 |  | Höhenflüge in New York: Auktionator Adrien Meyer schlägt Pollocks Meisterwerk aus der Newhouse-Sammlung für 157 Millionen Dollar zu | |
Christie’s hat das erfolgreichste erste Halbjahr seit 2021 abgeschlossen. Wie CEO Bonnie Brennan gestern bekanntgab, erzielte das Auktionshaus in den ersten sechs Monaten einen Gesamtumsatz von 4,5 Milliarden US-Dollar und liegt somit knapp vor dem Konkurrenten Sotheby’s, der 4,4 Milliarden US-Dollar einfuhr. Der Umsatz verteilt sich mit 3,5 Milliarden US-Dollar auf die öffentlichen Versteigerungen und mit rund einer Milliarde Dollar auf die Privatkäufe. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen die Auktionserlöse über alle Sparten hinweg um 71 Prozent, während Brennan einen Rekord bei den Private Sales vermeldete. Grund für die gute Entwicklung der Einnahmen waren vor allem exquisite Sammlungen, etwa die des Medienmoguls Newhouse oder Henry S. McNeil, die für hohe Preise sorgten.
Besonders nachhaltig entwickelte sich die Sparte Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts, die mit einem Volumen von 2,3 Milliarden US-Dollar den größten Anteil am Ergebnis ausmachte. Zu den Spitzenlosen zählten die drei wertvollsten Werke des Halbjahres, an erster Stelle Jackson Pollocks monumentales Gemälde „Number 7A, 1948“, das 157 US-Dollar netto, mit Aufgeld 181,2 Millionen US-Dollar, erzielte. Das größte noch in Privatbesitz befindliche Drip-Painting des Künstlers war damit das teuerste Werk der Saison. Einen weiteren Höhepunkt bildete Constantin Brancusis goldene Bronzeplastik „Danaïde“ von 1913, die bei einem Zuschlag von 93 US-Dollar, respektive 107,6 Millionen US-Dollar, wegging. Beide Werke stammten aus der Sammlung des Verlegers Samuel Irwing Newhouse Jr., dessen Kollektion Christie’s im Mai in New York versteigerte. Zusammen mit dem regulären „20th Century Evening Sale“ fuhr Christie’s an einem Abend einen Gesamtumsatz von 1,12 Milliarden Dollar ein. Der dritthöchste Preis ging an Pollocks amerikanischen Kollegen Mark Rothko: Sein Gemälde „No. 15 (Two Greens and Red Stripe)“, das die späte Phase seiner dunkleren Farbpalette dokumentiert, wechselte für 85 Millionen Dollar, mit Aufgeld von 98,4 Millionen Dollar, ebenfalls zum neuen Rekordwert an ebendiesem Abend den Besitzer. Zusammen mit den anderen Verkäufen dieser Sparte konnte Christie’s einen Zuwachs von 79 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verbuchen.
In den anderen Bereichen verzeichnete Christie’s im ersten Halbjahr gleichfalls deutliche Zuwächse. Besonders dynamisch entwickelten sich die Alten Meister, deren Erlös gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 232 Prozent auf 183 Millionen US-Dollar anstieg. Ebenfalls stark legten Antiquitäten, Möbel und klassische Sammlungsbereiche zu: Mit einem Umsatz von 241 Millionen US-Dollar kam die Sparte auf ein Plus von 168 Prozent. Der Luxusbereich erzielte mit 539 Millionen US-Dollar zwar die zweithöchsten Einnahmen aller Kategorien, wuchs mit 15 Prozent jedoch deutlich moderater. Die Zahlen sprechen damit für eine Marktbelebung, die vor allem von der klassischen Bildenden Kunst und weniger vom Luxussegment getragen wurde.
Neben den Rekordumsätzen zeichnet Christie’s in seinem Halbjahresbericht auch das Bild eines zunehmend stabileren Marktumfelds. So verweist das Auktionshaus auf eine weiter fortschreitende Internationalisierung seiner Kundschaft mit einem Anstieg von 34 Prozent im Vergleich zu 2025 sowie auf einen anhaltenden Zustrom neuer Käufer. Besonders auffällig sei der wachsende Anteil von Sammler*innen der Millennials und der Generation Z, wobei 47 Prozent der Neukunden aus diesen Altersgruppen stammen und eine Verjüngung des Marktes vorantreiben.
Auch das Bieterverhalten deutet nach Einschätzung des Hauses auf eine höhere Marktdynamik hin. Im ersten Halbjahr verzeichnete Christie’s einen Rekord bei der Anzahl der Bieter pro Los, während die Zuschlagspreise im Durchschnitt 124 Prozent der unteren Schätzung erreichten. Besonders ausgeprägt sei dies im mittleren Preissegment zwischen 20.000 und 100.000 US-Dollar gewesen, wo die Zuschläge mit durchschnittlich 148 Prozent die untere Schätzung übertrafen und eine Steigerung 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr ausmachen. Die Zahlen deuten darauf hin, dass sich die Nachfrage somit über weite Anteile des Angebots erstreckt. |