneinander getrennt. Die Farben leuchten zwar, sind aber nicht schrill. Der Blick des Mannes ist einprägsam: Die Maske ist gefallen, zum Vorschein kommt ein Leidender, der seinen Schmerz nicht mehr verbergen kann. Das Gemälde ist in der Auktion Moderner Kunst bei Koller in Zürich am 8. Dezember das Hauptlos, ausgestattet mit einem Schätzpreis von 800.000 bis 1,2 Millionen Franken.



Das Angebot des Schweizer Auktionshauses ist diesmal viergeteilt. Los geht es am Freitagmittag mit moderner Grafik. Höhepunkt ist Edvard Munchs „Meer der Liebe“ von 1896, ein rauschhaftes Linienmeer in der Horizontalen, in das ein träumender Frauenkopf eingebunden ist (Taxe 115.000 bis 140.000 SFR). Georges Braque lässt auf einem Farbholzschnitt von 1962 aus der Serie „Si je mourais là-bas“ nur ein paar blaue Blütenblätter schwerelos auf dem Holzschnitt schweben (Taxe 8.000 bis 12.000 SFR). Pablo Picasso zerlegt im selben Jahr einen Frauenkopf und bastelt ihn wieder in mehreren Ebenen und in miteinander verschränkten Flächen aus braun und schwarz wieder zusammen. Der Linolschnitt „Grand tête de femme au chapeau orné“ soll 35.000 bis 50.000 Franken kosten. In zwei suggestive Kompositionen Victor Vasarelys kann man sich für jeweils etwa 13.000 bis 20.000 Franken versenken.

Wie schon bei der letzten Gemäldeauktion widmet Koller auch diesmal wieder einen eigenen Katalog mit rund hundert Positionen der einheimischen Kunst. Dabei steht unter den älteren Künstlern einmal mehr Albert Anker im Mittelpunkt. Mit feinsinnigem Blick charakterisiert er 1867 eine junge Frau beim Klavierspiel im Profil vor fast schwarzem Hintergrund (Taxe 250.000 bis 350.000 SFR). Auch Arnold Böcklin gehört zu den bedeutendsten älteren Schweizer Malern. Seine fünf Gipsmasken aus dem Nachlass, die hier als Bronzeabgüsse für insgesamt 15.000 bis 20.000 Franken vorliegen, sind zum Teil Fratzen aus der antiken Sagenwelt – Faune und dergleichen – und stammen wohl schon aus seiner römischen Zeit.

Der Kühle und Distanziertheit der Neuen Sachlichkeit ist Felix Vallotton verpflichtet. Einsam wandert ein Spaziergänger über einen ansonsten menschenleeren Straßenzug im südfranzösischen Dorf Mourillon. Das nüchterne Gemälde entstand im Todesjahr des Künstlers 1925 (Taxe 220.000 bis 300.000 SFR). Halb hinter ihrem Fächer verbirgt sich eine sitzende Frau vor einer grün gestreiften Tapete, ein ebenfalls kühles Gemälde von 1912, eine Spanierin wirkt vor einer grau-braunen etwas unbeholfen (Taxe je 60.000 bis 80.000 SFR). Edmond Jean de Purys „Hélène, die kleine Straßenverkäuferin“, 1892 realistisch und mit einer gewissen farblichen Gewandtheit aufgenommen, tritt für 35.000 bis 50.000 Franken an, halb soviel wie schon im vergangenen Juni bei Koller.

Einer der wichtigsten Vertreter der italienischen Schweiz ist Augusto Giacometti. Seine flüssig und in bunten Farben verschwommen aufgenommenen Pfingstrosen von 1931 wirken so unmittelbar, als wollten sie sogar ihren Duft an den Betrachter versprühen (Taxe 80.000 bis 100.000 SFR). Den späten Neoimpressionismus zeigt Gottardo Segantinis Gebirgswelt „Maloja im Sommer“ von 1926, in dem sich die teilweise schneebedeckten Berge deutlich in einem glasklaren Bergsee spiegeln (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR). Im Winter 1917 nahm er dieselbe Ortschaft noch mit Häusern auf (Taxe 55.000 bis 75.000 SFR). Sein Vater Giovanni Segantini schuf als junger Mann 1880/81 ein Stillleben mit Vögeln, das ohne viel Beiwerk weniger als symbolisches Arrangement, sondern als ganz konkrete Darstellung des Todes zu verstehen ist (Taxe 45.000 bis 60.000 SFR).

