Die Kunst, online zu lesen.

Home


Wissen

Geschichte


Sammelgebiete


Restaurierung und Fälschung


Preisführer


Bücher


Recht, Steuer & Versicherung


Transport & Zoll


Gestohlene Kunst


Stilrichtungen





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 27.10.2018 Auktion 49

© Auktionshaus Lehr

Anzeige

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto  Modersohn

Stilleben mit Äpfeln in weißer Schale mit blauem Glas, 1925 / Otto Modersohn
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack

Ohne Titel, 2012 / Heinz Mack
© Galerie Neher - Essen


Anzeige

Nature morte au crane / Pablo Picasso

Nature morte au crane / Pablo Picasso
© Galerie Weick


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Bücher

Aktuellzum Archiv:Buchvorstellung

Der Münsteraner Verleger Josef Kleinheinrich hat sich seit über 30 Jahren auf die Produktion besonderer Bücher an der Schnittstelle von Literatur und bildender Kunst spezialisiert. Eine seiner aktuellen Neuerscheinungen vereint grafische Arbeiten von Henri Matisse, poetische Reflexionen von Botho Strauß und einen kunsthistorischen Essay von Markus Müller

Bibliophiler Dreiklang



aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

Nicht weniger als 6,4 Millionen Menschen, das sind 18 Prozent ihrer bisherigen Leser, hat die deutsche Buchbranche allein zwischen 2013 und 2017 an das immer größer werdende Heer der Nicht-Leser verloren. Die meisten Bücher, die heute noch auf den Markt kommen, sind zum schnellen Konsum bestimmt. Mehrere hundert Seiten dicke Taschenbücher, viele davon Unterhaltungsromane und Krimis bevölkern die Auslagen der Buchhandelsketten, Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen. Das meiste davon landet wohl irgendwann im Altpapier. Denn – so vermeldeten es jüngst etliche Feuilletons – selbst IKEA, einst der Hauslieferant preisbewusster Bücherfreunde, stattet seinen Klassiker, das Billy-Regal, im neuesten Katalog nicht mehr mit Büchern sondern lediglich mit allerlei dekorativem Krimskrams aus.


Dass es zu jedem beklagenswerten Trend auch eine Gegenbewegung gibt, stellt der Münsteraner Verleger Josef Kleinheinrich seit 1986 eindrucksvoll unter Beweis. Im Oer’schen Hof, einem alten Adelspalais aus dem 18. Jahrhundert in der Münsteraner Innenstadt, konzipiert er in enger Zusammenarbeit mit namhaften Schriftstellern und bildenden Künstlern ästhetisch anspruchsvoll gestaltete und handwerklich perfekt umgesetzte Buchkunstwerke für Kenner und Sammler. Regelmäßig setzt er dabei auf das produktive Zusammentreffen von Sprache, Text und Bild. Josef Kleinheinrich engagiert sich zudem für die Förderung niederländischer und insbesondere skandinavischer Gegenwartsliteratur im deutschsprachigen Raum. So brachte er etwa die isländische Dichterin Linda Vilhjálmsdóttir mit dem Berliner Maler Bernd Koberling zusammen. Inspiriert von ihren Gedichten, schuf dieser 40 Aquarelle. Eine weitere aktuelle Kooperation mündete in das aufwändig hergestellte Buch „Der Mittler“ von Botho Strauß und Neo Rauch. Fünf von Neo Rauch ausgewählte neuere Texte des 1944 geborenen Schriftstellers und Dramatikers korrespondieren hier mit acht Kreidezeichnungen des Leipziger Künstlers.

Aus dem vertieften Kontakt mit dem zurückgezogen in der brandenburgischen Uckermark lebenden Botho Strauß ist jetzt ein weiteres ungewöhnliches Buch mit drei Beteiligten entstanden. Der von Josef Kleinheinrich gemeinsam mit Botho Strauß gestaltete und von dem Hamburger Klaus Raasch typographisch betreute Band enthält im Mittelteil 76 Reproduktionen grafischer Arbeiten von Henri Matisse. Sie wurden aus einem Konvolut von insgesamt 121 Arbeiten ausgewählt, die die Sparkasse Münsterland Ost im Jahr 2015 direkt von den Matisse-Erben erworben hat.

Als Dauerleihgabe werden diese Blätter im Kunstmuseum Pablo Picasso in Münster aufbewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zuvor allerdings waren sie 60 Jahre lang in einem Pariser Banksafe unter Verschluss. Botho Strauß wiederum hat sich von den Holzschnitten, Lithografien, Linolschnitten, Radierungen und Aquatinten zu kurzen, prägnanten Texten inspirieren lassen, die keineswegs nur die Bilder beschreiben, sondern, von Matisse ausgehend, auch einen breiten kunst- und ideengeschichtlichen Bogen von der Renaissance über die Romantik und die Moderne bis ins Digitalzeitalter schlagen.

