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40 ausgewählte Kunstprojekte, die abseits des etablierten Kunstgeschehens liegen, hat der GKS-Fachverlag in einem Buch zusammengestellt und gibt einen Überblick über „Off Spaces“ und deren Bedeutung

Kunst an außergewöhnlichen Orten



Julia Brodauf: Off Spaces & Sites 1.0

Julia Brodauf: Off Spaces & Sites 1.0

Immer mehr Künstler nutzen ungewöhnliche Orte, um ihre Kunst zu inszenieren. Dabei stehen besonders Räume und Gegenden im Fokus, die der Besucher ohne die Kunst nie betreten würde, wie zum Beispiel einen verlassenden Eisenbahntunnel oder eine alte U-Bahn-Station, die nicht mehr befahren wird. Aber auch verlassene Häuser, Gefängnisse und Bunker dienen als Szene-Location, um Kunst auszustellen. In diesen Off Spaces können sich gerade junge Künstler ausleben und auf eine unkonventionelle Weise ihre Kunst kreieren.


Hier entstehen bewusste und unbewusste Symbiosen zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen dem Raum und der Kunst. Aber auch Kontraste können die künstlerische Darstellung in dem Off Space prägen. Die damit erzeugte Spannung bietet nicht nur für die Künstler einen Reiz, sondern auch für das Publikum. Der Betrachter ist sonst an Galerien und Ausstellungen gewöhnt, in denen die Beleuchtung, die Hängung und die Wandfarbe auf die ausgestellten Objekte perfekt abgestimmt wurden. Der Raum tritt meist hinter den Kunstwerken zurück, er ist ihnen untergeordnet und spielt in den meisten Fällen keine besondere Rolle. In den Off Spaces wird gekonnt mit diesen üblichen Voraussetzungen gespielt. Der Raum tritt in einen Dialog, er kann die Kunst hervorheben aber auch verdrängen.

Genau diesen ungewöhnlichen Orten widmet sich Julia Brodauf in dem zweisprachig verfasstem Buch „Off Spaces & Sites 1.0 – Außergewöhnliche Ausstellungsorte abseits des etablierten Kunstmarkts“. In ihm werden nach einer allgemeinen Erläuterung und Definition die Genese und Entwicklung dieses Ausstellungskonzepts erläutert, anschließend 40 ausgewählte Räume aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt. Es handelt sich bei diesen Off Spaces nur um eine kleine Anzahl. In jeder größeren Stadt hat sich eine „Off-Kunstszene“ entwickelt. Die Off Spaces, die Julia Brodauf und ihre Autorenkollegen in dieser Publikation behandeln, wollen einen Anreiz bieten, sich mit der Welt der qualitätvollen ortsbezogenen Kunst und ihren Protagonisten auseinanderzusetzen, so die Autorin. Und diesen Rat sollte man befolgen: Die Orte, die gezeigt werden, könnten nicht unterschiedlicher sein.

Ein Bespiel ist das ehemalige Nato-Gelände im Stadtwald Montabaur zwischen Köln und Frankfurt. Auf einer Fläche von zwölf Hektar ist der Kunstpark „b-05“ entstanden. In den verlassenen Munitionsbunkern finden heute Ausstellungen statt. Auf dem Gelände sind außerdem Gebäude angesiedelt, die als Atelier und Arbeitsort für verwandte Branchen genutzt werden. Das Projekt „b-05“ ist eine private Initiative des Architektenpaars Jan Nebgen und Leisa Brubaker, die 2005 das Potenzial des Grundstücks erkannten und durch die Unterstützung der Stadt und die Gründung eines Vereins diesem Ort neues Leben verliehen. Als kommunikative Plattform will er offen für alle Genres der Kunst und Wissenschaft sein. Seit 2008 stehen sieben von fünfzehn Bunkern für Ausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Diese im zivilen Leben absurd anmutenden architektonischen Relikte des Krieges würden durch und mit Kunstwerken vollkommen neu interpretiert, so Oliver Zybok, Kurator der Ausstellung „Spuren der Sonne“ von 2009. Unter den Ausstellern in „b-05“ waren auch internationale Künstler wie Thomas Ruff, Thomas Demand und Donald Judd.

