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Eine fundierte Studie stellt erstmals den Anteil des Betonbauunternehmens Dyckerhoff & Widmann an der künstlerischen Entwicklung von Bauwerken um 1900 vor

Vermeintliche Substitute der Kunst



Knut Stegmann: Das Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann. Zu den Anfängen des Betonbaus in Deutschland 1965-1918

Knut Stegmann: Das Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann. Zu den Anfängen des Betonbaus in Deutschland 1965-1918

Kunstwerke gelten stets als Resultat schöpferischer Prozesse vornehmlich eines einzigen kreativ Tätigen. Auch bei Gebäuden tritt unabhängig von Leistungen der Ingenieure und Baufirmen immer nur der Name des ideengebenden Architekten ins Rampenlicht. Nur allzu oberflächlich – wenn überhaupt – wird der Beitrag anderer Mitwirkender erwähnt. Dies scheint ausdrücklich im modernen Ingenieurbau als ungerecht. Besondere Ideen steuerte die Betonindustrie seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bei, deren baukünstlerisch oft entscheidenden Bestandteile vielfach als unbedeutende Substitute teurer Natursteinprodukte abgetan wurden. Immer wieder taucht bei renommierten Projekten der Name des Unternehmens Dyckerhoff & Widmann auf. Die Entwicklung des Betonbaus in Deutschland scheint mit dieser Firma so eng verknüpft wie mit kaum einer zweiten. Erstmals nun beleuchtet eine umfangreiche Studie die Geschichte, technischen Innovationen und das Wachstum von Dyckerhoff & Widmann, ergänzt von einem umfassenden Werkverzeichnis. Die darin vorgestellten Bauten stammen teils von renommierten Architekten und zählen zu den bekanntesten der Epoche zwischen 1865 und 1918.


Das am 1. Juli 1865 in Karlsruhe gegründete und seit 1869 unter dem Namen Dyckerhoff & Widmann firmierende Unternehmen unterzieht der Autor Knut Stegmann in seiner Dissertation einer eingehenden Analyse sowohl unter merkantilen Aspekten als auch hinsichtlich der Wirkung als Akteur im frühen Betonbau. Der Erfolg hatte hier viele Väter. Die Kombination aus Kapitalgebern und innovativen Wissenschaftlern unter der einenden Autorität des aus einer Baumeisterdynastie stammenden Wilhelm Gustav Dyckerhoff (1805-1894) erwies sich ebenso als glückliche Voraussetzung wie die günstigen Umstände der Zeit. Das rasante Wachstum der Städte und der Industrie ab den 1870er Jahren, die gewaltigen Investitionen auf den Sektoren der Wasserversorgung und Kanalisation, des Industriebaus, des Verkehrs oder der Energieversorgung bewirkten eine unermessliche Nachfrage nach Rohren, Bauelementen, Bodenplatten und vielen weiteren funktionalen Produkten.

Doch auch künstlerisch-ornamentale Erzeugnisse lieferte die Firma Dyckerhoff & Widmann. Figuren, Dekorationen und verzierte Architekturelemente erlangten aufgrund des günstigen Preises im Vergleich zu von Steinmetzen gefertigtem Fassadenschmuck schnelle Verbreitung. Gewaltige Produktionsmengen an derartigem Zierrat fanden Verwendung an öffentlich-repräsentativen Bauten wie Schulen, Verwaltungen oder Schlössern. Besonders auf Messepräsentationen oder Gewerbeausstellungen waren jene Erzeugnisse von Dyckerhoff & Widmann ein Hingucker. Lebensgroße Figuren, Büsten berühmter Persönlichkeiten, Säulen, Kapitelle, Vasen und dekorative gestaltete Architekturteile standen im Blickfeld weit vorne und drängten die wirtschaftlich mindestens ebenso lukrativen, aber weniger repräsentativen Betonröhren im öffentlichen Bewusstsein an den Rand.

Von den Schauobjekten hat sich der mehrfach aufgelegte, von Karl Friedrich Moest entworfene „Galateabrunnen“ von 1872 im Park des Karlsruher Bundesgerichtshofs bis heute noch erhalten. Ein besonderes Highlight war die Brücke der Firma Dyckerhoff & Widmann auf der Düsseldorfer Gewerbeausstellung im Jahr 1880. Die als Ausgangspunkt der Geschichte weit gespannter Betonbrücken geltende Konstruktion wurde öffentlichkeitswirksam und bestückt mit üppigem Zierrat aus Figuren und Ornamenten des Frankfurter Dekorationsbildhauers Franz Jakob Born (1845-1902) in Szene gesetzt, um ästhetische Vorbehalte gegen den Beton zu entkräften. Doch der zunehmende Verkehrswegebau, insbesondere der Bau von Eisenbahntrassen, verlangte nach belastbaren sicheren Brücken.

Neben dem gebräuchlichen Stampfbeton etablierte sich der 1867 patentierte eisenarmierte Beton. Auch Dyckerhoff & Widmann konnten sich dem Siegeszug der neuen Eisenbetonbauweise nicht entziehen. Die bemerkenswerte Expansion des Unternehmens aufgrund des Wirtschaftsaufschwunges zeigt sich unter anderem in einer Verzehnfachung der Mitarbeiterzahl. Bis 1914 hielt das Wachstum auch aufgrund des Brücken- und Eisenbetonbaus an. Auf der Düsseldorfer Industrie- und Gewerbeausstellung im Jahr 1902 bildete der Monumentalbau des Deutschen Beton-Vereins mit vorgelagerter Wasserkaskade samt überspannender Betonbrücke von Dyckerhoff & Widmann einen Anziehungspunkt ohnegleichen. Auch hier fußte die Anknüpfung an historische Vorbilder auf der Intention, eine Nobilitierung des als seelen- und traditionslos betrachteten Baustoffs zu erzielen.

Nach der von Knut Stegmann sehr detailliert analysierten technischen, künstlerischen und wirtschaftlichen Entwicklung von Firma, Produkten und realisierten Projekten verdient vor allem das verdienstvolle Werkverzeichnis besonderes Augenmerk. Die zu Anfang des 20. Jahrhunderts nach Plänen teils renommierter Architekten ausgeführten Großprojekte lesen sich wie ein „who is who“ der Baugeschichte. Als wohl wichtigster Bau steht die um 1911/12 nach Plänen von Max Berg errichtete Jahrhunderthalle in Breslau allen voran. Die ingenieurtechnische Durcharbeitung der Rippenkuppel in schalungsrauhem Sichtbeton sowie die Präsentation des nackten Tragwerks für eine repräsentative Versammlungsstätte waren seinerzeit sensationell. Fast zeitgleich beschäftigten sich Dyckerhoff & Widmann mit dem Wiederaufbau der Eisenbetonkuppel im frühklassizistischen Dom St. Blasien im Schwarzwald oder der von Theodor Fischer geplanten Ulmer Garnisonkirche, wo gleichfalls im Kastenraum offen die Materialität des Eisenbetontragwerks nachvollziehbar blieb.

Eine Reihe von Museen oder heute als solche genutzten Bauten gehören gleichfalls zum Œuvre von Dyckerhoff & Widmann bis 1918. Nach Plänen Gabriel von Seidls wurde 1906 auf der Münchner „Kohleninsel“ mit dem Bau des Deutschen Museums das erste Technikmuseum der Welt in Angriff genommen. Natursteinen ähnelnd, wurde der bis 1916 ausgeführte Komplex aufwendig ästhetisiert. Theodor Fischer wiederum entwarf die 1910 ausgeführte Kuppel am Stuttgarter Kunstgebäude. Im Jahr 1913 wurde die Hamburger Kunsthalle nach Plänen von Fritz Schumacher erweitert. Nicht zuletzt trugen Dyckerhoff & Widmann auch für die Ausführung der Deutschen Waffen- und Munitionsfabrik DWM von 1915 bis 1918 nach Entwürfen von Philipp Jakob Manz Verantwortung. In dem gewaltigen, nach Vorbild amerikanischer Bauten von tagesbelichteten Innenhöfen durchzogenen Block in Karlsruhe residieren heute das ZKM, das Städtische Kunstmuseum und die Staatliche Hochschule für Gestaltung.

Nach erfolgreich überstandener Zwischenkriegszeit mit beachtlichen Realisierungen wie dem Wolfsburger Volkswagenwerk verlegten Dyckerhoff & Widmann 1948 den Hauptsitz nach München. Industrie- und Tiefbau war ihr Hautbetätigungsfeld in den nachfolgenden Jahrzehnten. In den 1970er Jahren entwickelte sich die schlüsselfertige Ausführung von Verwaltungshochhäusern zum neuen Geschäftsfeld. Das Münchener BMW-Hochhaus nebst Firmenmuseum von 1970/72 zählt dazu. 1992 übernahm die Walter-Gruppe die Aktienmehrheit an der Firma. Mit ihrer Insolvenz 2005 und dem Übergang an den österreichischen Strabag-Konzern endet im Großen und Ganzen auch die Firmenhistorie. Lediglich einige Tochterfirmen firmieren noch heute unter der alten Marke Dyckerhoff & Widmann. Stegmanns fulminante Publikation gibt instruktive Einblicke in einen wesentlichen, aber zugleich eher im Schatten stehenden Zweig der Bau- und Kunstgeschichte. Besonders für diejenigen, die sich mit neuerer Baukunst beschäftigen, stellt es zugleich ein aufschlussreiches Nachschlagewerk dar.

Knut Stegmann: Das Bauunternehmen Dyckerhoff & Widmann. Zu den Anfängen des Betonbaus in Deutschland 1965-1918
Ernst Wasmuth Verlag, Tübingen, 2014
428 Seiten, circa 450 Abbildungen, Preis 68 Euro



16.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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