Dass er kein Freund der digitalen Bilderflut ist, daraus macht Botho Strauß keinen Hehl: „Kein Werk von Rang, dessen Betrachtung unbeeinflusst bliebe von der Sattheit und Trunkenheit der visuellen Gelage, an denen teilzunehmen wir unablässig gezwungen sind. Man muß einiges daran setzen, eine störungsfreie Verbindung zu einem ‚Original‘ oder Ur-Bild herzustellen. So jedenfalls packt es den Alt-Menschen an. Den Digitalen schert es nicht. Er, der Verspielte, ordnet sich und seine Optik neu. Aber vielleicht wird er morgen schon der Getäuschte – oder gar der Verspielte, der bereits verspielt hat?“

Was Botho Strauß hingegen fasziniert, ist die Zeitlosigkeit der Gesten und Gebärden, wie sie dem Betrachter auch auf den Blättern von Henri Matisse, darunter viele weibliche Akte und Gesichtsstudien, begegnet. Trotz Smartphone, Steuerknüppel oder Fernbedienung: Die Sprache des Körpers habe sich im Laufe der Jahrhunderte eigentlich kaum verändert, stellt Botho Strauß fest. Er schreibt: „... die (für sich) sprechenden Gesten sind ohne Dinge. Hände in die Hüften gestemmt. Ellenbogen abstehend. Umfangvergrößerung, zeitlos, tierisches Erbe.“

Botho Strauß nimmt die mal detailliert ausgeführten, mal chiffrenhaft verkürzten Matisse-Blätter zum Anlass, über unterschiedliche Themen zu reflektieren: das Verhältnis zwischen Maler und Modell, Meister und Schüler, das Gefangensein des weiblichen Modells in den „unsichtbaren Fesseln“ seiner Nacktheit, den fragwürdigen Fortschritt in der Kunst, die verschiedenen Lebensalter des Malers und seine damit einhergehenden Empfindungen und „Abirrungen“. Ebenso versucht er aber auch, sich in die Gedankenwelt des Modells hineinzuversetzen, das seine eigene Spiegelung beziehungsweise Verdoppelung auf der Leinwand betrachtet und reflektiert.

Dritter im Bunde ist Markus Müller, der Kunsthistoriker und Direktor des Kunstmuseums Pablo Picasso. In seinem ausführlichen Aufsatz „Die Essenz der Dinge. Die Sprache der Linie bei Henri Matisse“ nimmt er eine profunde Einordnung der Blätter im Kontext des Gesamtwerks vor. Markus Müller beschreibt zunächst den akribisch festgelegten Tagesablauf des einem bürgerlichen Milieu entstammenden Malers, den er „als eine Art Thomas Mann der französischen Kunst der Moderne“ bezeichnet. Er betont die Bedeutung des „Schwarz“, gerade im grafischen Œuvre von Matisse, er geht auf die dekorative Ästhetik des Musters und der Arabeske ein, die für Henri Matisse’ Bildsprache so charakteristisch ist. Und er verortet die spontane, oft expressive Handzeichnung als Resultat „eines „Bewusstseinsstrom(s), den der Künstler schnell und unzensiert dem weißen Blatt anvertraut“.

Gerade der Dreiklang von exklusiv für diese Publikation verfassten, poetischen Reflexionen von Botho Strauß, ausgewählten „Estampes“, also auf Handzeichnungen basierenden Druckblättern von Henri Matisse, und Markus Müllers wissenschaftlicher Expertise, die ebenso kurzweilig wie anregend ausformuliert ist, dürfte Literaturkenner, Kunstbegeisterte und Sammler besonders gestalteter Buchobjekte in seinen Bann ziehen.

Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay
Verlag Josef Kleinheinrich, Münster 2018
186 Seiten, leinengebunden mit Pergaminumschlag, Fadenheftung, 49 Euro
Vorzugsausgabe: 25 Exemplare sind von Botho Strauß signiert und nummeriert und mit einer handgeschriebenen Reflexion versehen



01.10.2018

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Nicole Büsing & Heiko Klaas

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Gesamt Treffer 10

Seiten: 1  •  2

Berichte (1)Variabilder (8)Künstler (1)

Bericht:


Picasso-Museum Münster erhält Matisse-Sammlung

Variabilder:

Verlagsräume von Josef Kleinheinrich im Oer’schen Hof
Verlagsräume von Josef Kleinheinrich im Oer’schen Hof

Variabilder:

Der Oer’sche
 Hof in Münster
Der Oer’sche Hof in Münster

Variabilder:

Der Verleger Josef Kleinheinrich
Der Verleger Josef Kleinheinrich

Variabilder:

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus
 Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“
aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

Variabilder:

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus
 Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“
aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

Variabilder:

Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller:
 Reflexionen/Estampes/Essay
Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay

Variabilder:

Botho Strauß
Botho Strauß

Variabilder:

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus
 Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“
aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“







Botho Strauß

Botho Strauß

Der Verleger Josef Kleinheinrich

Der Verleger Josef Kleinheinrich

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay

Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay

Der Oer’sche Hof in Münster

Der Oer’sche Hof in Münster

Verlagsräume von Josef Kleinheinrich im Oer’schen Hof

Verlagsräume von Josef Kleinheinrich im Oer’schen Hof

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“

aus „Botho Strauß, Henri Matisse, Markus Müller: Reflexionen/Estampes/Essay“




Copyright © '99-'2018
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Wissen

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce