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Eine kunsthistorische Beachtung des Frankfurter Malers Karl Tratt blieb bisher aus. Nun widmet sich Hans-Jürgen Fittkau in seiner Publikation erstmals ausführlich dem kurzen Leben und dem dennoch vielschichtigen Werk des talentierten Beckmann-Schülers, der mit 37 Jahren an Tuberkulose verstarb

…werden sie nurmehr meine Seele vorfinden



Hans-Jürgen Fittkau: Aus der Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt

Hans-Jürgen Fittkau: Aus der Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt

Die Monografie „Aus der Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt (1900-1937)“ weist bereits in ihrem Titel unterschwellig auf das Schattendasein des Künstlers Karl Tratt hin: Sein Name folgt schon in der Überschrift seinem prominenten Meister nach. Es ist kein Geheimnis, Karl Tratt ist keine Persönlichkeit, die auf den großen Bühnen des Kunstgeschehens auftritt. Dass eine Würdigung Tratts trotz oder gerade wegen seines Schattendaseins mehr als berechtigt ist, beweist der Autor Hans-Jürgen Fittkau in seiner Biografie über den Frankfurter Maler, der als Meisterschüler an der Städelschule stets als „auffällig begabt“ gelobt wurde und bei seinem berühmten Lehrer hohe Sympathien genoss. Ausgehend von einem anfänglichen intensiven Naturstudium, entwickelte Karl Tratt im Laufe seiner künstlerischen Ausbildung zunehmend eigene schöpferische Kräfte, nutzte die Wirklichkeit wie auch die Abstraktion für seine farbenreichen Gemälde. Tratt strebte nach Klarheit in der Form bei gleichzeitiger Erfassung des Geistes. Besonders seine aufs Wesentliche konzentrierten Selbstportraits leben von einer inneren, konzentrierten Bildsprache, die mit klaren Linien eine formale Struktur ausbildet, aber gleichzeitig Einblicke in die eigene Gefühlswelt offenbart.


In den Ausführungen, die vielfach durch Zwischenüberschriften durchgegliedert sind, erwartet den Leser nicht vorrangig die chronologische Auflistung der Stationen, die der Maler in seinem kurzen Leben durchlief. Vor allem ist es der große gedankliche Bogen, den Fittkau um die zentrale Figur Tratt legt, um dessen Leben auf persönlicher, sozialer, kultureller und politischer Ebene zu veranschaulichen. Briefe Tratts, die tiefe Einblicke in seine Gedankenwelt geben, ein ausführliches Personenverzeichnis sowie einen umfangreichen Abbildungsanhang vervollständigen die Schilderungen, die die schwierigen Lebensumstände des Malers beschreibt sowie den Einfluss seines Lehrers und die Konflikte darlegt, die sich durch diesen Umstand vor allem zum Zeitpunkt der nationalsozialistischen Machtergreifung ergaben. Die schwere Krankheit des Malers, seine psychischen und physischen Kämpfe und die Hoffnung auf Heilung im Davoser Sanatorium bekommen ein eigenes Kapitel.

Im Jahr 1900 in Sindlingen bei Frankfurt geboren, erlernte Karl Tratt zunächst den Beruf des Weißbinders, bemühte sich jedoch parallel stets um eine geistige Weiterbildung, hegte er doch schon in Jugendjahren großes Interesse für Philosophie und Musik. Auch seine zeichnerischen Fähigkeiten blieben ihm nicht verborgen, was ihn dazu veranlasste, sich als Autodidakt technisch und kompositorisch zu verbessern. Dieser Ehrgeiz spielte ihm positiv zu, im Jahr 1924 wurde er in die Frankfurter Kunstgewerbeschule aufgenommen, seine künstlerische Ausbildung begann und im Zuge dessen auch die ersten Möglichkeiten, eigene Arbeiten öffentlich auszustellen. Briefe seines Umfelds schildern die Strenge „Trattchens“, die er sich schon in jungen Jahren selbst entgegenbrachte. Er verlangte sich selbst viel ab, hatte aber auch ebenso hohe Ansprüche an sein soziales Umfeld. Seine hohe Feinfühligkeit ließ ihn jedoch schnell zweifeln und missmutig werden, seine Leistungsbereitschaft trieb ihn dennoch vorwärts.

