 |  | Die Sammlung von Joe Lewis sorgte bei Sotheby’s in London für satte Umsätze | |
Sotheby’s hat das erfolgreichste erste Halbjahr seiner Unternehmensgeschichte abgeschlossen. Mit einem Gesamtumsatz von 4,4 Milliarden US-Dollar steigerte das Auktionshaus sein Ergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 58 Prozent und liegt somit nur rund 100 Millionen US-Dollar hinter dem Dauerkonkurrenten Christie’s, der 4,5 Milliarden US-Dollar einfuhr. Mit einem Volumen von 3,4 Milliarden US-Dollar bleiben die Auktionen das wichtigste Geschäftsfeld des Hauses. Doch auch Privatkäufe gewinnen weiter an Bedeutung. So konnte Sotheby’s mit 826 Millionen US-Dollar seinen Absatz in diesem Segment gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 verdoppeln.
Die Rekordzahlen des Hauses verteilen sich nahezu auf alle Geschäftsbereiche. So zeichnet der Versteigerer ein Bild eines dynamischen Marktes, der sich über unterschiedliche Sammelgebiete hinweg erstreckt und nicht allein von einzelnen Spitzenlosen profitiert. Mit einer durchschnittlichen Verkaufsquote nach Losen von 90 Prozent erzielte das Haus den höchsten Wert seit 2010. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Zahl der Bieter pro Los auf 4,9 und erreichte damit ebenfalls einen Höchststand. Insgesamt beteiligten sich Käufer*innen aus 119 Ländern an den rund 170 Versteigerungen der letzten sechs Monate. Der Auktionsgigant wertet diese Entwicklung als Zeichen einer weltweit breiten Nachfrage, die sich nicht allein auf einzelne Spitzenwerke konzentriert. Das gesteigerte Publikumsinteresse führt Sotheby’s unter anderem auf den Umzug in das Breuer-Gebäude an der Madison Avenue zurück. So verdoppelte der neue Standort in New York, den Sotheby’s im November letzten Jahres bezogen hat, die Besuchszahlen gegenüber dem nur wenige Straßen entfernten früheren Hauptsitz.
Besonders günstig verlief das erste Halbjahr für die Sparte Fine Art. Allein die New Yorker Frühjahrsauktionen erzielten einen Umsatz von 908,6 Millionen US-Dollar und erreichten mit einer Verkaufsquote von 92,5 Prozent die erfolgreichste Marquee-Saison in der Geschichte des Hauses. Einen wichtigen Anteil daran hatte die Sammlung des Kunsthändlers und Investmentbankers Robert Mnuchin, deren Versteigerung rund 173 Millionen US-Dollar einbrachte. Zu den Spitzenlosen gehörten gleich zwei Gemälde von Mark Rothko: „Brown and Blacks in Reds“ erzielte netto 74 Millionen Dollar, mit Aufgeld 85,7 Millionen Dollar, während das hellere, gelb-orangenfarbene Werk „No. 1“ für 17,5 Millionen Dollar, respektive 20,8 Millionen Dollar verkauft wurde.
Aber auch in Europa setzte Sotheby’s mit der Kunst des 20. Jahrhunderts neue Maßstäbe. Die Londoner Juni-Auktionen brachten rund eine halbe Milliarde US-Dollar ein und markierten damit die umsatzstärkste Verkaufsserie, die jemals auf dem Kontinent veranstaltet wurde. Maßgeblich dazu trug die Sammlung des Unternehmers Joe Lewis und seiner Tochter Vivienne bei, die den unteren Schätzpreis von 200 Millionen Pfund mehr als verdoppelte. Das Aktgemälde „Nu Assis au collier“ von Amedeo Modigliani erzielte dabei 41,5 Millionen Pfund, mit Aufgeld rund 48,2 Millionen Pfund, während Gustav Klimts Portrait von Gertrud Löw für 31 Millionen Pfund unter den Hammer ging und damit den Zuschlagspreis von 22 Millionen Pfund, den Joe Lewis im Juni 2015 bei Sotheby’s bewilligt hatte, klar übertraf.
Der Designbereich verzeichnete gleichfalls ein außergewöhnlich starkes Halbjahr. Die Sammlung von Jean und Terry de Gunzburg legte hierbei die Messlatte auf ein neues Niveau. Bei der Auktion „Design Masters“, die im April als erste reine Single-Owner-Designauktion im New Yorker Breuer-Gebäude stattfand, gingen alle Objekte weg und erzielten insgesamt 96 Millionen US-Dollar. Laut Sotheby’s ist das die umsatzstärkste Designversteigerung in der US-amerikanischen Auktionsgeschichte. Dabei bildete Claude Lalannes Ensemble aus 15 Spiegeln, das Yves Saint Laurent 1974 bei der Französin in Auftrag gegeben hatte, den Höhepunkt: Mit einem Zuschlag von 28,5 Millionen Dollar, brutto von 33,5 Millionen Dollar, stellte es den Rekordwert für die Künstlerin auf und brachte zugleich den höchsten Preis für ein Designobjekt ein. |