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Sammelgebiet Glas aus Jugendstil und Art Déco – Teil 5

Bedeutende Firmen und Stilrichtungen Nordböhmen und Schlesien



Deckelgefäß (links im Bild), Haida oder Steinschönau, Ausführung um 1920, Entwurf Alexander Pfohl zugeschrieben

Deckelgefäß (links im Bild), Haida oder Steinschönau, Ausführung um 1920, Entwurf Alexander Pfohl zugeschrieben

Die künstlerische Entwicklung der traditionellen Glasveredelungstechniken Schliff, Schnitt und Malerei konzentrierte sich in Nordböhmen um die Glasfachschulen, von denen um die Jahrhundertwende ca. 22 Stück existierten. Die Fachschulen für Glasindustrie - die bedeutendsten waren in Steinschönau und Haida - waren für die handwerkliche Ausbildung zuständig, während die sogenannten Kunstgewerbeschulen die künstlerische Ausbildung verfolgten.



Der Abschluss einer Fachschule war meist Voraussetzung für die Aufnahme in eine Kunstgewerbeschule. Die böhmischen Glasfachschulen waren bestrebt, den Anschluss der Glashandwerker an die Moderne zu bewerkstelligen, was allerdings mit einigen Problemen behaftet war, gerade in Hinblick auf die aus Frankreich kommenden Innovationen. Zeitgenössische Fachleute kritisierten, dass die Fachschulen immer noch nicht über eigene Öfen verfügten und deshalb das gesamte Gebiet der hüttengeformten und hüttenverzierten Gläser, z.B. irisierende Gläser im Stil von Lötz Witwe, nicht anbieten könnten.

Auf der anderen Seite hatten die Fachschulen enge Kontakte zu den wichtigsten Museen und zur Wiener Kunstgewerbeschule, wo immer wieder Ausstellungen mit Schülerarbeiten stattfanden und Musterkollektionen als Anschauungsmaterial bereitgestellt wurde. Man zeigte sich sogar auf internationalen Ausstellungen, beispielsweise 1904 auf der Weltausstellung in St. Louis, wo allein drei Räume des österreichischen Pavillons mit Exponaten der Fach- und Kunstgewerbeschulen bestückt waren.

Die Glasfachschulen waren wichtige Partner der Glasindustrie Böhmens. Man belieferte die Firmen mit Entwürfen, experimentierte im chemischen Laboratorium und zeigte so neue Wege bei der Erzeugung modernen Kunstglases auf. Der Einfluss reichte soweit, dass heute die nordböhmischen Gläser generell gerne als „Fachschulgläser“ bezeichnet werden. Die Glasfachschule in Zwiesel leistete unter der Leitung Bruno Mauders einen ebenso wichtigen Beitrag zur modernen Glasgestaltung. Nicht nur in den Glasfachschulen, auch direkt in den erzeugenden Betrieben waren es bedeutende Künstler, wie z.B. der Leiter der Dresdner Kunstgewerbeschule Max Rade, die der Glasproduktion eine neue Ausrichtung gaben.

Als eine der wichtigen Firmen in der Region ist die in Petersdorf im Riesengebirge ansässige Firma Fritz Heckert zu nennen. Um 1900 konnte die bis dato historistisch ausgerichtete Produktion mit Hilfe von Ludwig Sütterlin und Max Rade eine völlig neue künstlerische Richtung einschlagen. Basierend auf der traditionellen Technik der Emailmalerei entstanden jetzt moderne Jugendstildekore. Alexander Pfohl, selbst in Haida und an der Wiener Kunstgewerbeschule ausgebildet, war von 1919 an zehn Jahre lang der Leiter der Entwurfsabteilung der Gräflich Schaffgotsch’schen Josephinenhütte in Schreiberhau in Schlesien. Seine Dekorauffassung reflektiert beispielhaft die Entwicklungen der Vorkriegsjahre an den nordböhmischen Fachschulen und der Wiener Kunstgewerbeschule: Ausgehend von naturalistischen Zügen wandeln sich die Motive zu floral inspirierter, abstrahierend geometrischen Auffassung.

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Entwurfstätigkeiten der deutschen und österreichischen Avantgarde das moderne Glasdesign des 20. Jahrhundert begründeten und in ihrer material- und nutzungsgerechten Orientierung weit über die Epocheneinteilungen wie Jugendstil und Art Déco hinausgingen. Die Entwurfsarbeit der universell tätigen Künstler war nicht an eine bestimmte Firma gebunden und auch nicht direkt von einem konkreten Firmenauftrag begründet. In vielen Fällen waren es Glasverleger wie Lobmeyr und Bakalowits in Wien, welche die Entwürfe der Wiener Werkstätten an Herstellungsbetriebe vermittelten. Ihnen kam sozusagen die Rolle der Kunstagenten zu. In Deutschland, besonders im Raum München, waren es die Deutschen Werkstätten, die mit einer Verbindung traditioneller Techniken und moderner Formgebung den Weg ins Design des 20. Jahrhunderts finden wollten.



14.02.2002

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Susanne Fleischner

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Variabilder:

Deckelgefäß (links im Bild), Haida oder Steinschönau, Ausführung um 1920, Entwurf Alexander
 Pfohl zugeschrieben
Deckelgefäß (links im Bild), Haida oder Steinschönau, Ausführung um 1920, Entwurf Alexander Pfohl zugeschrieben

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Pokal, Fachschule Steinschönau, Ausführung um 1930
Pokal, Fachschule Steinschönau, Ausführung um 1930

Variabilder:

Vase mit reitendem Putto, Fachschule Steinschönau, Entwurf und
 Ausführung um 1912
Vase mit reitendem Putto, Fachschule Steinschönau, Entwurf und Ausführung um 1912

Variabilder:

Balusterförmige Vase, Fritz Heckert,
 Petersdorf, Entwurf Max Rade, Ausführung um 1898/99
Balusterförmige Vase, Fritz Heckert, Petersdorf, Entwurf Max Rade, Ausführung um 1898/99







Balusterförmige Vase, Fritz Heckert, Petersdorf, Entwurf Max Rade, Ausführung um 1898/99

Balusterförmige Vase, Fritz Heckert, Petersdorf, Entwurf Max Rade, Ausführung um 1898/99

Pokal, Fachschule Steinschönau, Ausführung um 1930

Pokal, Fachschule Steinschönau, Ausführung um 1930

Vase mit reitendem Putto, Fachschule Steinschönau, Entwurf und Ausführung um 1912

Vase mit reitendem Putto, Fachschule Steinschönau, Entwurf und Ausführung um 1912




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