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Industriearchitektur in Berlin 1840-1910

Eine facettenreiche Industriegeschichte nicht nur für Berlin



Mirion Mislin: Industriearchitektur in Berlin 1840-1910

Mirion Mislin: Industriearchitektur in Berlin 1840-1910

Wann erfolgte die Umstellung vom reinen Ziegel- auf den Stahlbetonbau? Welche Sheddachart ist für welche Produktion geeignet? Wann wurden Sheddächer in Deutschland erstmals erbaut? In welche Jahre datieren die Anfänge des Eisenbaus im Hoch- und Brückenbau? Bei welchen Bauten wurden wann die ersten gusseisernen Stützen verwendet? All dies sind Fragen, denen sicherlich Architekten, Bauhistoriker, Industriearchäologen und einfach nur an Baugeschichte interessierte Menschen irgendwann begegnen. Wohl in kaum einem zweiten Werk dürften die Antworten so instruktiv und eng verzahnt mit praktischen Beispielen der industriellen Entwicklung einer Stadt vermittelt werden, wie in dem dicken, 460 Seiten starken Kompendium von Miron Mislin „Industriearchitektur in Berlin 1840-1910“.



Die Haupt- und Residenzstadtfunktionen Berlins sowie seine mittig im Land angeordnete, verkehrsgünstige Lage wirkten wie ein Antrieb zum Aufbau einer florierenden Industrie. Fußend auf Schinkels Packhof und Bauakademie entwickelten sich in Ästhetik und Konstruktion angelehnte, weitere vorbildhafte Industriebauten nicht nur in der Hauptstadt. Da viele zu einflussreichen Prototypen für andere Projekte weit über Berlin hinaus wurden, kann das auch für Laien hochinteressante Buch als generelle wie maßgebliche Entwicklungsanalyse angesehen werden.

Zu den in Berlin schon früh ansässigen Stellmachereien - aus einfachen Werkstätten hervorgegangene Maschinenfabriken und Textilmanufakturen – gesellte sich schnell die ergänzende chemische Fabrikation. Der gewaltige Ausbau des Eisenbahnnetzes ab 1838 bewirkte ein Aufblühen von Betrieben, die sich mit Lokomotiv- und Waggonbau befassten, was die Maschinenbaubranche zusätzlich beflügelte. Angespornt durch die Konstruktion und Installierung von elektrischen Telegrafen gesellte sich die Elektroindustrie hinzu, deren wichtigste Exponenten Firmen wie Siemens oder AEG wurden.

Die ausgezeichnet gegliederte Abhandlung geleitet den Leser von Kapitel zu Kapitel: Von der Historie der Industriestandorte und ihrer Entwicklung, von der Entstehung von Fabriken und Fabrikzweigen sowie ihren Typologien, von Analysen der Bauwerke in den einzelnen Sparten, von Darstellungen der Baukonstruktionen und Materialien. Ferner gibt es Ausführungen zur Bauaufgabe der Industriearchitektur als solche und zur Ästhetik nebst Stilbildung samt Fassadentypologien, Bautypenanalyse, Materialverwertung oder Konstruktionserläuterungen. Es bleiben kaum Desiderate. Bei allen Gebäuden werden Entstehung, Entwicklung und Gebrauch mit aufgezeigt.

Neben grundsätzlichen Antwortversuchen auf Fragen nach den Baumeistern, die Gewerbe- und Industriebauten geplant und ausgeführt haben, oder der Aufklärung darüber, wer für den Entwurf und wer für die Statik samt Konstruktion zuständig war, scheute sich der Autor auch nicht davor, oft als lästig betrachtete Randgebiete anzuschneiden, wie etwa die für die Architektur bedeutende Herausbildung von Regelwerken und Vorschriften, die Verbreitung von technischem Wissen, die Entwicklung des gewerblichen Unterrichtswesens sowie die Ausbildung von Architekten und Ingenieuren.

Das ganze Ineinandergreifen von hochkomplexen Entwicklungen vermittelt Mislin keineswegs detailversessen und langatmig, sondern konkret und allgemeinverständlich, begleitet von vielen Abbildungen, Plänen, Zeichnungen, Stichen und Ansichten. Die auf einer Quellenauswertung von über 100 historischen Industriestandorten in Berlin basierende Studie ist so breit angelegt, dass sie als mustergültige Entwicklungs- und Technikgeschichte der deutschen Industriearchitektur angesehen werden kann. Darüber hinaus konnte sich der Autor überwiegend auf authentische Objekte stützen. So erstaunt es, wieviel in Berlin erhalten geblieben ist. Dies wird auch deutlich, wenn man den Firmenkatalog durchgeht, der neben dem Verzeichnis der Baumeister, Ingenieure und Unternehmer das Buch zu einem unverzichtbaren Nachschlagewerk der industriell so bedeutenden Epoche zwischen 1840 und 1910 aufwertet. Zu hoffen bleibt, dass diese wichtige Arbeit von Mislin dazu beiträgt, neben den Residenz-, Theater-, Museums-, Kloster- oder Kirchenbauten nun endlich auch den oftmals beherrschenden, stadtbildprägenden Industriebauten mehr Aufmerksamkeit entgegen zu bringen.

Mirion Mislin: Industriearchitektur in Berlin 1840-1910.
Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen, Berlin 2002.
460 Seiten mit 554 Abbildungen, davon 14 in Farbe. Preis 99,90 Euro.



12.01.2004

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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