Das Angebot an zeitgenössischer Kunst ist weniger umfassend. Hervorzuheben ist Jean Tinguelys „Relief Alu électrique Meta Super conducteur éléments Migros“, ein Gouache-, Acry- und Collagemalerei auf schwarzem Grund von 1988 (Taxe 28.000 bis 40.000 SFR). Von Max Bill gibt es zwei seiner charakteristischen Farbflächenkompositionen nach strengen geometrischen Regeln, eines über Eck mit dem Titel „Zerstrahlung von Blau“ nach außen hin in Violett und Rosa von 1972/74 (Taxe 16.000 bis 22.000 SFR) sowie „Excentrum IV“ von 1969, das die vier von allen Seiten ins Bild tretenden Farbbalken in der unteren rechten Ecke zusammentreffen lässt (Taxe 25.000 bis 35.000 SFR).

Wichtige Skulpturen stammen aus der Sammlung des Geschäftsmannes Philippe Zahnd, der mit Diego Giacometti befreundet war. Dessen plastisches Werk entstand großteils erst im Alter. Wertvoller sind aber seine früheren Arbeiten. So wird die seltene erste Version einer stehenden Katze aus Bronze von 1961, die sich als Buttler mit einem Visitenkartentablett in den Händen betätigt, mit 60.000 bis 90.000 Franken honoriert. Außerhalb der zur genannten Sammlung gehörenden Skulpturen ist seine Bleistiftzeichnung einer stehenden Figur Alberto Giacomettis zu nennen, die man als Entwurf für ein bildhauerisches Werk interpretieren kann (Taxe 22.000 bis 30.000 SFR).

Am späten Nachmittag versucht dann die nichtschweizerische Moderne ihr Glück. Unter den Klassikern aus Frankreich sticht Gustave Courbets bezeichnendes Meereswellenbild „Vague“ hervor, das pastos gemalt ist und am Horizont ein unheimliches Abendrot aufleuchten lässt (Taxe 50.000 bis 70.000 SFR). Die deutsche Seite ist am prominentesten durch Lovis Corinth vertreten. Mit der Opulenz eines Rubens und der morbiden Dekadenz eines Makart wirft er 1914 einen weiblichen Halbakt auf die Leinwand, der verführerisch und totenartig den Betrachter angrinst. Gemeint ist die Schauspielerin Gertrud Eysoldt, und sie scheint die Salome in Oscar Wildes Dramolet zu verkörpern (Taxe 350.000 bis 450.000 SFR). Corinth wird ansonsten eigentlich nur durch Hans Purrmann unterstützt. Zum einen mit einer seiner einschichtig in Öl hingestrichelten Landschaften vermutlich aus den 1930er Jahren (Taxe 60.000 bis 80.000 SFR), zum anderen durch das Bildnis einer Dame in blauem Kleid, das Dorle von Kampff darstellt. Interieurszenen – ob Portraits oder Stillleben – gestaltete Purrmann im Kontrast zu seinen Naturschilderungen meistens mit kraftvollen Farben (Taxe 40.000 bis 60.000 SFR).

Das Angebot an Abstrakten ist kaum weniger beachtenswert. Joan Miró zum Beispiel wartet mit einer Komposition auf Kundschaft, die er 1954 in Öl auf Seide mit wenigen weißen Strichen und Farbtupfern gestaltete (Taxe 180.000 bis 280.000 SFR). Im „Gefolge des Frühlings“ finden sich 1951 auf der Hartfaserplatte Asger Jorns fröhliche Gesichter, die aber noch das Grau eines verregneten Winters wie Kapseln mit sich herumzuschleppen scheinen (Taxe 70.000 bis 90.000 SFR). Auf Resonanz dürfte auch ein Siebdruck Andy Warhols von 1982 stoßen, der von seinem Schöpfer noch einmal mit Acryl übergangen wurde, so dass das Dollarzeichen vor rosafarbenem Hintergrund nun doppelt über die Leinwand schwingt (Taxe 140.000 bis 180.000 SFR).

„Woodblock 12L“ lautet der Titel für Donald Judds 1978 auf eine parallelogrammförmig zurechtgeschnittene Holzplatte gemalte rote Fläche mit rillenartigen Streifen in Cadmiumrot. Das klassische Werk der Miminal Art soll 35.000 bis 50.000 Franken erbringen. Ein Skulpturenobjekt des im vergangenen Jahr verstorbenen Nam June Paik mit der Bezeichnung „Petroglyph Hawk“ von 1996, für das er einen Fernseher zerlegt und mit zwei Eulen bekrönt zu haben scheint, ist vielleicht für 40.000 bis 60.000 Franken zu haben. Russischer Abstammung sind unter anderem Serge Poliakoff, dessen Aquarell einer abstrakten, puzzleartigen Farbflächenkomposition mit grünem Rahmen 28.000 bis 40.000 Franken kosten soll, und Sergei Sudeikin, dessen zwei zusammengehörige Bilder einer Kabarettszene und einer Maskerade für die Ausstattung des „Café des Artistes“ in St. Petersburg entstanden (Taxe 80.000 bis 120.000 SFR).