Der junge Tratt machte sich gut, und bereits 1926 wurde er darum in die Klasse des zu jener Zeit schon renommierten Max Beckmann aufgenommen, der sein Meisteratelier in der Kunstschule des Städelmuseums unterhielt. In der ersten Ausstellung 1927, die im Rahmen der Meisterklasse stattfand, äußerten Kritiker: „Beckmann würde keine Eigenindividualität in seiner Nähe aufkommen lassen und würde so eine Schar junger Beckmänner heranziehen.“ Ein schwieriger Start für den sensiblen Jungkünstler Tratt, der sich freilich noch in einer Entwicklungsstufe befand, die gutwilligen Gehorsam gegenüber seinem Lehrer von ihm verlangte und mit derlei Vorwürfen er in Selbstzweifel gerissen wurde. Es gab aber auch zunehmend glückliche Momente, zum Beispiel die Realisation der Ausstellung „Junge Künstler“ im Jahr 1930. Die Beckmann-Schüler taten sich in ihrem täglichen Schaffen positiv hervor, Karl Tratt wurde in einer Ausstellungskritik lobend erwähnt, gelang ihm in den Augen jenes Autors immerhin „gelegentlich ein eigener Ton“. Tratt fühlte sich ermutigt, verfolgte seine Tätigkeit ehrgeizig, versuchte stets, sich zu verbessern und seine eigene Bildsprache zu finden. Nach und nach kamen weitere Ausstellungen in Frankfurt, Stuttgart oder Berlin sogar in Paris hinzu. Tratt zeigte er seine Arbeiten öffentlich, finanziell konnte er sich noch nicht unabhängig machen und war auf die Frankfurter Künstlerhilfe angewiesen.

Das Jahr 1933 bedeutete, wie bei so vielen Kunstschaffenden jener Zeit, einen schmerzlichen Einschnitt. Max Beckmann war bereits in Ungnade gefallen, vertrat er doch die „moderne“ Kunst, die abgelehnt und im Zuge dessen auch politisch manipuliert wurde. Zwar wurde Tratt in der Schau „Das junge Frankfurt“ noch 1933 von der Presse gelobt, er habe den Einfluss seines Lehrers überwunden. Die öffentliche Denunzierung der Kunstgewerbeschule und vor allem der Beckmann-Schüler blieb trotzdem nicht aus. Max Beckmann selbst wurde bereits im April fristlos aus seinem Posten entlassen, die Nazis verlangten eine „Säuberung“ der gesamten Schule von den „zersetzenden Kunstbolschewiken“, die Meisterklasse löste sich auf. Die schwierige berufliche und finanzielle Situation Karl Tratts wurde zusätzlich überschattet, als er im Laufe des Jahres 1934 nach einer medizinischen Untersuchung die Diagnose Tuberkulose erhielt. Die Hoffnungen auf ein Lebenswerk zerschlugen sich, Verzweiflung beherrschte sein psychisch bereits angeschlagenes Gemüt. Sein Zustand veranlasste ihn im Jahr 1935 zu einem Sanatoriumsaufenthalt in Davos, wo er sich vorerst fürsorgliche Pflege versprach und auch leise an Heilung dachte.

Jedoch unaufhörlich von Kopfschmerzen und Übelkeit geplagt, verließ Karl Tratt ohne Heilungserfolg das Sanatorium und kehrte 1936 wieder nach Frankfurt zurück, wo sein Bruder in bei sich aufnahm. Einige erhaltene Schriftstücke geben Einblicke in die Qualen, die er erlitt. Seine Fieberschübe und Schlafstörungen ließen ihn teils wie gelähmt werden, teils lösten sie aber auch einen ungeahnten Ehrgeiz aus. Er fing an, seine Zustände niederzuschreiben oder Erzählungen zu dichten, die sich um das Pseudonym „Vinzent Caté“ drehen. Im April 1937 kam Tratt ins Frankfurter Krankenhaus. Er ahnte um sein Lebensende und schrieb einer Freundin: „Einmal wenn Sie wiederkommen – werden Sie nurmehr meine Seele vorfinden. Dann setzen Sie vorsichtig und behutsam Ihren Fuss ins Zimmer – stören Sie beileibe die Stille nicht.“ Am 16. Dezember 1937, einen Tag nach seinem 37. Geburtstag starb Karl Tratt.

Dokumentarisch führt der Hans-Jürgen Fittkau den Leser an das turbulente Leben des jungen Künstlers heran. Basierend auf umfangreichen wissenschaftlichen Recherchen gelingt eine umfassende Betrachtung, die sowohl die Situation des Elternhauses, das soziale Umfeld der Beckmann-Klasse als auch den psychisch-seelischen Zustand Tratts berücksichtigt. Der Beckmann-Klasse selbst sind eigene Kapitel gewidmet. Strukturen, Hierarchien, Arbeitsweisen, Konflikte und die Persönlichkeit Max Beckmanns sowie ihre Rolle in der Weiterentwicklung seiner Schüler erhalten große Aufmerksamkeit und erfüllen das geschilderte Leben des Malers mit wertvollen Hintergrundinformationen. Für Beckmann-Liebhaber stellt die Biografie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis seiner Berufung als Lehrer dar, das künstlerische Werk Karl Tratts erhält gebührende Beachtung und dadurch einen eigenen Platz in der Kunstgeschichte.

Hans-Jürgen Fittkau: Aus der Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt (1900-1937)
VDG-Verlag, Weimar 2011
134 Seiten, 25 Seiten Abbildungsverzeichnis
Preis 34 Euro



02.03.2016

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Hans-Jürgen Fittkau: Aus der
 Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt
Hans-Jürgen Fittkau: Aus der Meisterklasse Max Beckmanns. Der Frankfurter Maler Karl Tratt

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Karl Tratt










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