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„Besondere Ausstellung“ geht nach Wolfsburg Der Kunstkritikerverband AICA hat die Auszeichnung „Besondere Ausstellung“ an das Kunstmuseum Wolfsburg für aktuelle Schau „Malgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte“ vergeben. Dafür hat Kurator und Museumsdirektor Andreas Beitin in enger Zusammenarbeit mit der 1978 in Zakopane geborenen Romni-Künstlerin rund 30 ihrer großformatigen bunten Textilbilder, darunter den zwölfteiligen Zyklus „Re-enchanting the World“, ausgewählt, in denen Mirga-Tas Einblicke in das Leben und die Kultur der Roma in Europa gibt. In bemerkenswerter Weise gelinge es der Präsentation, eine neue Erzählung der Romn*ja-Gemeinschaft, der größten ethnischen Minderheit Europas, aus persönlicher Erfahrung und kollektiver Erinnerung mit künstlerischen Mitteln sichtbar zu machen, so Jurorin Ann-Katrin Günzel. Somit schärfe sie nicht nur den Blick für die Problematik der gesellschaftlichen Ausgrenzung, Diskriminierung und Verfolgung, sondern führe gleichzeitig einen Perspektivwechsel herbei und öffne den Raum für neue Verbindungen.
„Auch wenn ihre Arbeiten bereits andernorts zu sehen waren und sie in der Kunstwelt keine Unbekannte mehr ist – nicht zuletzt hat sie 2022 als erste Rom*nja-Künstlerin ihre Heimat Polen auf der Biennale in Venedig vertreten –, so überzeugt diese Ausstellung dadurch, dass sie schon in der räumlichen Setzung einen ästhetischen Erfahrungsraum erschafft, der die Besucher*innen einlädt, an Geschichte und Geschichten der Rom*nja teilzuhaben“, so Günzel in ihrer Begründung weiter. Mirga-Tas erforsche in ihrer spezifischen Bildsprache der „textilen Collage“ kunsthistorische Festsetzungen und dekonstruiere sie ebenso wie das Selbstverständnis von Heldentum und herkömmlicher Geschichtsschreibung, indem sie sie durch neue, intensive und zugleich poetische Bilder ersetzt, sodass sie aus einer historischen Abwesenheit eine starke Gegenwart erschafft. „Die aktuelle Relevanz dieser Ausstellung ist in einem politischen Klima der europaweit erstarkenden rechten Parteien sowie den damit verbundenen Ängsten vor Migration und dem ‚Fremden‘ evident. Man muss sich nicht der Utopie hingeben, dass Kunst die Welt retten kann oder soll, aber die ‚alternative Geschichte‘ ist ein visionärer Hinweis auf die Möglichkeit einer neuen Perspektive“, Günzel abschließend.
„Über diese erneute Auszeichnung der AICA freue ich mich außerordentlich, da mir die Ausstellung mit Malgorzata Mirga-Tas eine echte Herzensangelegenheit ist“, so Andreas Beitin. „Die Themen ihrer eindrucksvollen Kunstwerke sind dringender denn je: Solidarität, Zusammenhalt, Widerstand und Empowerment. Bereits in Venedig auf der Biennale von 2022 war ich begeistert von ihren Werken und wenige Wochen später habe ich weitere auf der Documenta gesehen. Das war der Zeitpunkt, an dem ich beschlossen habe, Malgorzatas beeindruckende Arbeiten bei uns in einem größeren Umfang zu zeigen. Besonders freut mich, dass wir fast den gesamten Zyklus aus Venedig präsentieren können.“
Die Ausstellung „Malgorzata Mirga-Tas. Eine alternative Geschichte“ ist noch bis zum 15. März zu sehen. Das Kunstmuseum Wolfsburg hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen erst ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 7 Euro bzw. 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos.
Kunstmuseum Wolfsburg
Hollerplatz 1
D-38440 Wolfsburg
Telefon: +49 (0)5361 – 266 90 | 09.02.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching |
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Hans Fischlis Frühwerk in Bern Im Rahmen der Ausstellungsserie „Fokus“ widmet sich das Zentrum Paul Klee in Bern aktuell Hans Fischli und richtet seinen Blick auf dessen Frühwerk aus den bewegten 1930er und 1940er Jahren. Dafür haben die Kuratoren Fredi Fischli und Niels Olsen eine Serie zarter Papierarbeiten sowie drei Architekturprojekte und einige Blätter ausgewählt, die während einer Haftstrafe Fischlis entstanden. Hans Fischli, 1909 in Zürich geboren, studierte nach einer Bauzeichnerlehre in Zürich ab 1928 am Bauhaus in Dessau, wo Paul Klee, Josef Albers, Wassily Kandinsky und Oskar Schlemmer zu seinen Lehrern gehörten. Danach arbeitete Fischli als Bauzeichner und Architekt in der Schweiz und widmete sich als Künstler für einige Jahre fast nur der Zeichnung. Die Schau in Bern präsentiert Arbeiten aus seinen Werkgruppen „Zellengebilde“, „Celerina“ wie auch „Montana“ und thematisiert Fragen zum historischen und diskursiven Kontext der Schweizer Moderne.
Im Schatten des Ersten Weltkriegs und des aufkommenden Nationalsozialismus in Deutschland schuf Hans Fischli ab Ende der 1920er Jahre eine erste umfangreiche Folge zarter Farbstift- und Tuschezeichnungen. Wegen Dienstverweigerung musste er dann im Sommer 1930 eine dreimonatige Haftstrafe im Bezirksgefängnis Meilen im Kanton Zürich absitzen. Der Künstler erklärte später in einem Interview, dass hierfür seine Aussage „Ich komme erst gar nicht, um mich von euch prüfen zu lassen, ob ihr mich wollt oder ob ihr mich brauchen oder nicht brauchen könnt, ich will nicht“ verantwortlich war. Die drei Monate Isolationshaft seien für ihn enorm wichtig gewesen, weil er „endlich einmal nichts anderes machen konnte als zu zeichnen“. Dabei kam seine nummerierte Werkgruppe „Zellengebilde“ heraus, deren Titel auf den Entstehungsort verweist. In der Gefängniszelle standen Fischli nur bescheidene Mittel zur Verfügung; so gestaltete er auf kleinem Format filigrane, organische Formen und Figuren mit Tusche und Bleistift, teils auch mit sanfter Aquarell- oder Farbstiftkolorierung.
Zeigen sich auf einigen Blättern menschliche Züge, etwa im „Zellengebilde 89“, widmen sich andere Zeichnungen Tieren, Pflanzen oder Fabelwesen. Das Träumerische dieser Fantasiebilder unterscheidet sich von der Auffassung einer konstruktiven Moderne, die nach objektiven, rationalen Prinzipien in der Abstraktion strebt. Hier steht Fischlis Schaffen dem von Paul Klee recht nahe. Sein „Zellengebilde 46“ könnte sowohl eine organisch anmutende Abstraktion sein, erinnert aber auch an mikroskopisch vergrößerte Zellen einer Pflanze. Ab 1936 entwarf Hans Fischli unter zunehmend widrigen Umständen ein Atelierwohnhaus im Schwarzwald für seinen Freund Oskar Schlemmer. Nachdem die Reichsversicherung ihren Baukredit zurückgezogen hatte, wurde das Projekt zu einem Zeugnis des Bauens am Existenzminimum. Als Architekt ließ sich Fischli zudem von gesellschaftlichen Belangen in Dienst nehmen, etwa 1945 als Architekt für die Wanderausstellung „Kriegsgefangen“ des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, oder als pädagogisch interessierten Erbauer des Kinderdorfes für Kriegswaisen „La Rasa“ in Norditalien von 1949/50.
Die Ausstellung „Fokus. Hans Fischli (1909-1989)“ läuft bis zum 3. Mai. Das Zentrum Paul Klee ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 20 Franken, ermäßigt 18 Franken, 10 Franken bzw. 7 Franken.
Zentrum Paul Klee
Monument im Fruchtland 3
CH-3006 Bern
Telefon: +41 (0)31 – 359 01 01 | 09.02.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/S. Hoffmann |
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Georg-Kolbe-Museum wird „Museum des Jahres“ Die Auszeichnung „Museum des Jahres“ erhält das Georg-Kolbe-Museum (GKM) in Berlin. Der Kunstkritikerverband AICA lobte, dass es Museumsdirektorin Kathleen Reinhardt gelinge, „trotz budgetär höchst prekären Bedingungen einen Ort zu schaffen, der auf wirklich beispielhafte Weise Kontinuität, Konzentration und kritisches Engagement in der Beschäftigung mit Kunst möglich macht“. In ihrer Arbeit mit zeitgenössischen Künstler*innen achte Reinhardt darauf, den Akteuren sowohl Freiheiten zu geben, als auch eine Auseinandersetzung mit historischen Kontexten rund um das Œuvre Georg Kolbes zu fordern. Indem Kolbes Werke neu interpretiert und künstlerisch ergänzt werden, werde ein kritischer Dialog zwischen verschiedenen Generationen initiiert.
Als Beispiel führt der AICA die Gruppenausstellungen „Tea and Dry Biscuits“ und „Liaisons“ an. Hierbei werde besonders ersichtlich, wie die Kunstschaffenden untereinander interagieren und aufeinander reagieren: für die Ausstellung „Liaisons“ platzierte Kuratorin Elisa Tamaschke heroische Skulpturen in Kolbes früherem Bildhaueratelier, die voller Bandagen und Risse waren. Harry Hachmeister antwortete darauf, indem er den Skulpturen Medizinbälle aus farbig glasiertem Ton vor die Füße legte. Auf diese Vorgaben folgte zudem eine Klanginstallation von Jens Pecho, die aus einer rückwärts eingespielten Version von Beethovens Mondscheinsonate bestand. Laut der Direktion verändern die verschiedenen Elemente der Ausstellung zusammen die Stimmung im Raum und lassen alles verfremdet, verletzlicher und komplizierter wirken.
Für den AICA ist diese „kritische Intimität“ der Grund für die herausragende Qualität der Ausstellungen im GKM. Reinhardt konzentriert sich stets darauf, dass sich Kunstwerke sowohl ergänzen als auch kritisch herausfordern, wobei wissenschaftliche Vermittlung von Kunst und künstlerische Auseinandersetzung zu einem zusammengehörigen Prozess werden. Auch den „besonderen kuratorischen Umgang mit der räumlichen Beschaffenheit des Hauses“ hob der Kunstkritikerverband hervor. Trotz beschränkter Mittel und dem uneinheitlichen Grundriss des Baus nutze das Museum diese Hürden zu seinem Vorteil – Hürden, an denen manch größeres Haus scheitere. | 05.02.2026
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Quelle: Kunstmarkt.com/Lara Schauer |
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