Den Abschluss der Auktion bildet am 9. Dezember ein knapp siebzig Arbeiten umfassendes Konvolut mit meist junger zeitgenössischer Kunst aus China. Nicht zuletzt durch die fulminante und teils umstrittene Ausstellung der Sammlung des Schweizers Uli Sigg, der als Unternehmer und Botschafter in Peking seit den 1970er Jahren mit chinesischer Kultur vertraut ist, scheint sich nun auch die Alpenrepublik für den fernen Osten verstärkt zu interessieren. Die Sammlung ist inzwischen auf über 1200 Werke von 180 Künstlerinnen und Künstlern angewachsen und war 2005 in Ausschnitten im Kunstmuseum Bern, gleichzeitig in Holderbank zu sehen und bespielt derzeit noch die Hamburger Kunsthalle.

Einer der wenigen Altmeister ist der 1920 geborene und seit 1955 in Paris lebende Chu Teh-Chun. Bloß mit Farbflächen spielt er 1995 in seinem Ölbild, aber es scheint doch, als verfolge der Betrachter aus einem verdunkelten Zuschauerraum heraus das clowneske Geschehen auf einer Bühne (Taxe 90.000 bis 110.000 SFR). Gegenständlich ist die Malerei des inzwischen 105jährigen Chang Yu, der in den 1930er Jahren eine Schale mit Früchten als spartanisches Gemälde anlegte (Taxe 130.000 bis 150.000 SFR). Als Titellos des englischsprachigen Katalogs fungiert Ma Liumings Ölgemälde „Face“, das wie die gestochen scharfe Fotografie einer aufschießenden abstrakten Farbskulptur wirkt (Taxe 36.000 bis 50.000 SFR).

Gleich leblosen Puppen stehen die Kinder in zwei Gemälden Guo Jins auf grauem Grund - die „Two Boys“ von 2001 für 40.000 bis 80.000 Franken und die wohl eher weiblichen „Children Games“ von 2004 für 30.000 bis 60.000 Franken. Ein unkontrolliertes Ziehen über die großformatige Leinwand, so dass sich eine nicht enden wollende Fadenspinnerei ergibt, erlaubte Zeng Fanzhi 2004 seinem Pinsel in Rosaviolett, Weiß und Schwarz (Taxe 165.000 bis 200.000 SFR). Der gegenständlichen Malerei sind wiederum Fang Lijun mit seiner schlicht „1996 No. 1“ benannten Aufnahme eines Schwimmers (Taxe 145.000 bis 160.000 SFR) und – mit Einschränkungen – Zhou Chunya verpflichtet, dessen schlafende Schönheit 1995 unter einem schwarzen Nebel verschwindet (Taxe 95.000 bis 150.000 SFR). Auch Yang Shaobin sucht sich konkrete Themen für seine drei zusammengehörigen, fast fotorealistischen, aber verschwommenen Gemälde aus der Serie „Who“ von 2005 wie einen Boxkampf, der 98.000 bis 120.000 Franken Eintritt verlangt.

Die Auktion beginnt am 8. Dezember um 13:30 Uhr mit der Modernen Grafik, um 15:30 Uhr mit der Schweizer Kunst und um 17 Uhr mit der Modernen Kunst. Am 9. Dezember steht um 11 Uhr die Zeitgenössische Chinesische Kunst auf dem Programm. Der Katalog ist im Internet unter www.galeriekoller.ch abrufbar.

Kontakt:

Koller Auktionen

Hardturmstrasse 102

CH-8031 Zürich

Telefon:+41 (044) 445 63 63

Telefax:+41 (044) 273 19 66

E-Mail: office@kollerauktionen.ch

Startseite: www.kollerauktionen.com



06.12.2006

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Veranstaltung vom:


08.12.2006, Schweizer und Moderne Kunst

Bei:


Koller Auktionen AG

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 Schauspielerin Gertrud Eysoldt), 1914
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Lovis Corinth,  Weiblicher Halbakt im Sessel (Die Schauspielerin Gertrud Eysoldt), 1914

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Félix Vallotton,  Chemin au Mourillon, 1925

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Albert Anker,  Junge Frau am Klavier, 1867

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Losnummer: 3013




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