Ein völlig anderes Projekt haben die jungen Greifswalder Künstler Martha Damus und Marcus Oesterreich ins Leben gerufen. Sie bauten einen ausgedienter DDR-Wohnwagen zu einer mobilen Kunstgalerie aus. Unter dem Namen „black-egg“ – außen ganz in Schwarz, innen ganz in Weiß – erobert die kleine Galerie Europa. Sie war auf der Documenta in Kassel, bei der Ars Electronica in Linz und stand bereits in Berlin, Bremen und auf Rügen. Unterstützt wurde das vor allem für Videoprojektionen geeignete Projekt vom Caspar-David-Friedrich-Institut an der Universität Greifswald. Die Galerie ist mit einer diebstahlsicheren Videotechnik ausgestattet und kann daher ohne Personal betrieben werden, wenn sie ihren Stellplatz bezogen hat.

Dass Kunst nicht immer in einem Raum, sondern mitten im Leben stattfinden kann, beweist das Projekt „Karat ist draußen“. Vierzehn große Vitrinen auf der Magnusstraße in Köln gehören zu einem Parkhaus und zeigen hinter ihren quadratischen Scheiben statt Werbung Werke von vierzehn Künstlern. Dabei fungiert jedes der Schaufenster als Einzelausstellung – als eigener Raum. Damit treten nicht nur die einzelnen Präsentationen untereinander in einen Dialog, sondern auch die Schaufenster mit der Parkhausfassade. Durch die Installation in den öffentlichen Raum kennt dieser Off Space keine Öffnungszeiten. Das Kuratorenteam besteht aus Künstlern Yvonne Klasen, Paul Leo und Malo, die neben ihrer eigenen Kunst dort Freunde und Kollegen zur Kunstpräsentation bei „Karat ist draußen“ einladen.

Eines haben alle Off Spaces gemeinsam. Sie setzen sich auf eine neue, manchmal auch ungewöhnliche Weise mit ihrem Ort und der Kunst auseinander. Teils spielt der historische Hintergrund des Raumes eine Bedeutung, teils werden die Orte in den öffentlichen Raum neu integriert, um so die Distanz zum Publikum zu überwinden. Man muss nicht mehr zur Kunst gehen, sie kommt zum Betrachter. Durch das Außergewöhnliche soll seine Neugier geweckt werden. Und dieses Konzept funktioniert. Ob auf dem Kunstschiff „Arte Noah“ auf dem Main in Würzburg oder in dem schwarz-weißen Taxi von „Utopia Travel“, das durch ganz Europa fuhr und Videoinstallationen zeigte, – diese Räume beweisen Mut und Experimentierfreude und tragen zur Vermittlung zeitgenössischer Kunst bei. Einige von ihnen sind nur temporäre Projekte, andere haben Kultstatus in der Kunstszene erreicht, sie arbeiten mit Spannung, ungeahnten Raumwirkungen und faszinieren das Publikum. Julia Brodauf schafft es, dem Leser diese neuen „Kunsträume“ näher zu bringen, und weckt durch ihre Beschreibungen immer wieder das Interesse, den ein oder anderen Off Space persönlich zu erkunden. Hierfür wäre ein Ortsregister hilfreich gewesen; der Leser muss sich schon ganz schön durch die Publikation wühlen, um zu wissen, wo diese Off Spaces liegen.

Julia Brodauf: Off Spaces & Sites 1.0. Außergewöhnliche Ausstellungsorte abseits des etablierten Kunstmarkts
GKS-Fachverlag für den Kunstmarkt, Bad Honnef, 2013
144 Seiten, zweisprachig: englisch/deutsch, broschiert, Preis: 29,80 Euro



03.08.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Marie-Luise Dulias

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